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Ein Nachmittag als Ritter in Leisnig

Die Interessengemeinschaft Burgalltag zeigt auf Burg Mildenstein, wie das Leben im Mittelalter aussah. Redakteur Eric Mittmann hat den Selbstversuch gewagt.

Sächsische.de-Redakteur Eric Mittmann (links) durfte sich auf der Burg Mildenstein als Ritter versuchen. Dazu bekam er von Burgvogt Helmut zu Schlorrendorf (rechts) und Kämpfer Matthias eine originalgetreue Rüstung angelegt.
Sächsische.de-Redakteur Eric Mittmann (links) durfte sich auf der Burg Mildenstein als Ritter versuchen. Dazu bekam er von Burgvogt Helmut zu Schlorrendorf (rechts) und Kämpfer Matthias eine originalgetreue Rüstung angelegt. © Thomas Kube

Leisnig. Gambeson, Kettenhemd, Polsterhaube, Kettenhaube, Nasalhelm, Handschuhe sowie natürlich Schwert und Schild. Wer im Mittelalter in die Schlacht zog, hatte so einiges zu tragen. 15 bis 20 Kilo liegen plötzlich auf meinen Schultern. "Wenn ich besonders gemein wäre, würde ich sagen, du steigst damit mal ein paar Treppen", sagt mir mein Burgvogt, Helmut zu Schlorrendorf.

Helmut heißt im realen Leben Helmut Kwiecinski und ist Teil der Interessengemeinschaft Burgalltag. Die Mägde, Knechte, Ritter, Söldner, Handwerker sowie ihr Burgvogt gastieren seit Sonnabend auf der Burg Mildenstein und hauchen dieser Leben ein.

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Bis zu zehn Stunden in Ritterrüstung

Seit einigen Jahren gehört die Interessengemeinschaft bereits zu den regelmäßigen Gästen der Leisniger Burg. Ihre sogenannte Burgwoche erleben Besucher der Anlage dabei eigentlich immer um Pfingsten. Aufgrund der Corona-Pandemie musste sie in diesem Jahr jedoch in die Sommerferien verschoben werden. "Dadurch sind wir diesmal etwas weniger Leute", erklärte die erste Magd Anja Kissling. "Für unser Programm bedeutete dies aber keine Einschränkungen."

Programm bedeutet in diesem Fall: Mägde und Knechte kümmern sich ums Essen, Handwerker stellen unter anderem Lederausstattung her und der Schmied produziert Beschläge, Nägel oder Pfeilspitzen. Ritter und Kämpfer üben sich im Kampf, während Burgvogt Helmut einen wachsamen Blick über seine Untergebenen hat.

Seine mächtige Rüstung, die er zum Teil selbst hergestellt hat, trägt er dabei mitunter bis zu zehn Stunden am Tag. "Sie ist einer Rüstung aus dem 13. Jahrhundert nachempfunden", erklärt er mir, während er einen Bogen spannt, um mir das Schießen zu veranschaulichen. "Wir versuchen natürlich, der Zeit entsprechende Kleidung zu tragen."

Auch die kleinste Magd ist wichtig

Seit mittlerweile zehn Jahren existiert bereits die Interessengemeinschaft und versucht, den Alltag auf einer Burg so realitätsgetreu wie möglich nachzuempfinden. Mahlzeiten werden nach alten Rezepten über offenem Feuer zubereitet, Kleidung und Möbel nach alten Methoden hergestellt. Selbst die Kessel in der Küche seien zum Teil selbst gemacht, erklärt mir Magd Anja.

"Ob es nun alles haargenau so war, können wir natürlich nicht sagen", wirft mein Burgvogt ein. "Viel ist aus der Zeit ja nicht überliefert."

Magd Anja Kissling zufolge gehe es jedoch auch darum, den Alltag zu entschleunigen und ihren Mitgliedern ein Gemeinschaftsgefühl näherzubringen. Am Burgalltag könne jeder mitmachen. Man benötige nur das entsprechende Grundgewand und müsse es wollen. "Und jeder von uns ist wichtig. Auch die kleinste Magd."

Nächstes Jahr wieder zu Pfingsten?

Für mich geht es indes zum Tanztraining, denn auch das gehört zum Burgalltag und muss geübt werden. Die Herzensdame will schließlich auch beeindruckt werden. Meine Rüstung durfte ich glücklicherweise nach einigen Schwerthieben mit Kämpfer Matthias wieder ablegen.

Auch im kommenden Jahr will die Interessengemeinschaft die Burg Mildenstein wieder zum Leben erwecken. Dann hoffentlich zu ihrem traditionellen Termin um Pfingsten.

Auch Kampftraining stand auf dem Programm. Kämpfer Matthias zeigt den Umgang mit dem Schwert. Das ruft nicht nur die Burgbewohner auf den Plan, sondern auch so manchen jungen Besucher.
Auch Kampftraining stand auf dem Programm. Kämpfer Matthias zeigt den Umgang mit dem Schwert. Das ruft nicht nur die Burgbewohner auf den Plan, sondern auch so manchen jungen Besucher. © Thomas Kube
Die Mägde Anja (links) und die beiden Ellas bereiten das Essen zu. Alles soll so authentisch sein wie möglich. Mutzbraten und Haferbrei werden nach alten Rezepten über offenem Feuer zubereitet.
Die Mägde Anja (links) und die beiden Ellas bereiten das Essen zu. Alles soll so authentisch sein wie möglich. Mutzbraten und Haferbrei werden nach alten Rezepten über offenem Feuer zubereitet. © Thomas Kube
Die Mitglieder der Interessengemeinschaft entspannen bei Tanzabenden. Auch die Tänze wollen im Vorfeld natürlich geübt werden. Schließlich gilt es, damit zu beeindrucken.
Die Mitglieder der Interessengemeinschaft entspannen bei Tanzabenden. Auch die Tänze wollen im Vorfeld natürlich geübt werden. Schließlich gilt es, damit zu beeindrucken. © Thomas Kube
Auch die Schreibstube ist besetzt, während Handwerker und Küchenpersonal fleißig sind. Magd Anja sagt, auch um das Gemeinschaftsgefühl geht es den Mitwirkenden.
Auch die Schreibstube ist besetzt, während Handwerker und Küchenpersonal fleißig sind. Magd Anja sagt, auch um das Gemeinschaftsgefühl geht es den Mitwirkenden. © Thomas Kube

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