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Radfahrer schätzen Sicherheit als schlecht ein

Die Stadt hatte online eine Umfrage gestartet. Viele Konflikte gibt es in der Dresdner, der Leipziger und Ritterstraße.

Von Jens Hoyer
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Radfahrstreifen wie hier auf der Bahnhofstraße in Döbeln werden von den Teilnehmern einer Umfrage als gut bewertet. Mischverkehr wird dagegen als unsicher eingeschätzt.
Radfahrstreifen wie hier auf der Bahnhofstraße in Döbeln werden von den Teilnehmern einer Umfrage als gut bewertet. Mischverkehr wird dagegen als unsicher eingeschätzt. © Dietmar Thomas

Döbeln. Das Radfahren boomt und wird zudem als eine der Möglichkeiten zur ökologischen und klimafreundlichen Fortbewegung gehandelt. Die Stadt Döbeln lässt gerade ihr Radverkehrskonzept überarbeiten. Aber wie schätzen die Döbelner überhaupt den Radverkehr ein, was hält sie vom Radfahren ab und was würde sie aufs Rad bringen?Die Stadt hat dazu eine Online-Befragung der Döbelner durchgeführt, an der sich auch verhältnismäßig viele Menschen beteiligt haben.

224 Personen hatten die Fragen im Internet beantwortet. „Wir hätten uns allerdings mehr jüngere Teilnehmer gewünscht. Die Meinung von Schülern, Azubis und Studenten, die kein eigenes Auto besitzen und die auf Fahrrad angewiesen sind, hätte uns interessiert. Es ist etwas anderes, ob ich das Fahrrad vor allem in der Freizeit benutze“, sagte Maja Köhler vom Planungsamt der Stadtverwaltung.

Nur zehn Prozent der Radfahrer besitzt gar kein Auto

Vor allem das berufstätige „Mittelalter“ hatte sich an der Umfrage beteiligt. Junge Leute waren mit sechs Prozent vertreten. Rentner mit elf Prozent. Knapp 40 Prozent der Teilnehmer hat ein oder mehrere Kinder. Gerade einmal zehn Prozent der Befragten besitzen gar kein Auto. Die überwiegende Mehrheit ein oder sogar mehrere Autos. Gerade einmal acht Prozent können sich vorstellen, ganz auf ein Auto zu verzichten. Mehr als die Hälfte würde zumindest ein Auto behalten, 31 Prozent würde gar nicht verzichten.

Fahrräder sind vor allem Freizeitfahrzeuge

Die Anzahl der Radfahrer, die mit elektrischer Unterstützung unterwegs ist, ist bei den Befragten noch klein. Etwa 18 Prozent benutzen Pedelecs oder E-Bikes. 77 Prozent sind mit dem normalen City- oder Trekkingrad, mit Mountainbike oder Rennrad unterwegs. Um die Kinder in die Schule oder in die Kita zu bringen, nutzen 20 Prozent das Rad, 24 Prozent erledigen das zu Fuß, ein Drittel benutzt das Auto.

Eine relativ große Gruppe benutzt das Rad für die Fahrt zur Arbeit. Fast 50 Personen täglich, andere einige Male pro Woche oder Monat. Die größte Gruppe nutzt allerdings das Auto für den Arbeitsweg. Das Gleiche gilt fürs Einkaufen. Am häufigsten wird das Rad in der Freizeit verwendet und bei sonstigen Wegen.

Mischverkehr wird von den Radfahrern als unsicher bewertet

Die Aussagen zum Sicherheitsempfinden sind ziemlich eindeutig. Mehr als 60 Prozent der Befragten fühlen sich unsicher, wenn sie mit dem Rad unterwegs sind. Dafür wird der Zustand der Straßen und Wege überwiegend gut eingeschätzt. Eigenständige Radwege und Radfahrstreifen kommen bei den Radlern gut an.

Weniger gut werden Schutzstreifen, schlecht Mischverkehr bewertet. Besonders viele Konflikte gibt es in der Dresdner Straße, in der Leipziger und Ritterstraße, in der Oschatzer Straße und der Kleinen Kirchgasse.

Roßweiner Straße und die Schillerstraße werden als kritisch eingeschätzt

Sichere Kreuzungen und Querungen sind den Radfahrern wichtigDie Sicherheit ist auch bei der Frage „Was müsste sich ändern, damit Sie das Fahrrad mehr nutzen?“ ein wichtiger Aspekt. Dort haben zum Beispiel die Vermeidung von Konflikten mit anderen Verkehrsteilnehmern, mehr markierte Radwege auf Fahrbahnen von Hauptverkehrsstraßen, mehr durch Bord getrennte Radwege einen hohen Stellenwert.

Viele würden auch den Vorrang von Radfahrern in verkehrsberuhigten Straßen, sogenannte Fahrradstraßen, gut finden. Sichere Kreuzungen und Querungen sind den Radfahrern wichtig und dass Fahrraddiebstähle verhindert werden. Allgemein wünschen sich Radfahrer mehr Akzeptanz von anderen Verkehrsteilnehmern. Auch die Öffnung von Einbahnstraßen für Radfahrer wird gewünscht.

Schlechte Abstellmöglichkeiten am Theater

Bei den Fragen zum Abstellen der Räder treten Unzulänglichkeiten zu Tage. Am besten wird die Erreichbarkeit, Sicherheit und Zustand der Abstellmöglichkeiten zu Hause eingeschätzt. Ganz gut schneiden auch das Rathaus, der Hauptbahnhof und die Stadtbibliothek ab. Eher schlecht das Stadttheater.

Defizite bei den Abstellmöglichkeiten sehen die Befragten auch an den Grundschulen Ost und Großbauchlitz, der Kunzemannschule und der Oberschule Am Holländer. Gute Bewertungen bekommen die Schloßbergschule und vor allem das Lessing-Gymnasium, wo die Stadt vor einigen Jahren Abstellanlagen gebaut hatte.

In einem Jahr soll das Radverkehrskonzept stehen

Die Umfrage hatte nicht viel neue Erkenntnisse gebracht, liefert aber Argumente für künftige Festlegungen im Radverkehrskonzept, sagte Maja Köhler. „Wir wissen, wo unsere Defizite sind.“ Viele Einbahnstraßen seien immer noch nicht für Radfahrer geöffnet. Etwa die Zwingerstraße. Und die Bahnhofstraße aus Richtung Niedermarkt. Probleme gibt es auch für Radfahrer, die von der Straße des Friedens zum Obermarkt wollen. Auch die Öffnung der Ritterstraße wird angestrebt. „Das Problem sind die Einengungen etwa an den Kegelbrüdern. Es ist nicht genug Platz das für die Radfahrer. Es fehlt immer ein halber Meter“, sagte Maja Köhler.

Die Stadt hatte die Arbeitsgruppe Radverkehr reaktiviert und ein Büro mit den Planungen beauftragt. Dieses habe erste Planungen vorgelegt, die jetzt bewertet werden müssen. In einem Jahr soll das Radverkehrskonzept verabschiedet werden.