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Helios-Klinik schließt Gynäkologie in Leisnig

Die Klinikleitung begründet das genau wie die Schließung der Geburtenstation Ende 2020 mit fehlendem Personal. Auch für die Kinderklinik gibt es Pläne.

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Im Dezember 2019 ist das letzte Baby in einem der Kreißsäle der Helios-Klinik in Leisnig geboren worden. Jetzt ist auch die Gynäkologie geschlossen.
Im Dezember 2019 ist das letzte Baby in einem der Kreißsäle der Helios-Klinik in Leisnig geboren worden. Jetzt ist auch die Gynäkologie geschlossen. © Dietmar Thomas

Leisnig. Seit Mitte Oktober werden in der Helios-Klinik in Leisnig keine Patientinnen mehr in der Abteilung Gynäkologie sowie der gynäkologischen Ambulanz betreut. Das bestätigt die Geschäftsleitung auf Anfrage von Sächsische.de. Von selbst war die Klinik damit nicht in die Öffentlichkeit gegangen.

Grund dafür seien fehlende Fachkräfte im medizinischen Dienst. Zur Sicherheit der Patientinnen habe Helios die bisherigen gynäkologischen Angebote abgemeldet, um eine unsichere Versorgungssituation gar nicht erst entstehen zu lassen. Doch das hat offenbar nicht wirklich funktioniert.

Patientinnen werden in andere Krankenhäuser geschickt

Nach Informationen von Sächsische.de soll mindestens eine Schwangere mit Schmerzen in der Leisniger Klinik vorgesprochen haben und weggeschickt worden sein. Mit bisherigen Patientinnen stehe die Klinik in direktem Kontakt, so Sprecherin Juliane Dylus. "Wir verweisen auf unsere Kooperationen mit anderen Kliniken im Umkreis", sagt sie.

Ob die Gynäkologie zu einem späteren Zeitpunkt wieder öffnet, sich Helios um Personal bemüht und was mit den bisherigen Mitarbeitern der Abteilung geschieht, auf diese und andere Fragen antwortet die Klinikleitung nicht.

Nur noch kinderärztliche Grundversorgung?

Schon zur Schließung der Geburtenstation fragten sich Eltern, wie lange sie noch auf die Kinderklinik in Leisnig setzen können. Im Moment bietet Helios Kindern und Jugendlichen in der Kinderklinik eine Grundversorgung sowie eine chirurgische Grundversorgung in Notfällen, so Juliane Dylus. Spezielle Behandlungen jedoch würden auch jetzt schon in pädiatrische Zentren wie die Uniklinik Leipzig verlegt.

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Doch auch im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin steht die Klinik vor der Herausforderung, für eine 24-stündige Betreuung an sieben Tagen in der Woche ausreichend fachärztliches Personal vorzuhalten.

"Um die Facharztlücke zu schließen, gehen unsere Überlegungen in verschiedene Richtungen", so die Krankenhaussprecherin. Zum einen werde über Kooperationen nachgedacht und zum anderen über die Umstrukturierung des inhaltlichen Spektrums.

"Um eine kinderärztliche Grundversorgung sicherzustellen, eröffnen wir Anfang 2022 eine Kinderarztpraxis im Haus. Mehr können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht konkretisieren", so Juliane Dylus.

Kreißsäle seit Dezember 2020 geschlossen

Die Gynäkologie ist nicht die erste Abteilung, die der Krankenhauskonzern in Leisnig schließt. Im Dezember 2020 hat Helios die Geburtshilfe aufgelöst - nach fast 50 Jahren, in denen nahezu alle Kinder aus dem Altkreis Döbeln in Leisnig geboren worden sind. Bis Anfang der 1970er-Jahre gab es auch in Döbeln noch eine Geburtenstation.

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Die Entscheidung für die Auflösung der Geburtshilfe in Leisnig begründete Franziska Bell, zum damaligen Zeitpunkt Klinik-Geschäftsführerin, mit dem Mangel an Personal. „Wir können in Leisnig insbesondere aufgrund fehlender Fachärzte und trotz intensiver Suche nach Fachpersonal keine dauerhafte qualifizierte stationäre Betreuung werdender Mütter rund um die Uhr aufrechterhalten“, erklärte sie.

Trotz vieler Gespräche kein Weg zurück

Die Entwicklung hatte sich zumindest für Insider schon angedeutet. Denn diese Engpässe, mit denen Helios zunächst eine Schließung der Kreißsäle nur über Weihnachten und den Jahreswechsel angekündigt hatte, die gab es auch zu früheren Zeitpunkten schon.

Für viele andere dagegen war die Nachricht damals ein Schock. Eltern, deren Nachwuchs in Leisnig zur Welt gekommen war, bedauerten die Entscheidung genauso wie werdende Eltern, die überlegt hatten, in Leisnig zu entbinden.

Die Entscheidung rief damals auch Unverständnis in den Reihen der Kommunalpolitiker hervor. Es gab mehrere Runden mit verschiedenen Führungskräften von Helios, Stadträten bis hin zu Landrat und Politikern von Land und Bund. Letztlich ist Helios bei der Entscheidung geblieben, in Leisnig keine Geburtshilfe mehr anzubieten, sondern mit der Klinik in Schkeuditz zu kooperieren.

Storchentaxi fährt eher selten

Seitdem haben Eltern einen längeren Weg in die Krankenhäuser. Viele Eltern, die sich möglicherweise für eine Geburt in Leisnig entschieden hätten, weichen inzwischen auf die Klinik in Mittweida aus. Aber auch in Riesa oder Meißen kommen Babys zur Welt, die im Raum Döbeln zu Hause sind.

Das eingerichtete Storchentaxi, das Eltern bei geplanten Geburten von Leisnig nach Schkeuditz bringt, wird zwar auch angenommen. Allerdings überlegen sich werdende Mütter und Väter schon, ob sie ungefähr eine Stunde Fahrzeit nach Leipzig in Kauf nehmen oder in eine näher gelegene Klinik ausweichen.

In der ursprünglichen Konzeption für das "Netzwerk Geburtshilfe" war auch ein Hebammenstützpunkt in Leisnig mit vielen Beratungs- und Serviceangeboten sowie eine Hebammenpraxis zur Geburtsvorbereitung und -nachbetreuung geplant. Das kündigte Unternehmenssprecher Stefan Möslein im Dezember 2020 an. Umgesetzt worden sind diese Pläne so bislang allerdings nicht.

Keinen Weg für weitere Geburten in Leisnig gefunden

Geprüft worden sei damals auch eine andere Form, den Kreißsaal zu erhalten: So gibt es deutschlandweit einige hebammengeführte Geburtenstationen, so auch an der Muldentalklinik in Grimma.

Laut Kliniksprecher sei das für Helios keine Option gewesen. Dabei hatten sich nach Informationen von Sächsische.de sogar einige Hebammen aus der Region gefunden, die dieses Modell unterstützt und in solchem einem Pool mitgearbeitet hätten.

Hinweis: Der Beitrag ist am 21. Oktober 2021 hinsichtlich des Termins der Schließung der Geburtsstation korrigiert worden.