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Döbeln: Veronika Bellmann hätte die Briefwahl gewonnen

Wie schon früher gibt es deutliche Abweichungen bei den Briefwahlstimmen. Woran liegt das? Ein Erklärungsversuch.

Im großen Sitzungssaal im Döbelner Rathaus befand sich eines von sechs Wahllokalen, in denen die Stimmen der Briefwahl ausgezählt wurden.
Im großen Sitzungssaal im Döbelner Rathaus befand sich eines von sechs Wahllokalen, in denen die Stimmen der Briefwahl ausgezählt wurden. © Dietmar Thomas

Döbeln. Etwa 4.400 der rund 19.000 Döbelner Wähler sind am Sonntag nicht an die Urne geschritten, sondern haben ihre Stimme per Briefwahl abgegeben. Das ist ein neuer Rekord. Gemessen an der Wahlbeteiligung sind das etwa ein Viertel aller Stimmen. Eines fällt dabei ins Auge. Wie schon bei den vergangenen Wahlen gibt es deutliche Unterschiede beim Abstimmungsverhalten der Briefwähler zum Gesamtergebnis.

Um es ganz klar zu formulieren: Wäre es nach dem Willen allein der Briefwähler gegangen, hätte nicht Carolin Bachmann von der AfD das Direktmandat im Bundestag erhalten, sondern Veronika Bellmann von der CDU. In keinem der „normalen“ Wahllokalen dagegen hatte die CDU-Kandidatin vor der AfD gelegen.

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Ergebnis weicht deutlich ab

Die Abweichungen sind auffällig. Carolin Bachmann hatte in Döbeln insgesamt 31.7 Prozent der Stimmen erhalten. Auf Veronika Bellmann entfielen 22,5 Prozent der Stimmen. Die einzelnen Ergebnisse der Briefwahl fallen deutlich anders aus. In einem der sechs Döbelner Briefwahllokale im Lessing-Gymnasium wurden für Carolin Bachmann von der AfD lediglich 21,6 Prozent der Stimmen ausgezählt, für Veronika Bellmann dagegen 30,6 Prozent und damit das Ergebnis praktisch umgedreht.

Bei den Zweitstimmen fällt das Ergebnis allerdings nicht so deutlich aus. Da liegen CDU zwar auch vor der AfD, aber nur mit leichtem Vorsprung.

Phänomen gab es schon bei früheren Wahlen

Auch in vier weiteren Briefwahllokalen lag Bellmann vorn. Nur beim Briefwahllokal im Ratskeller bekam die AfD Direktkandidatin mehr Stimmen als die CDU. Bei den anderen Parteien sind die Verschiebungen bei weitem nicht so groß.

Ähnliche Ergebnisse gab es auch schon bei vergangenen Wahlen. Dirk Munzig, früher Stadtrat der AfD und nach seinem Austritt aus der Partei Stadtrats-Fraktionschef von „Jetzt - für unser Döbeln“ hatte in der Vergangenheit schon laut darüber nachgedacht, ob bei der Briefwahl alles mit rechten Dingen zugeht. Daraus resultierte am Ende auch ein Antrag der Fraktion, spezielle Boxen mit elektronischen Schlössern für die Aufbewahrung der Briefwahlunterlagen zu mieten – ein Vorschlag, der in der vergangenen Woche vom Stadtrat abgelehnt wurde.

Abweichungen in allen Briefwahllokalen

Allerdings sind diese Abweichungen kein Döbelner Phänomen. In fast allen Briefwahllokalen der Region liegt Bellmann vor Bachmann und bei den Zweitstimmen die CDU nahe bei der AfD.

Eine Erklärung ist schwierig. Versuche von Fälschungen der Briefwahl hatte es in Deutschland schon gegeben. Aber sie sind extrem schwierig. Jemand müsste sich im großen Stil Briefwahlunterlagen von Wählern besorgen – und das flächendeckend, um dieses Ergebnis zu erreichen.

Jüngere und Ältere wählen seltener AfD

Was steckt dann hinter dem Phänomen. Stefan Merz, Direktor Wahlen bei Infratest dimap, sagte in einem Interview für den WDR, dass junge und ältere Menschen die Briefwahl überdurchschnittlich häufig nutzen. Und das könnte der Ansatz für einer Erklärung sein.

Nach der repräsentativen Wahlstatistik für die Bundestagswahl 2017 – die neueren Zahlen liegen noch nicht vor – sind es in Sachsen vor allem die Menschen im „Mittelalter“ von 45 bis 60, die AfD wählen. Der Anteil der Stimmen von Wählern bis 25 Jahren für die AfD liegen dagegen bei nur reichlich drei Prozent. Allerdings ist auch die CDU in dieser Gruppe nicht beliebter.

Auch von den Wählern über 70 bekommt die AfD weniger Wertschätzung. Der Stimmanteil dieser Bevölkerungsgruppe für die Blauen liegt bei etwa 15 Prozent. Die CDU dagegen bekam 2017 aus dieser Altersgruppe fast ein Drittel der Gesamtstimmen.

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