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Pfarrer Leuschner: "Ein Glücksfall für beide Kirchgemeinden"

Mutig und vermittelnd trat Andreas Leuschner in der Wendezeit auf. Nicht nur dafür wird er geschätzt.

Seit beinahe 30 Jahren ist Andreas Leuschner Ansprechpartner für katholische und evangelische Christen gleichermaßen. Auch mit 70 denke er noch nicht daran, sich in den Ruhestand zu verabschieden.
Seit beinahe 30 Jahren ist Andreas Leuschner Ansprechpartner für katholische und evangelische Christen gleichermaßen. Auch mit 70 denke er noch nicht daran, sich in den Ruhestand zu verabschieden. © Dietmar Thomas

Leisnig/Region Döbeln. Nur ein paar Stunden hat Pfarrer Andreas Leuschner an diesem Mittwoch Zeit, um Glückwünsche zu seinem 70. Geburtstag entgegenzunehmen. Dann hat er anderweitig Termine, ist unterwegs. Nicht zuletzt deshalb und weil an einem Sonnabend mehr Gratulanten mit ihm feiern können, hat er die Feier dann auch verlegt.

Die beginnt mit einer Heiligen Messe, danach gibt es ein Beisammensein einer wahrscheinlich großen Gästeschar. Dazu wird auch die evangelische Pfarrerin Katja Schulze gehören, die sich auf diesen Termin schon „unheimlich freut“, wie sie sagt.

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Offen für die Ökumene - das ist ein Geschenk

Als sie vor 23 Jahren in Leisnig als Pfarrerin der evangelischen Gemeinde begonnen hat, hat sie ihr katholischer Kollege Andreas Leuschner „überaus herzlich empfangen“, erinnert sie sich. „Wir alle haben ein Riesenglück, dass es ihn gibt und er so ein großes Herz hat“, sagt Katja Schulze, nachdem sie über zwei Jahrzehnte mit Andreas Leuschner zusammenarbeitet.

Sie empfinde es als Geschenk, dass Leuschner der Ökumene so offen gegenübersteht und das Verbindende lebt, statt das Trennende zu befördern. Das komme beiden Gemeinden zugute.

„Ich fühle mich in der katholischen Kirche genauso zu Hause wie in den evangelischen“, so Katja Schulze. Sie ist sich sicher, dass es vielen Christen und den konfessionsvereinenden Ehepaaren genauso geht. Von diesen Ehepaaren, bei denen einer katholischer und einer evangelischer Christ ist, gibt es der Pfarrerin zufolge in der Region Leisnig einige.

Nach den Worten von Katja Schulze wissen die Gemeindemitglieder aber noch mehr an „ihrem“ Pfarrer zu schätzen. So zum Beispiel, dass er noch für die Gemeinde da ist, obwohl er längst sein Rentnerdasein genießen könnte.

Viele wissen, dass es einen neuen Pfarrer für Leisnig nicht geben wird. Nach der Neustrukturierung gehört auch Leisnig zur neu gegründeten Pfarrei Döbeln, in der Andreas Leuschner als Priester mitarbeitet.

Kann er das einmal nicht mehr, dann wird Nähe verloren gehen. Das ist den Gemeinden klar, aber auch der Verwaltung im Bistum Dresden-Meißen.

Die Sache ins Rollen bringen

Als ein Mann, der mutig vermittelt und so wahrscheinlich Gewalt verhindert hat, ist Andreas Leuschner in der Wendezeit aufgetreten. Er gehörte damals zu den Gründern der sogenannten „Gruppe der 20“.

Das waren etwa 20 Menschen, die während der friedlichen Revolution am 8. Oktober 1989 in Dresden von den Demonstranten ernannt und beauftragt wurden, am folgenden Tag mit den örtlichen Behörden über ihre politischen Forderungen zu verhandeln. Die Ergebnisse verkündete der zu jener Zeit 38-jährige Leuschner vor etwa 800 Zuhörern in der Dresdener Christuskirche.

Kurz darauf verlässt der Geistliche die Gruppe. „Mit der Seelsorge war die Arbeit in der Gruppe nicht zu vereinbaren. Die Arbeitsbelastung war zu viel“, erinnert er sich im Gespräch mit einer SZ-Reporterin aus Auslass „30 Jahre Mauerfall“. Zudem sei es nicht Aufgabe der Kirchenvertreter, Politik zu machen. „Wir wollten nur anstoßen, die Sache ins Rollen bringen.“

Die Sorgen der Gefangenen angehört

Im Wendejahr 1989 war Andreas Leuschner Kaplan in Dresden-Pieschen. Seine erste Stelle trat er nach der Priesterweihe im Sommer 1982 in Meißen an. 1991 wurde er Pfarrer in Waldheim und zugleich Pfarrvikar in Colditz.

Von 1993 bis 2017 kümmerte er sich als Seelsorger außerdem um Gefangene in der JVA Waldheim. Seit 1997 ist Andreas Leuschner Pfarrer in Leisnig. „Er hat viel Gutes getan, ohne sich ständig in den Vordergrund zu schieben“, bringt es Pfarrerin Katja Schulze auf den Punkt.

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