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Karls eröffnet Manufakturen-Markt in Döbeln

Erst der Laden, dann das Erlebnis-Dorf: Karls hat ein Geschäft in Döbeln eröffnet. Dafür nahmen Kunden auch lange Fahrten in Kauf.

Von Jens Hoyer & Cathrin Reichelt
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Nach der Eröffnung von Karls Manufakturenmarkt bildet sich auf dem Döbelner Obermarkt eine immer länger werdende Schlange.
Nach der Eröffnung von Karls Manufakturenmarkt bildet sich auf dem Döbelner Obermarkt eine immer länger werdende Schlange. © Bildstelle

Döbeln. Die erste Kundin stand eine halbe Stunde vor Ladenöffnung vor der Tür von „Karls Manufakturen-Markt“ und brachte Alpenveilchen als Geschenk mit. Christine Meier wohnt in Döbeln Nord und kannte Karls bisher nicht persönlich. Aber sie ist auf dem besten Wege, eine begeisterte „Karlsianerin“ zu werden. „Meine Bekannten haben immer von Karls geschwärmt. Wir freuen uns schon lange, dass jetzt ein Laden aufmacht. Ich will Marmelade, Kaffee und Schokolade kaufen und mich umschauen“, erzählte sie.

Es ist der erste Laden überhaupt, den Karls in Sachsen aufmacht. „Ich bin so glücklich, dass wir heute eröffnen können“, sagte Karls-Chef Robert Dahl. Auch wenn das Erlebnis-Dorf in eineinhalb Jahren in Döbeln Nord den Betrieb aufnimmt, soll das Ladengeschäft in Döbeln bleiben. „So ist der Plan“, sagte Dahl.

Familie Richter, die viele Jahrzehnte in dem Geschäft am Obermarkt einen Hutladen betrieben hat, gehört zu den ersten Gratulanten.
Familie Richter, die viele Jahrzehnte in dem Geschäft am Obermarkt einen Hutladen betrieben hat, gehört zu den ersten Gratulanten. © Lutz Weidler
Schon vor der offiziellen Eröffnung haben sich viele Neugierige vor Karls Manufakturenmarkt versammelt.
Schon vor der offiziellen Eröffnung haben sich viele Neugierige vor Karls Manufakturenmarkt versammelt. © Lutz Weidler
Christine Meier (rechts) ist die erste Kundin in Karls Manufakturenmarkt. Sie hat Marketingleiterin Nadia Schriever zur Begrüßung ein Alpenveilchen mitgebracht.
Christine Meier (rechts) ist die erste Kundin in Karls Manufakturenmarkt. Sie hat Marketingleiterin Nadia Schriever zur Begrüßung ein Alpenveilchen mitgebracht. © Lutz Weidler
Die Neugier ist groß. Zur Eröffnung drängen sich viele Döbelner vor Karls Manufakturenmarkt auf dem Döbelner Obermarkt.
Die Neugier ist groß. Zur Eröffnung drängen sich viele Döbelner vor Karls Manufakturenmarkt auf dem Döbelner Obermarkt. © Lutz Weidler
Bereits kurz vor 9 Uhr wird das obligatorische Band zur Eröffnung durchgeschnitten.
Bereits kurz vor 9 Uhr wird das obligatorische Band zur Eröffnung durchgeschnitten. © Lutz Weidler
Vor dem Laden hat sich schnell eine Schlange gebildet.
Vor dem Laden hat sich schnell eine Schlange gebildet. © Lutz Weidler
Im Manufakturen-Markt gibt vieles von dem, was die Karls-Fans kaufen wollen. Aber nicht alles.
Im Manufakturen-Markt gibt vieles von dem, was die Karls-Fans kaufen wollen. Aber nicht alles. © Lutz Weidler

Der Laden sei ein Vorschlag von Oberbürgermeister Sven Liebhauser gewesen, so Dahl. „Damit bekommen wir in Döbeln schon einmal ein klein wenig den Fuß in die Tür. Ich finde diesen Standort so traumhaft.“ Erst habe er sich gar nicht vorstellen können, einen Laden in Döbeln zu eröffnen, gibt er zu.

Große Hoffnungen mit Karls verknüpft

Die Döbelner verknüpfen mit der Anziehungskraft von Karls große Hoffnung für die Entwicklung der Innenstadt. „Ich finde es toll, dass Sie dieses Geschäft am Obermarkt eröffnen und dass Sie eine Bereicherung sein werden“, sagte Grit Neumann, Vorsitzende des Stadtwerberings.

Oberbürgermeister Sven Liebhauser (CDU) band Dahl eine Schürze um, die ihn als „Robert Meisterkoch“ ausweist. „Das Erlebnis-Dorf in Döbeln muss noch zubereitet werden“, erklärte das Stadtoberhaupt. Ein paar Kochhandschuhe gab es noch dazu: für die „heißen Eisen“, die Dahl dafür noch anfassen müsse.

Vor einem Jahr Grundsatzbeschluss zu Karls gefasst

Vor einem Jahr und zwölf Tagen ist in der Stadt der Grundsatzbeschluss zu Karls gefasst worden. Einen Tag später ist der Notarvertrag für den Grundstücksverkauf unterzeichnet worden. Mit dem Laden sei Karls nun in Döbeln angekommen, so Liebhauser.

Nach dem obligatorischen Durchschneiden des Bandes kamen die ersten Kunden. Nach kurzer Zeit bildete sich draußen eine 20 Meter lange Schlange. Kurzer Schreck: Gleich zu Beginn funktionierte die Kasse nicht. Eine Zeit lang addieren die Verkäuferinnen mit dem Taschenrechner, bis das Problem behoben war.

Aus Chemnitz wegen Marmelade angereist

Heike Neumann aus Chemnitz und ihre Freundin Sabine Gebert kamen eine dreiviertel Stunde nach Eröffnung mit gefüllten Einkaufsbeuteln aus dem Laden. „Das ist ein Pflichtbesuch“, sagte Heike Neumann. „Wir werden jetzt öfter herkommen. Da brauchen wir nicht bestellen und verbinden das gleich mit einem Bummel durch die Stadt.“

Richtig Arbeit hatte an diesem Tag Ulrike Dahl, die Personalchefin von Karls. Sie führte draußen vor dem Laden die ersten Gespräche mit einer Menge Bewerbern, die im Erlebnis-Dorf arbeiten wollen. Etwa 130 Bewerbungen seien bisher schon eingegangen, sagte sie.

Pferdebahner wollen kooperieren

Die Döbelner Pferdebahner rollten mit der Pferdestraßenbahn vor. Karls spendierte allen Kunden eine Gratisfahrt. Jörg Lippert, Chef der Pferdebahner, verknüpft mit Karls Erlebnis-Dorf große Hoffnungen.

„Wenn nur ein geringer Prozentsatz der Besucher nach Döbeln kommt, haben wir gewonnen“, sagte Lippert. „Wir sind im Gespräch, wie wir gegenseitig profitieren können. Wenn das klappt, dann können wir die Pferdebahn nicht mehr nur einmal im Monat fahren lassen. Jetzt haben wir 20.000 Fahrgäste im Jahr. Was ist das gegen vielleicht zehn Prozent der Besucher von Karls Erlebnis-Dorf?“ Dahl hatte die Summe von 500.000 Besuchern im Jahr zu Beginn genannt.

Stadt und Investor stecken derzeit noch über beide Ohren im Genehmigungsverfahren für Karls Erlebnis-Dorf. Dafür sei eine Menge Arbeit zu leisten. Nötig sind Gutachten zu Wasser und Boden, auch eine „Auswirkungsanalyse“ zu Manufakturen und das geplante Hotel auf die umliegenden Städte, sagte Baudezernent Thomas Hanns.

Eine Lärmprognose sei aufzustellen. Die Erschließungsplanung für Wasser, Abwasser und Strom laufe. Auch die Anbindung an B 169 und A 14 muss geplant werden. „Wir gehen davon aus, dass kein Planfeststellungsverfahren zum Verkehr nötig ist“, sagte Hanns. Wenn alles klappt, ist Mitte kommenden Jahres Baubeginn. Zu Ostern 2023 will Karls eröffnen.

Fans freuen sich im Netz

Im sozialen Netzwerk Facebook hatten sich die Karls-Fans aus ganz Sachsen darüber gefreut, dass es jetzt das Geschäft ganz in ihrer Nähe gibt. Das nächste Karls-Erlebnisdorf gibt es in Elstal bei Berlin. In Döbeln werden allerdings vor allem die Bestseller aus den 23 Manufakturen von Karls angeboten und nicht das gesamte umfangreiche Sortiment.

Das sind überwiegend Lebensmittel wie Kaffee, Marmelade, Schokolade, Bonbons und Popcorn, aber auch Seife. Dazu kommen die Produkte anderer Hersteller wie Tee, für den gefriergetrocknete Erdbeeren von Karls verwendet werden. Das Angebot an anderen Produkten wie Deko-Artikeln ist eher klein, weil dafür im Geschäft der Platz nicht ausreicht.