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Leisniger Helios schließt nun auch die Kinderklinik

Die Schließung der Kinderklinik ist bereits die dritte innerhalb eines Jahres. Die Leisniger Klinikleitung spricht von einem unvermeidbaren Schritt.

Von Cathrin Reichelt
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In der helios Klinik Leisnig schließt zum 31. Dezember die Kinderklinik.
In der helios Klinik Leisnig schließt zum 31. Dezember die Kinderklinik. © Lars Halbauer

Leisnig. Lange war es nur eine Vermutung, jetzt ist es Gewissheit: Nach der Geburtshilfe und der Gynäkologischen Abteilung schließt die Helios Klinik Leisnig zum Jahresende nun auch die Kinderklinik.

„Zum 31. Dezember 2021 stellt die Helios Klinik Leisnig die medizinisch-stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen ein“, teilt Pressesprecher Stefan Möslein mit. Aufgrund des anhaltenden Mangels an Fachärzten könne die Klinik langfristig keine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen mehr sicherstellen, so die Begründung.

Keine Kooperationspartner gefunden

„Wir haben bis zum Schluss um Kooperationspartner geworben und auch mit dem Sächsischen Sozialministerium nach Lösungen gesucht, um eine nachhaltige Absicherung der Kinderklinik in Leisnig zu gewährleisten“, erklärt Prof. Dr. Sebastian Heumüller, Regionalgeschäftsführer der Helios Region Ost.

Derzeit erfolgten erste Abstimmungen zwischen den Klinikleitungen der Helios Klinik Leisnig und des Krankenhauses Mittweida, das neben den Kinderkliniken in Freiberg, Riesa und Borna den überwiegenden Teil der Versorgung übernehmen werde.

Kinderärztin zieht nach Leisnig

„Auch wenn es ab Januar 2022 keine stationäre pädiatrische Versorgung mehr in Leisnig geben wird, so ist die ambulante medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in der Region durch die Neueröffnung einer Kinderarztpraxis abgesichert“, erklärt Julian Zimmer, Klinikgeschäftsführer der Helios Klinik Leisnig.

Die Praxis von Antje Wiederanders zieht von Döbeln nach Leisnig um (Sächsische.de berichtete). Dafür und wegen Urlaubs sowie Weiterbildungen bleibt die Praxis, mit Ausnahme vom 8. Dezember, den kompletten Dezember geschlossen.

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Am 3. Januar öffnet sie im Haus D der Helios-Klinik wieder und bietet ein breites Spektrum ambulanter Leistungen für Kinder und Jugendliche. „Im stationären Setting werden wir dann auch zukünftig mit der Klinik in Mittweida und anderen Kliniken der Region enger zusammenarbeiten“, betont Zimmer.

Klinik will Mitarbeiter halten

„Wir führen aktuell intensive Gespräche mit unseren Mitarbeitern. Allen Pflegekräften der Kinderklinik unterbreiten wir ein Angebot zur Weiterbeschäftigung in anderen Bereichen der Helios Klinik Leisnig“, so der Klinikgeschäftsführer.

Auch für die Fachärzte und Assistenzärzte werde nach tragfähigen Lösungen in Zusammenarbeit mit anderen Kliniken, insbesondere auch mit dem Kreiskrankenhaus Mittweida, gesucht. Die kleinen Patienten sind in der Kinderklinik von Helios Leisnig bisher von acht Ärzten, davon vier in Vollzeit, und 20 Pflegekräften versorgt worden. Sie sind am Dienstag über die bevorstehende Schließung informiert worden.

Seit der Schließung der Geburtenstation seien in der Kinderklinik maximal 15 Patienten gleichzeitig behandelt worden. Pro Monat seien es in letzter Zeit durchschnittlich 50 Mädchen und Jungen gewesen.

Julian Zimmer, Klinikgeschäftsführer der Helios Klinik Leisnig, informiert über Gespräche mit Ärzten und dem Pflegepersonal.
Julian Zimmer, Klinikgeschäftsführer der Helios Klinik Leisnig, informiert über Gespräche mit Ärzten und dem Pflegepersonal. © Christian Hüller

Medizinische Zukunft von Helios gesichert

„Der aktuelle Einschnitt im Bereich der Kindermedizin ist schmerzlich. Die medizinische Zukunft der Helios Klinik Leisnig ist jedoch gesichert“, meint Regionalgeschäftsführer Prof. Dr. Sebastian Heumüller. Insbesondere die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie wichtig funktionierende Gesundheitsnetzwerke sind.

Daher würde künftig die Zusammenarbeit mit Helios Kliniken und Medizinischen Versorgungszentren im Helios-Cluster Leipzig, bestehend aus den Standorten Leisnig, Schkeuditz und Leipzig, weiter gestärkt.

Da die Entscheidung zur Schließung der Kinderklinik erst in der vergangenen Woche gefallen ist, sei noch unklar, was mit dem Inventar der Klinik geschieht und wie das Gebäude weiter genutzt wird.

Neben der Kinderarztpraxis, die in die ehemaligen Kreißsäle einzieht, befindet sich seit einem reichlichen Jahr die Geriatrie. „Wir sind dabei, Konzepte für eine weitere Nutzung zu entwickeln“, so Julian Zimmer. Konkrete Pläne gebe es aber noch nicht.

Geburtshilfe und Gynäkologie auch schon zu

Die Schließung der Kinderklinik ist bereits die dritte innerhalb von zwölf Monaten. Im Dezember vergangenen Jahres ging Helios den ersten Schritt und schloss die Türen der Geburtshilfe. Anfangs kündigte die Klinik wegen einem Personalengpass sowie Baumaßnahmen eine kurzzeitige und vorübergehende Schließung von nur zwei Wochen an. Doch schnell wurde klar, die Geburtshilfe wird nicht wieder öffnen.

Damals kündigte die Klinik an, das stationäre geburtshilfliche Angebot von Leisnig in die Helios-Klinik Schkeuditz zu verlagern. Nach Schkeuditz fahre bei Bedarf ein Storchentaxi. Das wird von den werdenden Müttern jedoch bis heute nicht angenommen.

Sie entscheiden sich zur Geburt ihres Kindes für eine näher gelegene Klinik. Die meisten Babys aus der Region Döbeln kommen seitdem in Mittweida zur Welt. Aber auch die Riesaer Klinik verzeichnet einen Anstieg der Geburtenzahl.

Mitte Oktober dieses Jahres folgte die Schließung der Gynäkologie in Leisnig. Wie bei der Geburtshilfe und jetzt der Kinderklinik wurde auch dieser Schritt mit fehlendem Personal begründet. Inzwischen hat das Freiberger Krankenhaus eine Station für die Frauenheilkunde mit 15 Betten, darunter zwei Privat- und ein Familienzimmer, eröffnet. Dorthin, aber auch nach Mittweida und Riesa, können sich Frauen mit gynäkologischen Problemen wenden.

Im Notfall nach Mittweida

Bereits seit Anfang April müssen Eltern, deren Kind am Wochenende, an Feier- oder Brückentagen erkrankt, an die Bereitschaftspraxis im Krankenhaus Mittweida wenden. In diesem wird für akut behandlungsbedürftige Patienten ein allgemeinärztlicher und ein kinderärztlicher Behandlungsbereich vorgehalten.

In der Helios-Klinik Leisnig gibt es zwar keine Bereitschaftspraxis, trotzdem konnten sich Eltern in Notfällen, die außerhalb der Sprechzeit ihres Kinderarztes aufgetreten sind, dorthin wenden. Auch das ist nun nicht mehr möglich.

Die Helios Klinik Leisnig habe ab dem 1. Januar 2022 für die Pädiatrie keinen Versorgungsauftrag mehr und dürfe von da an auch keine Kinder und Jugendlichen mehr behandeln, erklärt der ärztliche Direktor Dr. René Schwarz.

Ab welchem Alter eine Behandlung in Leisnig weiterhin möglich ist, kann er nicht sagen. Auch bisher sei bereits individuell entschieden worden, welche der jugendlichen Patienten auf der Kinder oder Erwachsenenstation betreut wurden, sagt Pflegedirektorin Uta Reichel.