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Warum Familienwohnungen knapp sind

Beim Thema Wohnen schneidet die Region Döbeln relativ gut ab. In einem Punkt gibt es aber Nachholbedarf.

Dirk Förster-Wehle und Mareen Schürer von der TAG Wohnen vor drei Jahren in einer Musterwohnung an der Vyskover Straße in Döbeln Nord. Die TAG hatte hier zwei Wohnungen zu einer zusammengelegt.
Dirk Förster-Wehle und Mareen Schürer von der TAG Wohnen vor drei Jahren in einer Musterwohnung an der Vyskover Straße in Döbeln Nord. Die TAG hatte hier zwei Wohnungen zu einer zusammengelegt. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Beim Familienkompass, der großen Umfrage von Sächsischer Zeitung, Freier Presse und Leipziger Volkszeitung, scheidet die Region Döbeln beim Thema Wohnen nicht schlecht ab. Der Landkreis bekommt eine glatte 3,0 bei der Bewertung nach Schulnotensystem von 1 bis 5. Das klingt jetzt zwar nach Mittelmaß, liegt aber deutlich über dem Sachsendurchschnitt von 3,48. 

Die Stadt Döbeln ist insgesamt sogar noch eine Winzigkeit besser als der gesamte Landkreis. Bei der Bewertung des Angebots an Wohnungen schneidet Döbeln besser als als der Landkreisdurchschnitt an, bei den Mietkosten etwas schlechter. Die Roßweiner bewerten das Angebot und die Kosten für Wohnungen am besten, die Waldheimer am schlechtesten.

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Mangel an großen Wohnungen

Ein Problem, so merkte einer der Teilnehmer der Umfrage an, ist es, gute große Wohnungen für Familien zu bekommen. Wenn drei Kinder da sind und auch möglichst drei Kinderzimmer gebraucht werden, ist das Angebot an Mietwohnungen nicht mehr so üppig.

Ein Eindruck, den auch die großen Vermieter bestätigen. „Der Bedarf an Vierraumwohnungen ist da. Das wird aus unseren Vermieterteams immer wieder an uns herangetragen“, sagte Sven Viehrig, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Fortschritt in Döbeln. Es fragten nicht nur Familien nach, sondern auch ältere Leute, die auf dem Land ihr Haus verkaufen und in die Stadt ziehen und nach einer größeren Wohnung suchen.

 Noch größer als Vierraum ist dann schon nicht mehr so gefragt. Im Haus Blumenstraße 71, wo die WG-F ihre ehemalige Verwaltung umgebaut hat, ist noch eine Fünfraumwohnung mit 140 Quadratmetern frei. „Da scheint der Bedarf nicht so groß zu sein“, sagte Viehrig.

Den Bedarf an größeren Wohnungen hat man auch bei der TAG Wohnen festgestellt, sagte Dirk Förster-Wehle, Leiter Immobilienmanagement bei Döbelns größtem Wohnungsvermieter. „Das Problem ist nur, dass man größere Wohnungen im Bestand nicht so einfach herstellen kann.“

Fahrstühle an Häuser

Die TAG und noch mehr die Wohnungsgenossenschaft Fortschritt haben viele alte Plattenbauten aus DDR-Zeiten in ihrem Bestand. Häufige Wohnungsgröße nach DDR-Standard: um die 65 Quadratmeter, ein Kinderzimmer. Die WG Fortschritt hat auch Vierraumwohnungen in den Altneubauten, wie Sven Viehrig sagte. „Aber die befinden sich meist in den oberen Stockwerken. Deshalb sind sie für Familien mit Kindern nicht akzeptabel. Aus diesem Grund beschäftigen wir uns auch intensiv mit dem Anbau von Fahrstühlen an den Häusern. Wir sind guter Dinge, dass wir im kommenden Jahr an der Unnaer Straße damit beginnen können“, sagte Viehrig. Den geplanten Bau der neuen Schulen in Döbeln Ost bestärkt die Genossenschaft in ihren Plänen. Das könnte die Entscheidung von Familien, in Döbeln Ost zu wohnen, positiv beeinflussen, so Viehrig.

Wohnungen werden zusammengelegt

In den Altneubauten gibt es für die Vermieter die Möglichkeit, die Grundrisse und Größen zu verändern, indem Wohnungen zusammengelegt werden. „An der Unnaer Straße sind einige Wohnungen mit 80 bis 90 Quadratmetern geplant“, sagte Viehrig. Dazu sollen Vierraumwohnungen mit danebenliegenden Einraumwohnungen zusammengelegt werden.

Auch in Döbeln Ost I nimmt sich die WG Fortschritt wieder einen Wohnblock an der Käthe-Kollwitz-Straße vor. Dort sollen eine grundlegende Sanierung erfolgen und Balkone angebaut werden. „Dort haben wir auch die Möglichkeit, mit den Grundrissen zu spielen. Wir werden über Kleinanzeigenportale aber erst einmal erkunden, ob es dafür überhaupt einen Bedarf gibt“, sagte Viehrig.

Ständig Umbauten

Die Zusammenlegung von Wohnungen ist auch bei der TAG Wohnen ein Thema. Seit vier Jahren läuft dort ein Programm zur Schaffung von Familienwohnungen in Döbeln Nord und Döbeln Ost, sagte Dirk Förster-Wehle. Dafür werden zwei Zweiraumwohnungen oder eine Zwei- und eine Dreiraumwohnung zusammengefasst. „Die Wohnungen haben dann 90 bis 120 Quadratmeter, mehrere Kinderzimmer, zwei Bäder und moderne Schnitte“, so Förster-Wehle.

„Wir lassen ständig Wohnungen umbauen. Die sind auch immer gleich weg. Die Herausforderung ist, dass die beide Wohnungen leer sein müssen“, so Förster-Wehle. Im Zentrum der Stadt, wo die TAG auch viele Häuser besitzt, sei das Angebot an diesen großen Wohnungen nicht so groß. „Dort stehen nicht so oft Wohnungen leer. Aber wir würden das auch dort machen, wenn es sich anbietet.“

Baupreise treiben Mieten

Die Kosten für solche zusammengelegte Wohnungen sind für die Mieter interessant. „Die Mieten für eine 120-Quadratmeter-Wohnung liegen bei 5 bis 5,50 Euro pro Quadratmeter kalt. Wobei 5 Euro schon sehr knapp gerechnet ist“, sagte Förster-Wehle. Bei Nebenkosten von 2,20 bis 2,40 Euro würden die Mietkosten für so eine Familienwohnung bei etwa 900 Euro warm im Monat liegen, so Förster-Wehle. „Das ist nicht wenig, Aber ein Umbau kostet auch ziemlich viel Geld. Wenn man ihn richtig anfasst, liegen die Baupreise bei etwa 30.000 Euro pro Wohnung“, sagte Förster-Wehle.

Die Baupreise hat man auch bei der WG Fortschritt im Blick. „Wir modernisieren um die 150 Wohnungen pro Jahr. Man muss so etwas mit Augenmaß planen. Wenn man die Sanierung geschickt angeht, bekommt man das hin. Wir haben in der Genossenschaft im Bestand seit Jahren durchschnittliche Mietkosten von 5 Euro“, sagte Sven Viehrig.

Keine sinnvollen Zuschnitte möglich

Die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft (GWG) Döbeln hat ein grundsätzliches Problem, große Familienwohnungen anzubieten. Die meisten Häuser sind aus den 1920er- und 1930er-Jahren mit entsprechenden Wohnungszuschnitten, die sich auch nicht sinnvoll verändern lassen, sagte Vorstand Gisela Menzel. Die GWG habe einige größere Wohnungen im Altbestand, aber die seien auch schnell wieder vermietet. „Große Wohnungen ab 70 Quadratmeter, da wird es schwierig. Wir können diese Wünsche auch nicht befriedigen. Wir bekommen beim Zusammenlegen nicht das, was die Mieter wollen.“ Es sei nicht sinnvoll, Wohnungen über den Hausflur hinweg zusammenzulegen. Bei anderen Lösungen gebe es Durchgangszimmer.

Neue Wohnungen sind teuer

Anders sieht es bei den Neubauprojekten der GWG aus. Bei den neuen Häusern an der Straße Am Hange gibt es große und moderne Wohnungen. Allerdings sind diese nicht unbedingt familiengerecht, weil mit knapp 10 Euro Warmmiete nicht billig. Bei den Baupreisen und der nötigen Ausstattung seien niedrigere Mietpreise nicht wirtschaftlich, so Gisela Menzel. „Mancher normaler Arbeitnehmer wird sich diese Mieten nicht leisten können“, sagte sie.

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