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Franken chauffieren Döbelner Ärzte

Die Fahrer sitzen aber nicht nur hinter dem Lenkrad. Sie übernehmen auch medizinische Aufgaben.

Mit solch einem Fahrzeug der Helfenden Franken sind die Ärzte aus der Region Döbeln ab dem 1. April während ihres Bereitschaftsdienstes unterwegs.
Mit solch einem Fahrzeug der Helfenden Franken sind die Ärzte aus der Region Döbeln ab dem 1. April während ihres Bereitschaftsdienstes unterwegs. © Helfende Franken

Region Döbeln. Es war eine Besonderheit in der Region Döbeln: Die Roßweiner Feuerwehrleute haben die Ärzte unterstützt und während ihres Bereitschaftsdienstes zu den Patienten gefahren. Damit ist jetzt nach 16 Jahren Schluss. Aber nicht, weil die Kameraden ihre Hilfe fortan untersagen, sondern weil es eine Alternative gibt.

Ab dem 1. April werden die Helfenden Franken die Fahrdienste für die Ärzte in ganz Mittelsachsen übernehmen. Das Unternehmen aus Weismain in Bayern hat eine europaweite Ausschreibung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen gewonnen.

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Das vor knapp sieben Jahren gegründete Unternehmen hat inzwischen mehr als 350 Mitarbeiter und ist in vier Bundesländern unterwegs. In Sachsen agieren die Helfenden Franken unter anderem bereits in Dresden, Chemnitz, Freital, Bautzen und Aue-Schwarzenberg.

Von den 120 Fahrzeugen sind drei ab sofort in Döbeln und Mittweida stationiert. „Wir haben in beiden Städten Räume angemietet, in denen sich die Mitarbeiter in den Pausen aufhalten können“, erklärt der kaufmännische Leiter Michael Müller.

Entlastung für die Mediziner

Die Fahrer haben aber nicht nur die Aufgabe, die Ärzte zu den Patienten zu bringen. Sie sind für die Verkehrstüchtigkeit der Fahrzeuge sowie deren Pflege verantwortlich. Außerdem begleiten und unterstützen sie den diensthabenden Arzt während des Hausbesuchs bei der Versorgung des Patienten und der Dokumentation.

„Die Fahrer haben eine Ausbildung als Rettungs- oder Notfallsanitäter“, unterstreicht Müller die Kompetenz der Mitarbeiter für die medizinische Hilfe.

Der Fahrdienst kommt ausschließlich für den Bereitschaftsdienst zum Einsatz, den die Ärzte außerhalb der Sprechstunden der Hausarztpraxen leisten. Dass die Ärzte nicht selbst zu den Patienten fahren müssen, sei für sie wirtschaftlicher und verschaffe ihnen insgesamt mehr Freizeit.

Da die Fahrdienste gleichzeitig in Döbeln und Mittweida etabliert werden, entlaste das die Ärzte in ganz Mittelsachsen. Denn dadurch seien insgesamt weniger Ärzte im Einsatz. „Das sind Punkte, die es für Mediziner attraktiver machen sollen, sich auf dem Land niederzulassen“, erklärt der kaufmännische Leiter.

Einsatzgebiet flexibel

Die Dienstplanung für die Fahrer erfolge in der Hauptverwaltung der Firma in Oberfranken. Die Koordinierung der Einsätze in der Region Döbeln übernimmt die KV Sachsen. Dabei sei das Einsatzgebiet aber nicht starr.

„Ist ein Arzt zum Beispiel gerade in Ostrau im Einsatz und es meldet sich ein Patient aus Stauchitz, wird der Arzt gleich dorthin weiterfahren. Denn er ist schneller vor Ort, als der eigentlich zuständige Bereitschaftsarzt aus Meißen“, verdeutlicht Michael Müller.

Personen, die die Hilfe eines Bereitschaftsarztes benötigen, sollten weiterhin die 116117 wählen. „Der Fahrer muss den Arzt innerhalb von 15 Minuten aufnehmen, nachdem er die Meldung für einen Einsatz erhalten hat“, so Müller.

Die Fahrzeuge sind mit Notfallrucksäcken ausgestattet, um in akuten Notfällen helfen zu können. Medikamente bringe jeder Arzt selbst mit. Er richte sich dabei nach den Vorgaben der KV Sachsen.

Der Bereitschaftsarzt übernehme aber nach wie vor nur die Behandlung von Patienten in deren Wohnung oder in Pflegeheimen. Stellt sich die Erkrankung als schwerwiegend heraus, werde ein Rettungswagen hinzugerufen, der die Person gegebenenfalls in ein Krankenhaus bringt. Für einen solchen Transport sind die Bereitschaftsfahrzeuge nicht ausgerüstet.

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