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Leisnig verprellt Frauen - Freiberg öffnet neue Station

Die gynäkologische Abteilung ist mit 15 Betten ausgestattet. Auch Mittweida hat sich auf Döbelner Patienten eingestellt.

Von Cathrin Reichelt
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Chefarzt Wladimir Schwabauer vermittelt einen ersten Eindruck von der noch im Umbau befindlichen gynäkologischen Abteilung in der Freiberger Klinik.
Chefarzt Wladimir Schwabauer vermittelt einen ersten Eindruck von der noch im Umbau befindlichen gynäkologischen Abteilung in der Freiberger Klinik. © Klinikum Freiberg

Leisnig/Mittweida/Freiberg. Die Helios-Klinik Leisnig hat im Dezember 2020 die Geburtenstation und im Oktober dieses Jahres die Gynäkologie geschlossen. Von diesen Entscheidungen profitieren offensichtlich die Krankenhäuser in Mittweida und Freiberg.

Und sie stellen sich auf eine größere Patientenzahl ein. Allerdings sind die beiden Kliniken von Helios nicht über die Schließungen informiert worden, obwohl die Leisniger ihre bisherigen Patienten, laut eigener Aussage, „auf Kooperationen mit anderen Kliniken im Umkreis verweisen, die das gesamte gynäkologische und geburtshilfliche Spektrum abdecken und für Patienten der Region zur Verfügung stehen.“

Babyboom in Mittweida

Seit Weihnachten 2020 spürt die Landkreis Mittweida Krankenhaus gGmbH in der Geburtshilfe einen deutlichen Zuwachs, „insbesondere aus der Region Döbeln-Leisnig“, erklärt Pressesprecherin Ines Schreiber. 2020 sind dort insgesamt 470 Babys, davon 236 Jungen und 234 Mädchen zur Welt gekommen – darunter zweimal Zwillinge.

„Bereits am 10. Oktober dieses Jahres haben wir die Vorjahresmarke überschritten“, so Ines Schreiber. Per 21. Oktober waren schon 484 Babys und damit fast 120 mehr als im Vorjahr zur selben Zeit geboren worden. Bis zum Jahresende rechnet die Klinik mit mehr als 600 Geburten.

Nach der Schließung der Geburtshilfe in Leisnig sei die Mittweidaer Klinik von mehreren Hebammen aus Leisnig angesprochen worden. Vier Neueinstellungen fachlich langjährig erfahrener Kolleginnen gab es seit Jahresanfang im Kreißsaal.

Drei davon kamen aus der Helios-Klinik. „Durch die Aufstockung können wir unseren Spätdienst inzwischen doppelt besetzen“, so die Sprecherin. Das Ärzteteam wird zudem ab Anfang 2022 mit einer neuen Oberärztin in der Frauenklinik verstärkt.

Die Leisniger Helios-Klinik hat im Dezember 2020 die Geburtenstation geschlossen. Jetzt entbinden viele Frauen in Mittweida.
Die Leisniger Helios-Klinik hat im Dezember 2020 die Geburtenstation geschlossen. Jetzt entbinden viele Frauen in Mittweida. © Lars Halbauer

Als Brustkrebszentrum zertifiziert

Neben der Geburtshilfe halte die Mittweidaer Frauenklinik auch ein umfassendes Spektrum im Bereich der Gynäkologie, gynäkologischen Onkologie sowie Urogynäkologie vor. „Zudem sind wir seit 2006 als Brustkrebszentrum zertifiziert“, erklärt die Sprecherin.

Im Brustkrebszentrum erhalten betroffene Frauen eine umfassende, leitliniengerechte Behandlung von der Diagnose bis hin zur operativen, plastisch-rekonstruktiven Therapie und Nachsorge.

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„Zweimal wöchentlich bieten wir eine Brustsprechstunde an.“ Etwa 130 neue Brustkrebsfälle würden am Mittweidaer Standort jährlich diagnostiziert und mittels neuester medizinischer Therapiekonzepte betreut.

Zu den diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten der Mittweidaer Frauenklinik zählen beispielsweise die Diagnostik und Behandlung von gutartigen Erkrankungen der Gebärmutter, Eierstöcke und Eileiter bei besonderer Bevorzugung des vaginalen Operationsweges oder in Verbindung mit einer Bauchspieglung. Minimalinvasive Techniken und organerhaltende Operationen stehen dabei im Fokus.

Ambulante Behandlungen möglich

Weitere Schwerpunkte bilden die Behandlung von bösartigen Neubildungen, Senkungserkrankungen sowie Harninkontinenz. Dazu biete die Klinik eine ambulante urogynäkologische Sprechstunde an. Zudem verfügt die Abteilung über Plätze in der interdisziplinären Tagesklinik, um der ständig wachsenden Zahl ambulanter Versorgungen gerecht zu werden.

Für den gynäkologischen Bereich stehe die Mittweidaer Klinik ebenfalls jederzeit als Ansprechpartner für Personal aus Leisnig zur Verfügung.

„Wir betrachten die aktuelle Entwicklung als klares Statement für die Frauen- und Kindermedizin am Standort Mittweida“, sagt Ines Schreiber. So sei auch die Erweiterung der gynäkologisch-geburtshilflichen Station mit Unterstützung des Freistaates im dritten Bauabschnitt fest verankert. Perspektivisch werde die Station dann auch über mehr Betten verfügen.

Neue Gyn-Station in Freiberg

Was Helios in Leisnig geschlossen hat, eröffnet das Kreiskrankenhaus Freiberg neu – eine Station für Frauenheilkunde. Ab 15. November werden dort voraussichtlich 15 Betten, darunter zwei Privatzimmer und ein Familienzimmer zur Verfügung stehen.

„Meine Erfahrungen zeigen, dass Frauen Diskretion sehr zu schätzen wissen. Diesem Wunsch möchten wir durch die beiden auch in gehobenem Standard ausgestatteten Privatzimmer entsprechen“, sagt Chefarzt Wladimir Schwabauer. Er hat seit gut einem Jahr die Leitung der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe inne.

Die Familienzimmer sollen vorrangig Frauen angeboten werden, die gern einen Partner an ihrer Seite wissen möchten, jedoch einen weiteren Anfahrtsweg haben. Erste Anmeldungen liegen bereits vor.

Die Patientinnen finden künftig alles, von ambulanten Untersuchungen über den funktionellen Bereich bis hin zur stationären Unterbringung auf einer Ebene. Durch den Umbau werden die Abteilungen Frauenheilkunde und Urologie räumlich komplett voneinander getrennt.

Voraussichtlich am 15. November wird die neue Station für Frauenheilkunde im Kreiskrankenhaus Freiberg eröffnet.
Voraussichtlich am 15. November wird die neue Station für Frauenheilkunde im Kreiskrankenhaus Freiberg eröffnet. © Klinikum Freiberg

Breites OP-Spektrum

Im Bereich der Frauenheilkunde bietet die Freiberger Klinik insgesamt eine umfassende Diagnostik und Therapie gut- und bösartiger Erkrankungen der Brust und Genitalorgane an. Die Klinik blickt hierbei auf langjährige und enge Zusammenarbeit mit dem Brustzentrum der Uniklinik Dresden zurück.

Bei Veränderungen der weiblichen Genitalorgane erhalten Frauen vielfältige Möglichkeiten der konservativen Therapie sowie ein breites Spektrum operativer Verfahren. Es kommen endoskopische, vaginale oder kombinierte Operationsmethoden zum Einsatz. Vor allem bei Beckenbodenschwäche und Inkontinenzerkrankungen biete die Klinik Frauen eine individuell auf sie angepasste Therapie an.

Neben sämtlichen gynäkologischen Standard-Operationen, darunter auch viele ambulante Eingriffe, würden in der Freiberger Klinik auch verschiedene mikrochirurgische Eingriffe durchgeführt. „Das ist nicht nur schonender für die Patientinnen, sondern ergibt auch ein kosmetisch ansprechenderes Bild“, erklärt Pressesprecherin Ulrike Träger.

Hauseigener Tumorboard

Bei Veränderungen der weiblichen Genitalorgane erhielten Frauen im Kreiskrankenhaus vielfältige Möglichkeiten der konservativen Therapie sowie operativer Verfahren. „Patientinnen mit Krebserkrankungen profitieren in besonderer Weise von der interdisziplinären Zusammenarbeit ärztlicher Experten aus Diagnostik und Therapie im hauseigenen interdisziplinären Tumorboard“, so die Sprecherin.

Die Freiberger Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sei derzeit gut aufgestellt, sodass dort aus derzeitiger Sicht auch problemlos zusätzliche Patientinnen aus der Region Leisnig/Döbeln versorgt werden können.

Auch Personal, das sich nach der Schließung der Gynäkologie der Helios-Klinik verändern möchte oder muss, sei willkommen. Besonders im Pflegebereich gebe es viele Möglichkeiten, sich in die im November neu zu eröffnende gynäkologische Station einzubringen.