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PLUS Döbeln

Wie sieht der ÖPNV in Zukunft in Mittelsachsen aus?

Barrierefreie Haltestellen und mehr PlusBusse sind nur zwei Schwerpunkte der Planungen. Ab 2021 gilt der neue Nahverkehrsplan.

Die Linie 750 Freiberg-Döbeln verkehrt schon jetzt als PlusBus. Weitere Linien mit Anbindung an die Region könnten folgen.
Die Linie 750 Freiberg-Döbeln verkehrt schon jetzt als PlusBus. Weitere Linien mit Anbindung an die Region könnten folgen. © Christian Essler

Mittelsachsen. Wie sieht der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in den kommenden Jahren in Mittelsachsen aus? Den Rahmen für die konkrete Planung steckt der Nahverkehrsplan (NVP) ab, der alle fünf Jahre neu erarbeitet wird.

Die derzeit geltende Fassung läuft Mitte 2021 aus. Die Neue ist so gut wie fertig, zumindest im Entwurf. Jens Wolff von der VerkehrsConsult Ingenieurgesellschaft mbH aus Dresden gab nun diesbezüglich den Mitgliedern des Ausschusses für Umwelt und Technik einen kurzen Einblick in den neuen NVP.

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Ist der Nahverkehrsplan der Fahrplan für den ÖPNV von 2021 bis 2025?

Nein, und das stellte der Projektleiter Nahverkehrsplan auch gleich zu Beginn klar. Im NVP werden nicht die einzelnen Verbindungen besprochen und beschrieben, sondern es wird lediglich der Rahmen für die Ausgestaltung des ÖPNV festgelegt.

Ausgangspunkt dafür ist unter anderem die Bevölkerungsentwicklung, die aktuellen Stärken und Schwächen des ÖPNV sowie die vorhandene Infrastruktur.

Wie ist Regiobus Mittelsachsen derzeit ausgestattet?

Das Unternehmen, das im Wesentlichen für den ÖPNV in Mittelsachsen zuständig ist, verfügt insgesamt über rund 230 Fahrzeuge, darunter größere und kleinere Busse sowie Gelenkbusse. Im Schnitt sollten die Fahrzeuge nicht älter als zehn Jahre sein, so dass immer wieder neue Fahrzeuge notwendig sind. Die Mehrheit der Busse ist aber bereits barrierefrei gestaltet, entweder über Niederflurwagen, die Ausstattung mit einer Rampe oder einem Lift sowie der Möglichkeit des Absenkens auf der Einstiegsseite. Zur Infrastruktur gehören zudem insgesamt 1.500 Haltestellen.

Von welcher Bevölkerungsprognose gehen die Planer aus?

Ausgangspunkte sind die sechste beziehungsweise siebte Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung (RBV) des Freistaates Sachsen. Letztere geht in der neusten Version bis 2030 von einem Rückgang von 1,9 bis 3,8 Prozent der Bewohner in Sachsen aus. In Bezug auf die Schüler im Alter von sechs bis 19 Jahren wird in der sechsten Berechnung von einem Rückgang von 33.500 Schülern 2018 auf 31.300 Schüler 2030 ausgegangen. „Die Zahl der Gymnasiasten geht schon jetzt zurück, dann werden aber auch die Grundschüler folgen“, sagt Jens Wolff.

Wie ist das Pendlerverhalten der Mittelsachsen?

Rund 82.500 Mittelsachsen haben ihren Arbeitsort im Kreis, rund 39.900 verlassen den Landkreis, knapp 27.800 kommen zum Arbeiten erst nach Mittelsachsen. Die Daten basieren auf einer Erfassung aus dem Jahr 2018.

Die Binnenpendler zieht es besonders in die drei großen Kreisstädte Freiberg, Döbeln und Mittweida. Aber auch Roßwein sowie Brand-Erbisdorf sind Arbeitsort für viele Mittelsachsen. „Grenzübergreifend ist Chemnitz der Hauptanziehungspunkt“, beschreibt Wolff. Ebenso zieht es die Mittelsachsen beruflich nach Zwickau und Dresden, weniger allerdings in den Erzgebirgskreis.

Welche Linien gelten aktuell als besonders gefragt im Landkreis?

Dem Pendlerverhalten entsprechend sind es vor allem auch die Linien mit Anbindung nach Chemnitz, die bei den Mittelsachsen besonders gefragt sind. Mit Anbindung an den Altkreis gelten derzeit besonders die Linien 640 Chemnitz – Roßwein sowie die 750 Döbeln – Freiberg als besonders stark genutzt.

„Die nachfragestärksten Stadtverkehrssysteme sind Döbeln, Freiberg und Mittweida, wobei der Stadtverkehr Freiberg herausragt“, informiert Wolff. Pro Jahr nutzten etwa 13 Millionen Personen den Busverkehr in Mittelsachsen.

Worin liegen die Schwächen, worin die Stärken des ÖPNV in Mittelsachsen?

Positiv entwickelt hat sich nach dem erweiterten Fahrplanangebot die Nachfrage auf der Linie 922 Döbeln–Hartha–Waldheim. Gut sei auch die starke Nutzung des Stadtverkehrs in Freiberg sowie Brand-Erbisdorf, so Jens Wolff.

Viele Gemeinden seien zudem bereits gut an die Kreisstadt sowie die Mittelzentren angebunden. Auf den Hauptachsen gebe es darüber hinaus ein gutes Angebot mit Taktverkehr. Hinzukommen schon jetzt spezielle Fahrten an den Wochenenden, wie zum Beispiel mit dem Zschopautaler.

Nachgebessert werden müssen allerdings die Busfahrpläne in Bezug auf die Anschlusszeiten der Eisenbahnen. Im Bereich Döbeln gibt es, vor allem in Richtung Mügeln, „kleinere Erschließungslücken“, ebenso um Penig. Im ländlichen Raum fehle darüber hinaus weitgehend die Ausstattung der Haltestellen.

Was sind die Schwerpunkte im neuen Nahverkehrsplan?

Die Rahmenplanung wird sich unter anderem mit der Fortführung des Chemnitzer Modells befassen. Eine Stufe des Modells sieht zum Beispiel die Ausgestaltung der Strecke RB 45 Chemnitz-Elsterwerda vor. In Arbeit ist auch ein neues System, das zukünftig in allen Bussen zum Einsatz kommen soll. Schwerpunkt sein werden auch die Haltestellen und deren Umgestaltung sowie die Erweiterung der PlusBus-Linien.

Was ist für die Bahnstrecke RB 45 Chemnitz – Elsterwerda geplant?

Die Linie könnte zwischen Mittweida und Döbeln schneller werden, weil Unterwegshalte weggelassen werden. Bis 2030 soll die RB aber weiter wochentags im Stundentakt sowie am Wochenende im Zwei-Stunden-Takt fahren.

Voraussetzung für die Beschleunigung ist, dass die Linie C 14, die bisher Mittweida mit Chemnitz verbindet, bis nach Döbeln erweitert wird. Zum Einsatz kommen sollen hier TramTrain-Fahrzeuge, die sowohl als Straßenbahn als auch als Eisenbahn betrieben werden können. Hier gebe es aber noch großen Nachholbedarf in Bezug auf die Fahrzeuge sowie die Strecke bis nach Döbeln-Mitte, sagt Wolff.

Ist eine Erweiterung des PlusBus-Netzes geplant?

Im Zuge des neuen Nahverkehrsplans soll zumindest geprüft werden, ob unter anderem die Linie 922 Döbeln – Hartha – Waldheim sowie 927 Waldheim – Hartha – Leisnig als PlusBus fortgeführt werden können. Das würde unter anderem bedeuten, dass beide Linien einmal mehr am Sonnabend verkehren als bisher. Denn das Bedienangebot für PlusBusse umfasst Montag bis Freitag 15 Fahrten im Ein-Stunden-Takt, am Sonnabend sechs Fahrten, an Sonn- und Feiertagen vier Fahrten pro Richtung. Bereits jetzt verkehren die 750 Döbeln – Freiberg sowie die 416 Meißen – Lommatzsch – Döbeln als PlusBus in der Region.

Geprüft werden soll zudem die Einrichtung einer Busverbindung zwischen Freiberg und Leipzig über Döbeln. Geplant ist darüber hinaus, die Stadtverkehre in Döbeln, Mittweida und Flöha weiterzuentwickeln sowie eine Betrachtung der Ergänzung des Angebotes im Raum Döbeln – Mügeln.

Was wird zukünftig für die Barrierefreiheit im ÖPNV getan?

Im Fokus stehen hier im neuen NVP-Plan die Haltestellen des VMS. Jene müssen gesetzlichen Vorgaben entsprechend barrierefrei gestaltet werden. Dies umfasst eine Bordhöhe von mindestens 16 Zentimetern sowie eine Mindestdurchgangsbreite von 1,50 Meter und einen Blindenleitstreifen. Voraussetzung dafür ist, dass alle Haltestellen zunächst verbundweit einheitlich erfasst und bewertet werden. Das soll zwischen 2021 und 2025 erfolgen. In Zusammenarbeit mit den Aufgabenträgern sollen im Anschluss langfristig die Haltestellen barrierefrei gestaltet werden.

Für die Abarbeitung der Aufgaben soll es laut Wolff eine Prioritätenliste geben. Ganz oben stünden dabei die Haltestellen, die am häufigsten tangiert werden, weil sie an den wichtigsten Achsen liegen. Voraussetzung für die barrierefreie Gestaltung der ist ausreichend Fördergeld durch den Freistaat.

Bestandteil der Barrierefreiheit ist auch eine verbesserte Kommunikation zwischen den Fahrern sowie eine bessere Information für die Fahrgäste. Die entsprechende Technik dafür wird zurzeit bereits in den Fahrzeugen eingearbeitet. Bus und Bahn erhalten dabei dasselbe System. „Eine automatische, unternehmensübergreifende Anschlusssicherung informiert Fahrer und Disponenten, wenn sich eine vorherige Fahrt verzögert“, erklärt Jens Wolff. Mit dem neuen System ist auch eine Fahrgastinformation in Echtzeit möglich.

Wie geht es nun in Sachen Nahverkehrsplan weiter?

Der fertige Entwurf wird am kommenden Freitag, 27. November, den Mitgliedern des Verbands, zu dem neben Mittelsachsen auch die Stadt Chemnitz, der Landkreis Zwickau sowie der Erzgebirgskreis gehören, vorgestellt. Ab Dezember erfolgt die Anhörung der Träger öffentlicher Belange. Dazu gehören unter anderem die Kommunen. Sobald alle Rückmeldungen eingeholt sind, werden sie ausgewertet und in den NVP eingearbeitet. Die aktualisierte Fassung wird der Verbandsversammlung erneut zum Beschluss vorgelegt. Anschließend muss die Landesdirektion Sachsen ihre Zustimmung zu dem Plan geben. Erst dann kann dieser ab Mitte 2021 in Kraft treten.

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