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Lesestoff aus der Telefonzelle

André und Sylvia Wagler richten auf ihrem Grundstück einen öffentlichen Bücherschrank ein. Und sie sind damit nicht allein.

André und Sylvia Wagler haben an ihrem Grundstück in Masten eine ausrangierte Telefonzelle als Büchertauschstelle aufgebaut. Der öffentliche Bücherschrank ist noch nicht fertig. Regale und neue Farbe fehlen noch.
André und Sylvia Wagler haben an ihrem Grundstück in Masten eine ausrangierte Telefonzelle als Büchertauschstelle aufgebaut. Der öffentliche Bücherschrank ist noch nicht fertig. Regale und neue Farbe fehlen noch. © Dietmar Thomas

Döbeln. In Zeiten der Mobiltelefone ist die alte Telefonzelle ja eher eine aussterbende Spezies. Umso mehr fällt es auf, wenn eine neu aufgestellt wird. „Einige Leute haben schon danach gefragt“, meinte der Antiquar André Wagler.

 Die Zelle steht am Wohnhaus der Familie an der Technitzer Straße in Masten. Sie wird ein Ort, an dem Leseratten Bücher tauschen können. Die Idee vom öffentlichen Bücherschrank ist nicht neu. André Wagler und seine Frau haben sie aus dem Urlaub mitgebracht. Auch in Roßwein steht schon eine Zelle. In Döbeln wäre es die erste.

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Zweite Zelle in Großweitzschen

Die Waglers sind mit ihrem Projekt nicht allein. Die Hübners aus Großweitzschen hatten die gleiche Idee. In den skandinavischen Ländern seien die Zellen überall aufgestellt, sagte Gerald Hübner. „Ich habe André Wagler gefragt, ob er uns eine besorgen kann.“ Wagler konnte.

Die Telekom gibt die gebrauchten Zellen zum Stückpreis von 450 Euro ab. Für das Geld seien sie auch überholt und Schäden repariert worden, sagte André Wagler. Es wurden nicht nur zwei Zellen, sondern vier. Eine hat ein Unternehmer aus Roßwein genommen, der die Zellen auch gleich von Potsdam heranschaffte. Eine vierte geht nach Kriebethal, sagte Wagler.

Mit dem Auto zu erreichen

Der Antiquar betreibt sein Geschäft an der Bahnhofstraße. Der angrenzende Park wäre ein schöner Standort gewesen, meint er. Aber das ist ein städtisches Grundstück. „Da ist die Frage: Wer ist zuständig, wer kümmert sich um die Sauberkeit?“ Also wurde es der eigene Garten. Die Zelle an Waglers Haus ist von der Straße aus zu erreichen. Die Leute könnten ohne Probleme davor halten, erzählte er.

Ein paar Wochen wird es allerdings noch dauern, bis sie in Betrieb gehen kann. Es fehlen noch die Regale. Auch eine andere Farbe als das Grau und Telekom-Magenta soll sie bekommen. Die Erstausstattung mit Büchern ist für den Antiquar kein Problem. „Das wird querbeet. Romane, Krimis, Kinderbücher. Das, was die Leute gerne lesen. Sie können auch Bücher bringen und welche mitnehmen. Oder nur welche bringen oder nur welche mitnehmen. Wichtig ist nur, dass die Bücher in einem guten Zustand sind. Das soll keine Müllentsorgung werden“, sagte Wagler.

10.000 Bände im Antiquariat

Bücher sind Waglers Leidenschaft. „Das ist das, was mir Spaß macht.“ Im Oktober 2009 hatte er sein Antiquariat im Heckelhaus am Niedermarkt aufgemacht und war später an die Bahnhofstraße umgezogen. Der Sozialarbeiter verdient sein Geld auch noch mit Potenzialanalysen im Auftrag der Handwerkskammer, als Erzieher in Aushilfe im Hort in Technitz, mit Haushaltsauflösungen und mit einem Altpapierhandel. In seinem Antiquariat hat er um die 10.000 Bände stehen. Der Handel mit Kunst und Krempel mache inzwischen aber die Hälfte des Umsatzes aus, erzählte er.

Die Hübners haben ihre Telefonzelle in Großweitzschen auf dem Parkplatz neben ihrem Wohnhaus und der Arztpraxis von Kerstin Hübner aufgestellt. Auch dieser öffentliche Bücherschrank ist noch nicht fertig. „Das macht eine Menge Arbeit“, meint Gerald Hübner. Als Fußboden will er Fliesen verlegen, die Regale sind noch einzubauen. Und frische Farbe soll die Zelle auch bekommen. „Sie wird feuerrot.“

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