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Ein Arbeitsleben lang Zigarren gedreht

Ilse Kegel ist am Donnerstag 100 Jahre alt geworden. „Die Rollerin“ wird sie bisweilen noch von ihren Mitbewohnern im Leisniger Seniorenzentrum genannt.

Bei der Feier zum 100. Geburtstag von Ilse Kegel im Leisniger Seniorenzentrum „Am Sonnenblick“ waren deren Enkelin Carmen Kießling und Tochter Gisela Dehmelt dabei.
Bei der Feier zum 100. Geburtstag von Ilse Kegel im Leisniger Seniorenzentrum „Am Sonnenblick“ waren deren Enkelin Carmen Kießling und Tochter Gisela Dehmelt dabei. © Dietmar Thomas

Leisnig. Dieser Spitzname hat allerdings nichts mit einem Fortbewegungs- oder Hilfsmittel zu tun, sondern mit dem, was Ilse Kegel ihr Arbeitsleben lang gemacht hat: Zigarren und Zigaretten hergestellt.

Am Anfang war das noch reine Handarbeit. Doch ab 1955 zog auch in den VEB Leisniger Zigarrenfabriken Technik ein, zuerst Wickelmaschinen, im Jahr darauf Rollmaschinen. Die Belegschaft – fast ausschließlich Frauen und darunter Ilse Kegel – war zu diesem Zeitpunkt auf 500 Beschäftigte gewachsen.

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„Bis zur Rente habe ich in der Zigarre gearbeitet“, sagte Ilse Kegel. „Zigarre“, so haben die Leisniger diesen Betrieb all die Jahre und noch über die Betriebsschließung 1991 hinaus genannt. Mittlerweile ist das Produktionsgebäude abgerissen. Auf dem Gelände befinden sich Netto, NKD und die Punkt-Apotheke.

Fünf Generationen - eine große Familie

Ilse Kegel ist ein Leisniger „Urgestein“, wie ihr Mitarbeiterin Anke Schumann, die für den Bereich Beschäftigung verantwortlich ist, entlockte. Die Seniorin wurde zu Hause in der elterlichen Wohnung in der Obermarktgasse geboren. Vier Kinder hat sie großgezogen. Sie selbst war eines von fünf Geschwistern – Trubel um sich zu haben, war und ist sie gewohnt.

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Gefeiert habe die Familie später trotzdem in Etappen, wie Enkelin Carmen Kießling sagte. Mittlerweile gehören fünf Generationen zur großen Familie, das jüngste der beiden Ururenkelkinder ist gerade vier Monate alt.

Auf ihre „alten Tage“ ist Ilse Kegel 2018 noch einmal umgezogen: vom Sachsenplatz ins Pflegeheim am Sonnenblick. Seit 2005 pendelte sie bereits zwischen Wohnung und Heim, um sich das Mittagessen dort schmecken zu lassen, nicht mehr selbst kochen zu müssen.

Ein Stück Normalität für den Heimalltag

Seit 2015 war sie Tagespflegegast. Vorher besuchte sie gern die Begegnungsstätte. Nach ihrem Einzug teilte sie sich ein Zimmer mit Ilse Altenburger (96). Nun sind „die beiden Ilsen“, wie es Anke Schumann formulierte, Nachbarinnen, wohnen Zimmer an Zimmer.

Für die Bewohner und die Mitarbeiter der Einrichtung „Am Sonnenblick“ war die Jubiläumsfeier wieder ein Schritt zurück in die Normalität. Denn wegen Corona durfte es lange Zeit keine solchen Runden geben.

Auch das Haus durften die Bewohner aufgrund der Pandemie kaum verlassen. Das hat sich mittlerweile geändert. Deshalb durfte Ilse Kegel dann auch den Donnerstagnachmittag mit einem Teil ihrer Familie verbringen und auf 100 Lebensjahre anstoßen.

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