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Was den Bauern ein Lerchenfenster bringt

Seit 2019 hat der Landwirtschaftsbetrieb Wolf einen Betriebsplan Natur. Nun sind einige Ergebnisse zu sehen.

Von Sylvia Jentzsch
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Anton, Steffi und Michael Wolf vom gleichnamigen Landwirtschaftsbetrieb in Gersdorf setzen schon seit vielen Jahren auf Naturschutz und nachhaltige Landbewirtschaftung.
Anton, Steffi und Michael Wolf vom gleichnamigen Landwirtschaftsbetrieb in Gersdorf setzen schon seit vielen Jahren auf Naturschutz und nachhaltige Landbewirtschaftung. © Dietmar Thomas

Hartha/Gersdorf. An den drei Wirtschaftswegen des Landwirtschaftsbetriebes Wolf in Gersdorf stehen jetzt 96 Laubbäume. Sie sollen in einigen Jahren Schatten spenden. Auf dem Wiesenstreifen wachsen heimische Pflanzen und Kräuter.

Das ist unter anderem ein Ergebnis des Betriebsplanes Natur, den der Landwirtschaftsbetrieb gemeinsam mit Ulrich Klausnitzer vom Fachbüro für Naturschutz und Landschaftsökologie aus Haßlau ausgearbeitet hat. Auch mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises habe es eine gute Zusammenarbeit gegeben, so Michael Wolf.

Er und seine Frau Steffi haben schon seit vielen Jahren auf Naturschutz und nachhaltige Landbewirtschaftung gesetzt. 2019 wurde alles in einem Plan festgelegt. „Wir haben damit ein klares Konzept, das sich durch alle Bereiche unseres Betriebes zieht. Im Betriebsplan sind 20 Maßnahmen festgehalten, die dem Artenschutz von Pflanzen und Tieren dienen“, sagte Michael Wolf.

Förderprogramm genutzt

Bis dahin seien die Entscheidungen bezüglich der Pflege und Erhaltung der Natur eher aus dem Bauch und dem guten Gewissen heraus getroffen worden. „Sicher war vieles richtig, aber nun haben wir uns mehr Wissen angeeignet und ein Konzept“, sagte Steffi Wolf.2016 bewarben sie sich um die Förderung eines sogenannten Betriebsplanes Natur.

Der wiederum ist ein Teil der Qualifizierung der Landwirte für den Naturschutz. Um das Förderprogramm nutzen zu können, mussten bestimmte Bedingungen erfüllt werden, denn der Aufruf richtete sich an größere Betriebe mit mehr als 100 Hektar Fläche.

Ein Beitrag für die Zukunft

„Wir wollten uns unbedingt dieser Sache stellen, da wir im Einklang mit der Natur und so arbeiten, dass nachfolgende Generationen auch ihre Freude haben“, sagte der Landwirt. Da spricht er in eigener Sache. Denn Sohn Anton (17) soll einmal den Landwirtschaftsbetrieb übernehmen. Auch die Tochter mit Familie lebt auf dem Hof.

Neben dem Anlegen der Alleen, Hecken und dem Grünstreifen entlang der Wirtschaftswege gibt es noch weitere Ergebnisse. Davon konnten sich kürzlich Landwirte, Behördenvertreter und Interessierte überzeugen.

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„Wir sind dabei, einen Betriebs-Check zu machen. Das heißt, es wird überprüft, ob alle im Plan vorgeschlagenen Maßnahmen sinnvoll sind, ob sie verändert werden müssen oder ob es neue Ideen gibt“, so Ulrich Klausnitzer.

Bewirtschaftung ist Kunststück

Oft müssten bürokratische Hürden genommen werden, und es gebe auch Nachteile. Als Beispiel nannte Michael Wolf dem angesäten Wiesenstreifen. Der verliere nach einer gewissen Zeit den Ackerlandstatus und sei dann finanziell weniger wert.

Michael Wolf sprach von einem Kunststück bei der Bewirtschaftung zwischen den Bäumen. Hier wachsen fast alle der 26 Arten, die Ulrich Klausnitzer in einer Samenmischung zusammengestellt hat.

Spezielle Samenmischung

Die Kräuter und Blumen sollen allerdings wachsen – das Gras daneben zweimal im Jahr einen Schnitt erhalten, um einen Vorteil für die Kräuter und Blühpflanzen zu schaffen. „Das ist eine Herausforderung. Doch wenn es so schön blüht und wir Insekten ihren Lebensraum bieten, dann macht das auch glücklich“, sagte Steffi Wolf.

Sie, ihre Familie und auch die Mieter sind begeistert, dass sich in den vor fünf Jahren gepflanzten Hecken so viele Tiere angesiedelt haben. Dazu gehören unter anderem Amseln, Meisen, Neuntöter oder Buchfinken.

„Vor einigen Jahren gab es in diesem Bereich nur Wege und keine Tiere. Doch auch hier gibt es ein Aber. Die Hecken mussten eingezäunt werden. Da hatten die Wühlmäuse ihre helle Freude, da wir kaum eine Chance hatten, gegen sie vorzugehen“, so Michael Wolf.

Der Wühlmausfänger

Gut das sich Mieter Frank Hessel täglich um das Problem Wühlmäuse kümmert. 30 Fallen hat ihm Familie Wolf zur Verfügung gestellt. Etwa 400 Wühlmäuse hat Hessel in den vergangenen drei Jahren gefangen.

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Zu den Tieren, die sich um den Hof des Landwirtschaftsbetriebes angesiedelt haben und hier wohlfühlen gehören, die Schleiereule, Fledermäuse, Rauch- und Mehlschwalben. „Wir haben auch fünf oder sechs junge Falken. Die zeigen am frühen Morgen eine Flugshow.

Auf den Silos, auf denen sich die Falken schon jetzt wohlfühlen, soll noch ein Falkennest gebaut werden.
Auf den Silos, auf denen sich die Falken schon jetzt wohlfühlen, soll noch ein Falkennest gebaut werden. © Dietmar Thomas

Auf den Silos, auf denen sich die Falken schon jetzt wohlfühlen, soll noch ein Falkennest gebaut werden“, sagte der Landwirt.

Außerdem gibt es sogenannte Lerchenfenster auf dem Feld. „Die Vögel benötigen als Lebensraum eine Art Steppenlandschaft. Deshalb werden etwa 30 Quadratmeter nicht mit der Drillmaschine bearbeitet. Dieser Bereich sollte auf einer Anhöhe liegen“, sagte Michael Wolf.

Reaktiviert wurde ebenfalls ein kleiner Teich in der Feldflur. In diesem habe sich endlich der Grasfrosch angesiedelt. „Wir haben lange darauf gewartet“, so Familie Wolf.

Sie hat auch zwei Trockenhänge mit Südlage. Einer davon befindet sich gegenüber dem Gasthof Simon. Wir werden die Kühe nicht mehr so oft wie in der Vergangenheit dort weiden lassen, damit sich eine Blütenpracht entfalten kann.

Dort wachsen unter anderem Wiesenglockenblumen und Margeriten. Die Wiese werde auch nicht mehr mit Stickstoff gedüngt.

Entscheidung nicht bereut

Für Michael Wolf und seine Frau ist der Betriebsplan Natur eine gute Sache. „Das war eine gute Entscheidung. Ich freue mich, dass alle Verpächter den Naturschutzgedanken positiv gegenüberstehen.

Die Nachpflanzung von Obstbäumen wird sogar ausdrücklich gewünscht“, sagte Michael Wolf. Den Landwirtschaftsbetrieb Wolf haben die Eltern von Michael Wolf 1989 widereingerichtet und im Jahr 2002 an ihren Sohn übergeben.

Steffi und Michael Wolf bewirtschaften 195 Hektar Ackerland und 32 Hektar Grünfläche. Von Ende April bis Anfang November stehen die 30 Mutterkühe mit ihren Kälbern auf der Weide.