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Mitarbeiter von Franken-Gut streiken in Mockritz

Im Edeka-Fleischwarenbetrieb wird gestreikt. Die Mitarbeiter wollen mehr Geld. Das bisherige Angebot des Arbeitgebers ist nicht akzeptabel.

Von Sylvia Jentzsch
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Seit 10 Uhr befinden sich die Mitarbeiter von Franken-Gut Mockritz im Warnstreik. Sie wollen für die gleiche Arbeit so viel Geld wie ihre Kollegen im Westen Deutschlands verdienen.
Seit 10 Uhr befinden sich die Mitarbeiter von Franken-Gut Mockritz im Warnstreik. Sie wollen für die gleiche Arbeit so viel Geld wie ihre Kollegen im Westen Deutschlands verdienen. © Dietmar Thomas

Großweitzschen. Sie kommen sich vor, wie Mitarbeiter zweiter Klasse – die 64 Frauen und Männer der Edeka-Tochter Franken-Gut Mockritz.

Etwa 200 bis 800 Euro mehr würden die Mitarbeiter der bayrischen Standorte des Unternehmens in Nürnberg und Rottendorf im Monat verdienen. Und auch zum Entgeltniveau des Logistik-Standortes des Unternehmens in Berbersdorf, zu dem der sächsische Franken-Gut-Standort im nächsten Jahr umziehen soll, klaffe eine deutliche Lücke.

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„Das wollen wir uns nicht mehr bieten lassen. Deshalb sind wir von 10 bis 15 Uhr in einen Warnstreik getreten“, sagte Betriebsratsvorsitzende Ira Butke-Lottmann. Während einer Betriebsversammlung hätten alle Mitarbeiter ihre Unterstützung zugesagt. Allerdings können nicht alle Mitarbeiter zur gleichen Zeit streiken, da die Schichten versetzt beginnen.

Um zehn Uhr standen am Donnerstag die Mitarbeiter vom Büro und vom Wareneingang vor dem Tor, um ihre Forderung zu unterstreichen. Es machte ihnen auch nichts aus, dass es wie aus Kübeln goss. Mittags kamen dann die Kommissionierer und Aufsetzer dazu.

Drei erfolglose Tarifverhandlungen

Bisher gab es bereits drei Tarifrunden mit dem Unternehmen. „Die Geschäftsführung ist nicht bereit, eine zügige Angleichung des Lohnes an das Niveau anderer Standorte anzupassen. Was uns bisher angeboten wurde, sind nur kleine Schritte. Wir wollen aber, dass die Lohnlücke in den nächsten zwei und nicht erst in fünf Jahren abgebaut wird“, sagt Olaf Klenke, Verhandlungsführer der NGG und Landesbezirkssekretär der NGG Ost.

Ziel des Warnstreiks und der Verhandlungen sei es, eine Vereinbarung beziehungsweise einen Stufenplan festzulegen, in welchen Schritten die Lohnangleichung in den nächsten 24 Monaten erfolgen soll. „Hinzu kommt, dass wir auch noch über den Anschluss-Tarifvertrag verhandeln. Der alte Vertrag ist Ende Juli ausgelaufen. Eigentlich waren uns drei Prozent Lohnerhöhung versprochen worden.

Doch die sollen erst einmal für fünf Monate ausgesetzt werden. Das kann so nicht sein“, sagte Ira Butke-Lottmann. Die Belegschaft habe den Warnstreik nicht gewollt, sie sei durch die erfolglosen Tarifverhandlungen dazu gezwungen worden.

Weitere Streiks möglich

Mit dem Warnstreik wollen die Mitarbeiter der Edeka-Tochter Franken-Gut Mockritz in der laufenden Lohnrunde Druck aufbauen. Auch für die nächste Tarifrunde am Freitag. „Wir sind in Kampfstimmung. Sollte das nächste Tarifgespräch nicht erfolgreich sein, werden wir weitere Streiks planen. Und je näher wir an die Weihnachtszeit kommen, umso spürbarer wird das für das Unternehmen“, sagte die Betriebsrätin.

Schließlich wurden während des Warnstreiks keine Waren angenommen. Damit hatten die Kommissionierer am Nachmittag keine Arbeit. Und es konnten keine oder wenig Waren ausgeliefert werden. Das macht sich am Freitag in den Märkten, die zur Edeka-Gruppe gehören, bemerkbar.

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Immerhin beliefert das Unternehmen Franken-Gut Mockritz als 100-prozentige Tochter der Edeka-Gruppe mehr als 400 Märkte in Sachsen, Thüringen und Nordbayern mit Fleisch- und Wurstwaren.

Lohnangleichung muss kommen

„Wir wollen eine Lohnangleichung erreichen. Die Beschäftigten wollen diese zügig und nicht am Sankt-Nimmerleins-Tag. Ihre Arbeit ist nicht weniger Wert als an anderen Standorten des Unternehmens. Nach mehr als 30 Jahren der Deutschen Einheit muss die Lohnmauer fallen“, erklärt Olaf Klenke.

Das Unternehmen habe in der Corona-Zeit noch mehr Gewinn gemacht. Nach Angaben der Gewerkschaft steigerte die Edeka-Gruppe 2020 ihren Umsatz um 8,9 Prozent auf 38,7 Milliarden Euro. Der Gewinn lag bei 301 Millionen Euro.„Dafür haben wir sogar ein Dankschreiben erhalten, wie toll wir sind. In der Lohntüte haben wir das nicht zu spüren bekommen“, so Ira Butke-Lottmann.

Im Gegenteil – während die Beschäftigen der bayrischen Standorte des Unternehmens und die des Logistik-Standortes in Berbersdorf 600 Euro Corona-Prämie erhielten, waren es 300 Euro für die Mockritzer Mitarbeiter. Das können sie nicht verstehen.

Auch am Nachmittag ging der Streik weiter. Dann kamen die Kollegen dazu, die bis in die Nacht arbeiten müssen.
Auch am Nachmittag ging der Streik weiter. Dann kamen die Kollegen dazu, die bis in die Nacht arbeiten müssen. © Dietmar Thomas

Frostige Arbeitsbedingungen

Dabei haben vor allem die Kommissionierer eine harte Arbeit. Die beginnt in den Nachmittagsstunden und hört erst spät in der Nacht auf. Oft wird mehr als acht Stunden gearbeitet und das unter widrigen Bedingungen. Im Erdgeschoss des Firmengebäudes herrschen maximal 2 Grad.

Dagegen sei es bei den Mitarbeitern der Warenannahme mit sechs Grad schon fast kuschelig. Vier Hosen und vier Oberteile muss Manu Irrgang übereinanderstreifen, um sich vor der Kälte zu schützen.

Der Lohn reiche trotz der schweren Arbeit bei den meisten kaum aus, um die Dinge des täglichen Bedarfs zu bezahlen. Alles werde teurer. Hinzu komme, dass viele Mitarbeiter lange Arbeitswege haben. Sie kommen aus Dresden, Torgau oder Limbach-Oberfrohna, so die Betriebsrätin. Die steigenden Kraftstoffpreise würden da ganz schön ins Gewicht fallen.

Arbeitgeber äußert sich nicht

Die Mitarbeiter bemängelten auch den Umgang mit ihnen. „Würden Arbeitsplätze frei, dann würden keine neuen Leute eingestellt. „Wir sind für die gleiche Arbeit immer weniger Leute. Leiharbeitskräfte wollen gleich gar nicht in unser Unternehmen“, so Ira Butke-Lottmann. Die Mitarbeiter würden nicht spüren, dass das Unternehmen gewillt sei sie zu behalten. Dadurch fehlen die Motivation und der Spaß an der Arbeit.

Der Döbelner Anzeiger fragte beim Arbeitgeber nach: „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zu laufenden Tarifverhandlungen und damit verbundenen Streiks nicht äußern“, teilte Stefanie Schmitt, Vorstandsassistenz der EDEKA Nordbayern-Sachsen-Thüringen, mit.