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Touristen entdecken neue Form des Reisens

Die Zahl der Übernachtungen im Burgen- und Heideland ist drastisch gesunken. Dafür sind Gäste etwas länger geblieben.

Wandern gehörte in diesem Jahr zu den beliebtesten touristischen Aktivitäten im Sächsischen Burgen- und Heideland. Zu den Ausflüglern gehörten Sandra Nikolai, Carsten Seidel und Lina, die an der Talsperre Kriebstein unterwegs waren.
Wandern gehörte in diesem Jahr zu den beliebtesten touristischen Aktivitäten im Sächsischen Burgen- und Heideland. Zu den Ausflüglern gehörten Sandra Nikolai, Carsten Seidel und Lina, die an der Talsperre Kriebstein unterwegs waren. © Dietmar Thomas

Mittelsachsen. Der Tourismusverband Sächsisches Burgen- und Heideland verzeichnete in den vergangenen Jahren stets einen Aufwärtstrend zwischen drei und fünf Prozent. Die Corona-Pandemie dreht diese Entwicklung um.

Potenzielle Gäste sind verunsichert und stornieren Buchungen

Von Januar bis August haben reichlich 1,8 Millionen Menschen in der Region übernachtet. „Das ist ein Minus von 25 Prozent zum Vorjahr“, sagt Sandra Brandt, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes. „Das war zu erwarten.“

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Einen leichten Aufschwung habe der Ferienmonat August gebracht. Mit knapp 218.000 Übernachtungen waren es nur 1,7 Prozent weniger als im selben Monat 2019. Wesentlich besser sieht es in anderen Regionen aus. Die Sächsische Schweiz erreichte im August ein Plus von 19,3 Prozent, die Oberlausitz von 13,7 Prozent und das Erzgebirge von 4,7 Prozent.

Das Burgen- und Heideland habe gehofft, dass in den Herbstferien die Zahlen noch etwas nach oben gehen. Aber durch die steigenden Corona-Zahlen und die sich ständig verändernden Vorgaben herrsche ein großes Durcheinander und Verunsicherung. „Es gab viele kurzfristige Stornierungen, weil die potenziellen Gäste nicht wussten, ob sie in der Region Urlaub machen dürfen oder nicht“, so Sandra Brandt.

Hotels und Pensionen bieten Besuchern Ausweichtermine an

Kulanterweise würden viele Beherbergungsbetriebe den Touristen neue Reisetermine anbieten. Es gebe aber auch Urlauber, die der gebuchten Unterkunft nicht absagen und auch nicht anreisen, dann aber ihr bereits gezahltes Geld zurückerstattet haben möchten. „Da hört auch bei dem kulantesten Hotel- oder Pensionsbesitzer das Verständnis auf“, meint die Geschäftsführerin.

Derzeit haben die Besucher die Wahl zwischen 285 Beherbergungsbetrieben im Burgen- und Heideland. Im Vergleich zum August vergangenen Jahres sind das zehn weniger. Teilweise hätten die Betreiber aus Altersgründen aufgehört. Aber auch Corona habe zur Schließung beigetragen. „Vielleicht entscheidet sich der eine oder andere, wieder zu öffnen, wenn sich die Situation entspannt hat“, ist Sandra Brandt vorsichtig optimistisch.

Die Bettenauslastung im August bezeichnet die Geschäftsführerin als nicht schlecht. Sie lag bei 43 Prozent. 2019 waren es zur selben Zeit 45,6 Prozent. In den ersten acht Monaten insgesamt ist die Zahl allerdings von 41,2 Prozent (2019) auf 32,9 Prozent abgestürzt.

Region will sich weiter als Kurzreiseziel etablieren

Eine positive Entwicklung verzeichnet der Tourismusverband bei der Aufenthaltsdauer der Gäste. Im Jahresdurchschnitt waren es 3,6 Tage (Vorjahr 2,9), im August 3,3 Tage (2,8). Damit liegt das Burgen- und Heideland sogar über dem Sachsendurchschnitt mit 2,8 Tagen. „Das freut uns sehr. Denn die Region ist ein klassisches Kurzreiseziel. Ihren Haupturlaub verbringen die Gäste woanders“, sagt Sandra Brandt.

Dieses Jahr sei aber alles etwas anders. Für viele habe hinter dem Jahresurlaub ein großes Fragezeichen gestanden und sie hätten sich umorientiert. Deshalb gehe auch der Tourismusverband davon aus, dass sich im Urlaubsverhalten der Menschen etwas ändert. Ziel sei es, die Aufenthaltsdauer in der Region weiter zu erhöhen.

Wandern und Radfahren sind beliebteste Urlaubsaktivitäten

Die Touristen bleiben nicht nur länger, sie wählen auch andere Urlaubsarten. Besonders beliebt waren in diesem Jahr alle Outdooraktivitäten, vor allem Wandern und Radfahren. „Die Radwege waren sehr voll. Neben dem Elberadweg, der deutschlandweit an der Spitze steht, war in der Region der Mulderadweg am beliebtesten“, sagt Sandra Brandt.

Gewandert wurde vor allem im Zschopautal rund um Waldheim. Auch der Lutherweg erfreut sich ungebrochen großer Beliebtheit. „Die Leute waren mit großen Rucksäcken und Packtaschen an den Rädern unterwegs. Sie haben eine ganz andere Form des Reisens entdeckt“, meint die Geschäftsführerin.

Lutherweg soll noch barrierefreier werden

Für den Lutherweg erarbeite der Tourismusverband derzeit ein barrierefreies Konzept. Dafür werde der Weg in Abschnitte gegliedert und geschaut, wo es in Bezug auf die Barrierefreiheit noch Handlungsbedarf gibt. Entsprechende Empfehlungen erhalten die zuständigen Kommunen. Bisher gebe es in dieser Beziehung schon kleinere Rundwege, aber noch keine längeren Abschnitte.

Positiv habe sich auch die Zusammenarbeit des Tourismusverbandes mit der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH auf die Mitgliederzahl ausgewirkt. Zum Sächsischen Burgenland gehören jetzt 15 Kommunen, zum Sächsischen Heideland zwölf und zum Leipziger Neuseenland 18.

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