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Wasserrohrbruch zwingt Harthaer zum Auszug

Die Wohnung eines 60-Jährigen wird komplett geflutet, viele Möbel gehen kaputt. Doch auf Hilfe des Vermieters wartet er vergeblich.

Das Wohnzimmer des 60-jährigen Harthaers ist komplett zerstört. Von der Decke tropfte letzte Woche das Wasser aus der oberen Wohnung ununterbrochen.
Das Wohnzimmer des 60-jährigen Harthaers ist komplett zerstört. Von der Decke tropfte letzte Woche das Wasser aus der oberen Wohnung ununterbrochen. © Dietmar Thomas

Hartha. Hans Lehmann (Name geändert) ist stinksauer. In der vergangenen Woche hat er fast alles verloren. In dem Haus an der Pestalozzistraße, wo er eigentlich lebt, gab es einen Wasserrohrbruch und damit verbunden einen riesigen Sachschaden. Seit einer Woche lebt er nun in einer „Notwohnung“ der Wohnbau Hartha, denn auf Hilfe vom Vermieter wartet er bislang vergeblich.

Lehmann ist 60 Jahre alt, seit 23 Jahren lebt er in seiner Wohnung an der Pestalozzistraße und lange Zeit war alles gut. „Hier haben damals auch noch mehrere Mieter gelebt, doch zuletzt war ich alleine“, erzählt der ehemalige Zeitungsbote. 2010 zog der letzte Mieter aus.

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Rohrbruch: Wasser dringt aus Leitung in oberer Wohnung

Er war zugleich auch der damalige Vermieter und gab das Haus im gleichen Atemzug ab. Von da an, lebte der 60-Jährige mietfrei in seiner Wohnung. Doch spätestens seit 2016 mit dem neuen Eigentümer gebe es durchgängig Probleme, meint der Harthaer.

„Der neue Vermieter kassiert die Miete, aber hat bisher noch keinen Handschlag getan“, sagt Lehmann. „Das Dach ist kaputt, deswegen gab es schon mehrmals Wasserschäden in den Wohnungen.“ Doch das letzte Wasserproblem am 16. Februar machte das Haus unbewohnbar.

Wie der Harthaer erzählt, wachte er gegen 7 Uhr morgens auf, weil er ein Tropfen im Badezimmer hörte. „Und das wurde immer mehr. Irgendwann fing das Wasser auch an, sich in der Küche, dem Wohnzimmer und dem Flur zu verteilen“, erzählt Lehmann. In dem Augenblick wusste er nicht, wie er nun vorgehen soll.

Der Keller zum Haupt-Wasserhahn war abgeschlossen und der Mieter hatte keinen Schlüssel für die Tür. Auch zur oberen, leerstehenden Wohnung, in der das Wasser ausbrach, habe er keinen Zugang gehabt, so der 60-Jährige.

Letztendlich rief er die Stadtverwaltung an. „Der Chef des Ordnungsamtes kam vorbei, rief die Veolia an und diese hat dann am Mittag die gesamte Wasserzufuhr für das Haus gekappt.“ Auch der Strom sei sofort abgestellt worden, um Kurzschlüsse zu vermeiden. Anschließend rettete Hans Lehmann alle wichtigen Dokumente, Elektro-Geräte und alles, was noch „irgendwie zu verwenden war“.

Vermieter reagiert nicht auf Kontaktversuche

Mithilfe der Wohnbau Hartha konnte eine „Notwohnung“ für den ehemaligen Zeitungsboten organisiert werden. Gemeinsam mit dem Bauhof wurden im Anschluss die verbliebenen Möbel in die Übergangs-Wohnung gebracht.

Geschätzt die Hälfte, darunter die Küche, das Bett und die Schrankwand sind dem Wasser zum Opfer gefallen. Mehrere tausend Euro Schaden sind allein am Eigentum von Hans Lehmann entstanden. Mehrmals versuchte er, den Vermieter zu kontaktieren, ihm den Vorfall zu schildern und letztendlich die Versicherung des Vermieters in die Pflicht zu nehmen.

Im Schlafzimmer ist der Schaden mit am größten. Dort sind auch Schäden aus ehemaligen Vorfällen zu sehen.
Im Schlafzimmer ist der Schaden mit am größten. Dort sind auch Schäden aus ehemaligen Vorfällen zu sehen. © Erik-Holm Langhof
Ein Großteil der Möbel mussten in der Wohnung bleiben. Sie sind durch die Nässe komplett beschädigt.
Ein Großteil der Möbel mussten in der Wohnung bleiben. Sie sind durch die Nässe komplett beschädigt. © Dietmar Thomas

Doch bisher ohne Erfolg, wie der 60-Jährige sagt. „Mit meiner Anwältin sind wir schon vorher gegen den Vermieter vorgegangen, haben die Miete aufgrund der Mängel gekürzt. Aber er hat sich nicht gezuckt, auch jetzt wieder nicht.“ Letztendlich hat er seine Mandantschaft zurückgezogen, sieht keinen Erfolg im Rechtsstreit.

Seine Versicherung schickte noch in der vergangenen Woche einen Gutachter, der auf 5.500 Euro kam, die Lehmann zunächst für den Schaden an seinen Möbeln bekommt. „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein, aber ich bin dankbar dafür. Die Versicherung wird sich das Geld aber mit Sicherheit wieder zurückholen“, meint er und hofft auch auf die Stadtverwaltung, die sich mit dem Hausbesitzer auseinandersetzen will.

Harthaer will Strafanzeige bei der Polizei stellen

Auf Anfrage bestätigt Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos), dass die Verwaltung den Hauseigentümer mehrmals versucht hat, zu kontaktieren. Bisher jedoch ebenfalls ohne Erfolg. „Wir haben das Gebäude im Blick, werden im Notfall auch eingreifen, um die allgemeine Sicherheit zu gewährleisten“, so das Stadtoberhaupt. „Doch mehr als Abwarten und die Strom- und Wasserzufuhr für die Sicherheit abstellen zu lassen, können wir nicht.“

Im Erdgeschoss des Hauses an der Pestalozzistraße sucht die Firma „Domizil UG“, der das Haus augenscheinlich gehört, derzeit einen Mieter für ein Büro. Geschäftsführer des Unternehmens ist laut Handelsregister Harms Bird Sören Eggers. Auf telefonische Anfrage des Döbelner Anzeigers zum Wasserrohrbruch und der Sachschäden in der Wohnung von Hans Lehmann, lehnte Eggers eine Stellungnahme ab.

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Der 60-jährige Harthaer überlegt nun, bei der Polizei Strafanzeige gegen den Vermieter zu stellen. Bis Ende März darf er zunächst in der Übergangs-Wohnung der Wohnbau Hartha bleiben. Für danach sucht er nun eine neue Wohnung und hat bereits eine erste mit etwa gleich vielen Quadratmetern in Hartha in Aussicht.

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