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Ein Roßweiner gibt Gas

Rico Söhnel ist Unternehmer, Stadtrat und Motorrennsportler. Vieles wäre nicht möglich, wenn es die Wende nicht gegeben hätte.

Rico Söhnel hat die Chancen genutzt, die ihm nach der Wende offen standen. In zwei Jahren will er seine Firmenzentrale im Roßweiner Gewerbegebiet erweitern lassen.
Rico Söhnel hat die Chancen genutzt, die ihm nach der Wende offen standen. In zwei Jahren will er seine Firmenzentrale im Roßweiner Gewerbegebiet erweitern lassen. © Lars Halbauer

Region Döbeln. Was er anpackt, gelingt. Mit seinen 39 Jahren hat der Roßweiner Rico Söhnel schon sehr viel in seinem Leben erreicht. Er ist Geschäftsführer von fünf Firmen und fünf Friseursalons, Stadtrat und Rennfahrer. Er engagiert sich für soziale Projekte, unterstützt als Privat- und Geschäftsmann Kindergärten, Züchter, Sportler und die Schulen.

All das wäre ohne die Wende, seinen Vater und viele Unterstützer nicht möglich gewesen. „Die Wende, weil es mir so leicht gemacht wurde, eine eigene Firma zu gründen, der Vater, weil er mir bis 2010 im Büro geholfen und seine Erfahrungen im kaufmännischen Bereich weitergegeben hat und die Unterstützer, weil sie an mich geglaubt haben“, sagte Rico Söhnel.

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Dass er einmal ein so erfolgreicher Unternehmer sein würde, hätte sich der Roßweiner, als er vor 17 Jahren eine eigene Firma gründete, nicht träumen lassen. Damals war er 22 und jüngster Meister im Elektrohandwerk in Sachsen. Sein Vater, der bis 1999 einen Elektrobetrieb hatte, habe damals gesagt „Wenn du drei bis vier Leute beschäftigst, dann kannst du als Handwerker vernünftig leben.“ Recht hatte er. Nun arbeiten täglich mehr als 300 Leute für und in den verschiedenen Unternehmen.

Stolz auf junges Team

 „Ich bin stolz auf mein junges Team. Es hat einen wesentlichen Anteil am Erfolg. Nur gemeinsam können wir die Zukunft gestalten“, sagte der Unternehmer.

 Und er fördert und fordert die jungen Leute. Viele von ihnen haben bereits bei Söhnel gelernt. In diesem Jahr sind es acht Auszubildende, die im Roßweiner Unternehmen ihr Rüstzeug für ihren Beruf bekommen, und 17 insgesamt in den Firmen.

Dass Rico Söhnel viel Vertrauen in junge Leute hat, kommt nicht von ungefähr. „Ich hatte in den ersten Jahren viele Förderer, die das Potenzial in mir gesehen haben. Und ich habe immer Gas gegeben“, sagte der Unternehmer. 

Projektleiter für operatives Geschäft

Während er am Anfang noch selbst Leitungen verlegte, kümmert er sich jetzt um die Aufträge und die Investitionen. Für das operative, deutschlandweite Geschäft auf den Baustellen sind insgesamt 17 Projektleiter zuständig. „Wir haben eine klare Struktur. Und die funktioniert“, so Söhnel.

Die meisten Mitarbeiter in Führungspositionen, stammen aus dem eigenen Haus. „Die Leute haben bei mir eine Perspektive, eine Chance, sich zu entwickeln, da wir alles abbilden, was es im Elektrobereich gibt“, sagte der Unternehmer. Er als Mittelständler habe sichere und zuverlässige Arbeitsplätze zu bieten. Und nicht nur das. 

Wer sich für einen Beruf in der Elektrobranche interessiert, kann schon als Schüler bei einem Praktikum oder als Ferienarbeiter das Unternehmen kennenlernen.

Top 10 ostdeutscher Betriebe in der Elektrobranche

Die Aufträge für die Firma seien sehr komplex. Mit moderner 3-D-Technik wird die gesamte Technik für Industrie- oder andere Neubauten in Roßwein geplant. Das beginnt bei der Stromversorgung, geht über die Einbruch- und Brandmeldetechnik und reicht bis zu Datennetzwerken. 

Außer der Planung kümmern sich die Mitarbeiter am Roßweiner Standort um die Bestellung von tausenden Bauelementen. Außerdem werden hier Schaltschränke mit der Haustechnik für Kunden in ganz Deutschland vorgefertigt. Zum Großteil sind das Einzelanfertigungen, weil nahezu jedes Gebäude einer individuellen Lösung bedarf. Für diesen Bereich ist Bruder Kay Söhnel zuständig.

„Wir bauen mit die größten Elektroanlagen in ganz Deutschland und gehören zu den Top 10 ostdeutscher Betriebe in dieser Branche“, sagte Rico Söhnel. Und weil er auch in Roßwein weiter wachsen will, hat er schon die ersten Planungen von Oliver Zache für die Erweiterung des Firmensitzes im Roßweiner Gewerbegebiet vorliegen.

Unternehmer Rico Söhnel fährt in seiner Freizeit Motorradrennen. 
Unternehmer Rico Söhnel fährt in seiner Freizeit Motorradrennen.  © Lars Halbauer
In der Roßweiner Firmenzentrale von Söhnel Elektroanlagen  werden unter anderem Schaltkästen gebaut.
In der Roßweiner Firmenzentrale von Söhnel Elektroanlagen  werden unter anderem Schaltkästen gebaut. © Lars Halbauer Lars Halbauer
Firmenchef Rico Söhnel mit den Entwürfen des Architekturbüros Zache für die Erweiterung des Stammsitzes in Roßwein. 
Firmenchef Rico Söhnel mit den Entwürfen des Architekturbüros Zache für die Erweiterung des Stammsitzes in Roßwein.  © Lars Halbauer Lars Halbauer

Neue Niederlassung in Leipzig

Zurzeit entsteht in Leipzig Schönefeld ein neuer Gebäudekomplex auf einem Areal von 12.000 Quadratmetern. Der soll im Mai nächsten Jahres fertig sein. Bei der Planung und beim Bau der Niederlassung setzt Rico Söhnel auf Firmen aus der Region Döbeln.

 Das Architekturbüro Zache hat das Objekt geplant, die Ostrauer Baugesellschaft baut das Bürogebäude und die Dachdeckerfirma Weimert stellt die Hallen auf. Den Tiefbau stemmt das Unternehmen Söhnel Tief- und Kabelbau selbst.

In Leipzig übernimmt die Firma Söhnel Elektroanlagen neben dem Fernmeldebau und dem Verlegen von Glasfaserkabeln bis ins Haus auch den Bau und die Installation von Baustromanlagen und Aufträge für den Blitzschutz. „Wir bauen ebenfalls Ampelanlagen, Straßenbeleuchtung und Mittelspannungs-Trafostationen für die Stadtwerke Leipzig“, so Rico Söhnel. Zurzeit sind in der Leipziger Niederlassung 60 Mitarbeiter im Bereich Elektro beziehungsweise im Tiefbau/Fernmeldebau beschäftigt. 

Weil die Roßweiner Firma in Leipzig weiter wachsen will, ist auch der Neubau des Objektes in Schönefeld notwendig. Am Standort entstehen neben einem Bürogebäude auch eine Halle für die Fahrzeuge mit Werkstätten für die Laster, Pkw und Baumaschinen des Unternehmens sowie eine Montagehalle und 30 Unterkünfte für Monteure der Nachunternehmer. Hier werden künftig auch die Mitarbeiter des Planungsbüros für Verkehrssicherung sitzen. „Das ist notwendig, weil wir hauptsächlich an öffentlichen Straßen und Plätzen arbeiten. Die müssen entsprechend gesichert werden“, so Söhnel. Weitere 100 Mitarbeiter sind in einem Dresdener Fernmeldebaubetrieb beschäftigt.

Im Friseurgeschäft unterwegs

Bei mir passiert manches einfach so“, sagte Rico Söhnel. Und so ist er auch nach und nach zu den fünf Friseursalons in Roßwein, Döbeln und Hartha gekommen, die nun unter dem Namen Söhnel „SchickHairRia“ firmieren.

 „Die ehemalige PGH Friseure in Roßwein hat zwei Jahre lang einen Nachfolger gesucht. Ich bin mit der Geschäftsführerin ins Gespräch gekommen. Dann habe ich es einfach gemacht und hatte drei Friseursalons in Roßwein“, so der Geschäftsmann. Diese wurden von Grund auf saniert und das Angebot erweitert.

„Mit Kosmetik, Fußpflege und Fingernagelmodellage bieten wir jetzt ein Rund-um-Wohlfühlpaket in den Salons an“, sagte Rico Söhnel. Im Jahr 2018 ließ er eine SchickHairRia in Döbeln am Obermarkt mit allem Drum und Dran einrichten und im vergangenen Jahr kam noch ein Salon an der Goethestraße in Hartha dazu.

„Als ich die Salons in Roßwein übernahm, war es mir wichtig, das Traditionsunternehmen weiterzuführen und die Angebote in der Stadt zu halten. Es ging ja auch um Arbeitsplätze von 27 Mitarbeiterinnen“, so der Roßweiner Unternehmer.

Engagement für die Heimatstadt

Seit 2014 sitzt der vielbeschäftigte Unternehmer im Stadtrat. Er wurde damals von der CDU-Fraktion angesprochen, ob er in diesem Gremium mitarbeiten will. Söhnel, der parteilos ist, sagte zu. Für die Stadtratsarbeit versucht sich der Unternehmer, Zeit freizuhalten. Das sei zwar nicht immer einfach, aber wichtig, so der 39-Jährige.

 Er setzt sich unter anderem für den vernünftigen Einsatz von Steuergeld ein. Diesbezüglich gebe es schon öfter Diskussionen im Stadtrat, da die Meinungen gegensätzlich sind, vor allem bei Investitionen in alte Häuser. Dafür könnten soziale Dinge besser gestaltet werden, meint Rico Söhnel.  Er sehe alles aus dem Blickwinkel eines Unternehmers. Und da könne auch nur das verteilt werden, was erarbeitet wurde. 

Als die Stadt wegen Geldnot den innerstädtischen Bus für die Schüler einstellen wollte, sprang der Unternehmer spontan ein und übernahm die Kosten der Kommune für die Schülerbeförderung für ein Jahr.

Als Privatmann und Geschäftsführer ist er gern bereit, zu unterstützen. „Ich bin immer offen, wenn es Menschen aus der Region betrifft. Aber ich kann nicht alles machen. Deshalb setze ich mich für Vereine oder Anliegen ein, die in Zusammenhang mit meinen Mitarbeitern stehen“, sagte Rico Söhnel.

Erfolgreicher Rennfahrer

Trotz der vielen Aufgaben und der großen Verantwortung findet der 39-Jährige noch Zeit für sein Hobby – das Motorradfahren. Seit 2001 widmet er sich dem Rennsport – durchaus erfolgreich, wie die Pokale in seinem Büro beweisen. 

Seit letztem Jahr fährt Rico Söhnel auch Langstreckenrennen im Team „Bipro-Legends“ mit Stefan Genscher. Gleich die erste Saison des 750 Kilometer langen Rennens absolvierte Söhnel erfolgreich. Das Team holte den Meistertitel im German Endurance Cup beim EM-Lauf in Oschersleben. Am Ende des vergangenen Jahres gab es dann den Meistertitel.

Es müssen nicht immer Rennen sein, damit der Roßweiner auf sein Motorrad steigt. Auch Ausflüge mit seinen Freunden gehören zum Hobby des Unternehmers. Trotz aller beruflichen und sportlichen Erfolge ist Rico Söhnel ein sympathischer junger Mann, der nicht abgehoben ist, sondern der Probleme erkennt und gern bereit ist, zu helfen.

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