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Döbelner Krematorium ist überlastet

Auf dem Hof wurde eine große Kühlzelle aufgestellt. Aber auch diese zusätzlichen Kapazitäten sind ausgereizt.

Das Döbelner Krematorium hat sich eine große Kühlzelle auf den Hof gestellt. Die vorhandenen Kapazitäten haben nicht mehr ausgereicht.
Das Döbelner Krematorium hat sich eine große Kühlzelle auf den Hof gestellt. Die vorhandenen Kapazitäten haben nicht mehr ausgereicht. © Dietmar Thomas

Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise sterben viele Menschen – viel mehr als zu anderen Zeiten. Die Krematorien sind mit dem Einäschern der vielen Toten überfordert. „Wir schaffen es nicht mehr. Kein Krematorium in Sachsen schafft es. Keiner hat mehr Kapazitäten, keiner kann dem anderen helfen“, sagte Holger Rösel, Geschäftsführer des Krematoriums in Döbeln. „Das sollte auch ein Alarmsignal für die Bevölkerung sein.“

Kühlauflieger auf dem Hof

Weil auch die Kühlkapazitäten bei Weitem nicht mehr ausreichen, hat sich das Döbelner Krematorium eine große Kühlzelle angeschafft. Der Sattelauflieger steht auf dem Hof des Krematoriums. „Die Kühlkapazitäten der Bestatter sind erschöpft. Wir könnten sagen, wir nehmen keine Toten mehr an. Oder wir können zusätzliche Kühlmöglichkeiten schaffen“, sagte Rösel. Aber auch diese vergrößerte Kapazität reicht mittlerweile nicht mehr aus. Die Bestatter können derzeit nur mit einem Termin Tote zur Einäscherung bringen. Manche Bestatter schafften sich schon eigene zusätzliche Kühlkapazitäten, sagte Rösel und verweist auf einen Fall in Pirna, über den Sächsische.de berichtet hatte.

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Einäscherungen in drei Schichten

Das Krematorium arbeitet derzeit in drei Schichten. Um die zwölf Einäscherungen am Tag sind möglich, sagte der Geschäftsführer. Erhöhen lässt sich diese Zahl nicht. „Es gibt keine Eilverbrennung. Alles muss in den vorgeschriebenen Normzeiten erfolgen“, sagte Rösel.

Entsprechend häufig sind derzeit auch Trauerfeiern abzuhalten. Auch da bewegt sich das Krematorium am Rande des Möglichen. „Wir versuchen, das so pietätvoll wie möglich zu gestalten. Aber es ähnelt schon einer Massenabfertigung“, sagte der Geschäftsführer.

Hoffen auf Normalität

Rösel hofft, dass sich die Situation wieder normalisiert. Sehr groß ist die Hoffnung allerdings nicht, dass es schnell geht. „Ich denke, bis Ende des ersten Quartals werden wir noch damit zu tun haben.“

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Das Krematorium ist seit jeher ein Unternehmen der Entsorgungsgesellschaft Döbeln und gehört wie diese zur deutschlandweit agierenden Artur Becker Gruppe. Auf den Schutz der Mitarbeiter vor Corona werde großen Wert gelegt, sagte Rösel. „Wir sind da sehr vorsorglich. Wir hatten bisher auch wenig Ausfälle.“ Maskenpflicht habe schon bestanden, als es noch keine allgemeine Vorschrift war, so Rösel. Und bei Schichtbetrieb wie im Krematorium werde dafür gesorgt, dass sich die Mitarbeiter nicht begegnen.“

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