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Mehr Einsätze für das Döbelner THW

Die Dienste des Ortsverbandwerden häufiger benötigt. Ein Problem teilt die blaue Truppe mit der Feuerwehr.

Von Jens Hoyer
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Der THW Ortsbeauftragte Christian Winkler am blauen IFA L60, der beim Döbelner THW seit fast 30 Jahren im Einsatz ist. Er wird liebevoll gepflegt, obwohl er nicht mehr zum offiziellen Fahrzeugbestand der Helfer gehört.
Der THW Ortsbeauftragte Christian Winkler am blauen IFA L60, der beim Döbelner THW seit fast 30 Jahren im Einsatz ist. Er wird liebevoll gepflegt, obwohl er nicht mehr zum offiziellen Fahrzeugbestand der Helfer gehört. © Jens Hoyer

Döbeln. Der blaue Laster in der Garage ist der Stolz des Ortsverbandes des Technischen Hilfswerks (THW). Der IFA L60 mit Niederdruckreifen und Allradantrieb ist eines der ersten Fahrzeuge, das von den Döbelnern genutzt wurde. Baujahr 1989, war es 1993 oder 1994 zur Truppe gekommen, sagte Christian Winkler, Ortsbeauftragter des Döbelner THW. Der Laster ist nach wie vor einsatzfähig und wird vom Ortsverein gepflegt. „Er ist ein Überbestand und darf dem THW keine Kosten verursachen“, sagte Winkler.

Der blaue L60 wird am Sonntag mit auf dem Hof stehen, wenn das THW nach zweijähriger Pause mal wieder seinen traditionellen Frühschoppen für Mitglieder, Freunde, Unterstützer und Interessierte abhält. Diesmal gibt es was zu feiern: Der Ortsverband besteht seit 30 Jahren. Dann werden wohl auch drei Veteranen kommen. Wolfgang Winkler, Harald Beulich und Hans-Jürgen Pielmaier waren von Anfang an dabei. „Sie sind alle noch im Ortsverband. Wenn man sie braucht, unterstützen sie uns“, sagte Winkler.

Nur zwei Ortsbeauftragte in 30 Jahren

Das Döbelner THW weist eine erstaunliche Kontinuität auf. „Für THW-Kreise ist es selten, dass ein Ortsverband in 30 Jahren nur zwei Ortsbeauftragte hatte“, sagte Winkler. Vor ihm hatte sein Vater dieses Ehrenamt inne. Für Christian Winkler gibt es in diesem Jahr auch einen runden Jahrestag. Der 34-Jährige hatte vor zehn Jahren die Nachfolge angetreten. In Kürze steht wieder eine Wahl an, so Winkler.

Das Fazit, das Winkler für die vergangenen Jahre zieht, ist kein schlechtes. Obwohl in der Pandemie alle Möglichkeiten der Außenwerbung unterbleiben mussten, war die Mitgliederzahl leicht gestiegen. Im vergangenen Jahr waren vier Helfer neu dazugekommen. Außerdem war ein Junghelfer in die aktive Truppe übernommen worden. Derzeit hat der Ortsverband 46 Mitglieder, darunter 13 Junghelfer. „Die Jugendarbeit ist ein bisschen eingeschlafen. Wir konnten nicht so viel machen, wie wir wollten“, sagte Winkler.

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Die blaue Truppe ist jetzt öfter bei Einsätzen zu erleben als noch vor einigen Jahren. Um die 25 sind es pro Jahr. Das liege an der Zusammenarbeit mit den Feuerwehren. Das Technische Hilfswerk werde jetzt öfter angefordert, sagte Winkler.Die schwere Technik wie etwa der große Radlader ist gefragt, wenn Strohlager brennen und zum Ablöschen auseinandergenommen werden müsse. Die Helfer können das unter Atemschutz. Das war bei einem Großbrand in Berbersdorf der Fall, wo die Döbelner über drei Tage im Einsatz waren. Als in einer Leipziger Recycling-Firma bergeweise Altreifen brannten, war das Döbelner THW drei Tage für Ort.

Expertise nach Gasexplosion gefragt

Auch bei der Gasexplosion in der Döbelner Schillerstraße Anfang des Jahres war die Expertise des THW gefragt. „Wir waren wegen möglicher Einsturzgefahr als Fachberater da. Als die Meldung von der Gasexplosion reinkam, ist einem ganz anders geworden“, sagte Winkler.

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Letztlich war das Unglück, dass von einem Mieter ausgelöst wurde, mit viel Glück relativ glimpflich ausgegangen. Das THW blieb noch, um die Wohnung für die Ermittler der Kripo auszuleuchten. Diese Aufgabe hatte das THW auch schon bei verschiedenen Verkehrsunfällen und anderen Gelegenheiten übernommen. Für Winkler eine sinnvolle Sache. „Warum soll das die Feuerwehr ausleuchten. Die wird an anderer Stelle dringender gebraucht. Die Feuerwehr ist schneller als wir, aber das THW kann länger im Einsatz sein“, so Winkler.

Ein Problem teilt das Hilfswerk aber mit den Feuerwehren. Es ist schwer, die Tagesbereitschaft abzusichern. Zum einen, weil die Helfer weiter entfernt arbeiten, zum anderen, weil sie unabkömmlich sind. „Das wäre ein großer Wunsch, dass die Unterstützung durch die Arbeitgeber größer ist“, sagte Winkler.

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Einen langen Einsatz hatten die Döbelner im vergangenen Jahr nach der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal. „Was man dort an Zerstörung gesehen hat, das kann man mit den Hochwässern in Döbeln 2002 und 2013 nicht vergleichen“, sagte Winkler. Die blauen Helfer räumten Straßen frei, schafften Treibgut weg und reparierten Wege. Eines blieb ihnen bei diesem Einsatz erspart: Bei den Aufräumungsarbeiten auf Leichen zu stoßen. Bei dem Unglück waren 134 Menschen umgekommen.

Neue Fahrzeuge in der Flotte

Die Ausstattung der Truppe ist nach Darstellung von Winkler gut. Beim Frühschoppen wird das THW auch einen neuen Gerätekraftwagen und den Tieflader vorstellen. Ein gut gebrauchter Mannschaftstransportwagen war 2020 aus Zwickau nach Döbeln gekommen. Er wird die Truppe aber wieder verlassen, weil an seine Stelle ein nagelneues Fahrzeug mit einer Netzersatzanlage rücken wird.

Mit dem 50-KW-Generator lässt sich per Lichtmast nicht nur ein großes Areal ausleuchten, sondern auch mal ein größeres Objekt mit Strom versorgen. „Diese Möglichkeit haben wir derzeit nicht. Damit bekommen wir ein wesentlich größeres Betätigungsfeld“, sagte Winkler.

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Seit Gründung des Ortsverbandes ist dieser in einem Gebäudekomplex auf dem ehemaligen Kasernengelände untergebracht. Seit über zehn Jahren will das THW, das eine Einrichtung des Bundes ist, neu bauen. „Das ist ein laufendes Verfahren. Der neue Standort muss für uns passen“, sagte Winkler.

  • Frühschoppen des Döbelner THW am Sonntag, 1. Mai, 10 bis 14 Uhr, auf dem Gelände des Ortsverbandes, Friedrichstraße 17.