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Wenn die Kaufkraft fehlt

Im Stoffgeschäft an der Ritterstraße ist verkehrte Welt. In Lockdown-Zeiten brummte es. Jetzt heißt es wieder Kurzarbeit.

Daniel Heinrich hatte mit seiner Frau Simone im März vergangenen Jahres das Stoffgeschäft „Nähweißchen & Fadenrot“ an der Ritterstraße eröffnet. Wegen der anhaltenden Flaute ist jetzt wieder Kurzarbeit angesagt.
Daniel Heinrich hatte mit seiner Frau Simone im März vergangenen Jahres das Stoffgeschäft „Nähweißchen & Fadenrot“ an der Ritterstraße eröffnet. Wegen der anhaltenden Flaute ist jetzt wieder Kurzarbeit angesagt. © Dietmar Thomas

Döbeln. Als Nähweißchen und Fadenrot an der Ritterstraße an diesem Tag um 10 Uhr öffnet, ist der Laden schnell voll. Frauen lassen sich Stoffe zeigen, stöbern in den in den verschiedenen Nähutensilien. Eine Frau interessiert sich für eine Nähmaschine. Eine Mutter kommt mit ihrer Tochter. „Zweimal in der Woche haben wir einen Nähkurs. Heute ist er für Anfänger. Wir haben mit den Kindern aber auch schon Utensilos und Kissenbezüge genäht“, sagt Daniel Heinrich, der mit seiner Frau Simone das Geschäft betreibt. Allerdings ist der Anschein trügerisch. Nach einiger Zeit lässt der Kundenstrom merklich nach. Eigentlich typisch. „Am Nachmittag stehen wir allein im Laden“, sagte Heinrich.

Gute Monate retten

Im März vergangenen Jahres hatte das Ehepaar den Laden aufgemacht. Ein Jahr später kam Corona. Dem Geschäft tat das erst einmal keinen Abbruch. Im Gegenteil. „Im März, April und Mai lief es sehr gut“, sagte Daniel Heinrich. „Wenn wir diese Monate nicht hätten, gäbe es uns schon nicht mehr“, konstatierte er. 

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In der Coronazeit hatte Nähweißchen und Fadenrot Mundschutze en gros genäht. Außerdem lief das Onlinegeschäft prächtig. Die Leute deckten sich übers Internet mit den Materialien ein, um die viele Zeit totzuschlagen. Bis zu 120 Bestellungen pro Tag seien über Amazon eingegangen, sagte Heinrich. Im Juni kam dann der Einbruch. Auch das ist eigentlich nichts Unnormales, denn über den Sommer lässt das Geschäft immer nach. „Aber spätestens Ende August fängt es wieder an. Dieses Jahr passiert gar nichts“, sagte Heinrich. Seine Vermutung: Durch die Kurzarbeit ist die Kaufkraft gesunken.

Umsatzeinbruch lässt sich nicht ausgleichen

Etwa 30.000 Euro Umsatzeinbuße seit Juni lassen sich auch nicht so einfach kompensieren, auch nicht übers Online-Geschäft. „Die Leute überlegen jetzt länger, ob sie kaufen oder nicht kaufen.“ Anfang September zogen die Geschäftsleute die Reißleine: Seit 5. September ist wieder Kurzarbeit angesagt. Die Öffnungszeiten sind entsprechend reduziert. In der Woche ist um 15 Uhr zu. Am Freitag ist am Nachmittag bis 18 Uhr geöffnet für Leute, die nur abends Zeit haben. Auch am Sonnabend ist vormittags geöffnet.

Flaute in der gesamten Branche

Offensichtlich ist die Flaute kein Döbelner Phänomen. „Die Vertreter, die zu uns kommen, erzählen, dass es woanders in dieser Branche genauso schlecht läuft“, sagte der Geschäftsmann. Überbrückungshilfen hatten die Heinrichs nicht in Anspruch nehmen können. Weil sie erst im vergangenen Jahr angefangen hatten, gaben die Geschäftszahlen keine Basis für die Finanzhilfen ab, erklärte er. Auf das Weihnachtsgeschäft setzen die Heinrichs auch keine allzugroßen Hoffnungen. „Wir sind nicht die typische Weihnachtsbranche. Wir werden mal sehen, ob wir noch Aktionen machen.“

IHK ermittelt besser Stimmung

Typisch für die Region ist diese Entwicklung nach den Zahlen der Industrie- und Handelskammer offensichtlich nicht. Die Stimmung im Handel war in den vergangenen Monaten wieder deutlich besser geworden, wie die Konjunktur-Umfrage der IHK im September zeigt.

 Große Unsicherheiten für den Handel und andere Branchen wie der Gastronomie sind aber die Hygienemaßnahmen, die beschlossen werden, sagte Cindy Krause von der IHK Mittelsachsen. „In den Geschäften kann man die Hygieneregeln aber gut umsetzen. Die Mund-Nase-Bedeckung ist auch kein Problem, daran hat man sich gewöhnt“, sagte sie. „Ich kenne kein Beispiel für einen Corona-Hotspot in einem Einzelhandelsgeschäft.“

Liquidität durch Soforthilfen

In den vergangenen Monaten war es im Einzelhandel aufwärtsgegangen. Die Lagebewertung der Geschäftsleute war von -13 auf +35 Punkte gestiegen. Auch die Gastronomie habe sich stabilisiert und ihre Nischen gefunden, sagte Sindy Krause. In Mittelsachsen waren zudem 43 Millionen Euro Soforthilfen an mehr als 5.400 Unternehmen bis zehn Mitarbeiter ausgezahlt worden. Außerdem 48 Millionen zinsfreier Kredite an Unternehmen bis 100 Mitarbeiter. „Die Liquidität ist da. Die Frage ist, ob das für die nächste Zeit reicht.“

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