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Rund um die Uhr fürs Bier im Einsatz

Die Hopfenernte bei der Hopfen und Obst GmbH im Ostrauer Ortsteil Schrebitz hat begonnen. Doch ohne die vieler Helfer, hätte der Hopfen nicht wachsen können.

Reiner Joachim vor der Pflückmaschine. Der Geschäftsführer der Hopfen und Obst GmbH Schrebitz (Hoob), präsentiert eine Flasche Frenzel’s Bräu aus Bautzen. Für dessen Herstellung liefert das Schrebitzer Unternehmen den Hopfen.
Reiner Joachim vor der Pflückmaschine. Der Geschäftsführer der Hopfen und Obst GmbH Schrebitz (Hoob), präsentiert eine Flasche Frenzel’s Bräu aus Bautzen. Für dessen Herstellung liefert das Schrebitzer Unternehmen den Hopfen. © Dietmar Thomas

Ostrau. Bald wäre die Hopfenernte der Hopfen und Obst GmbH Schrebitz (Hoob) Corona zum Opfer gefallen. Die Saisonkräfte aus Polen und Rumänien konnten wegen des Lockdown im Frühjahr nicht anreisen. 190.000 Hopfenpflanzen mussten angeleitet werden. Dafür haben die Hopfenbauern nur ein geringes Zeitfenster. Die Triebe der frisch geschnittenen Pflanzen mussten alle innerhalb von zwei bis drei Wochen an Drähten befestigt werden, damit sie in die Höhe wachsen konnten. Eile war geboten.

„Der Hopfen ist eine der am schnellsten wachsenden Pflanzen. Bei günstigen Bedingungen sind es zehn bis 20 Zentimeter, die die Triebe täglich länger werden“, sagte Julia Joachim. Sie ist nicht nur die Tochter der Geschäftsführer der Hoob Hopfen und Obst GmbH Schrebitz, sondern war zwei Jahre lang Hopfenkönigin des Hopfenpflanzerverbandes Elbe-Saale.

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Döbelner Gymnasiasten als Bierretter im Einsatz

Eine Alternative musste her. Und die haben die Joachims auf drei Wegen gefunden. Zum einen gab es Bekannte und Freunde. Doch allein mit ihnen war das Vorhaben nicht zu schaffen. Familie Joachim entschied sich, einen Hilferuf auf dem Portal „Das Land hilft“ zu starten. 

Dabei handelt es sich um eine Initiative des Bundesverbandes Maschinenringe mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Joachims suchten auf diesem Portal Bierretter.

Parallel dazu hatte das Unternehmen mit dem Stadtwerbering Döbeln und den künftigen Abiturienten des Lessing-Gymnasiums Kontakt aufgenommen. Und es hat sich gelohnt, diesen neuen Weg zu gehen. „Es haben sich viele Leute gemeldet, die uns geholfen haben. Zu ihnen gehörten auch etwa 55 Gymnasiasten“, so Julia Joachim.

Nun haben sich die Erntehelfer wiedergetroffen, haben sich angesehen, wie die Pflanzen gewachsen sind, denen sie sozusagen mit dem Anleinen auf die Beine geholfen haben. Familie Joachim hatte zu einem Helferfest eingeladen. 

Victoria Ort und ihre Mitschüler helfen  im Mai auf den Hopfenfeldern rund um Schrebitz beim Anleiten der Pflanzen. 
Victoria Ort und ihre Mitschüler helfen  im Mai auf den Hopfenfeldern rund um Schrebitz beim Anleiten der Pflanzen.  © Dietmar Thomas
Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Bündnis 90/Die Grünen, 2. von rechts) eröffnet in Schrebitz die Hopfenernte für Sachsen eröffnet.
Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Bündnis 90/Die Grünen, 2. von rechts) eröffnet in Schrebitz die Hopfenernte für Sachsen eröffnet. © privat

„Die Helfer kamen aus verschiedenen Branchen. Sie hatten schon im Frühjahr ihr Interesse angemeldet, sich den Hopfen vor der Ernte noch einmal ansehen zu können“, sagte Julia Joachim. Außerdem hätten sich viele auf ein Wiedersehen gefreut. Es habe während des Einsatzes einen enormen Zusammenhalt gegeben. Freundschaften und Kontakte seien entstanden, so Joachim. 

Einige Studenten und Rentner wollen im nächsten Jahr wieder helfen.Nicht nur die Helfer waren zum Erntestart zu Gast bei der Hoob in Schrebitz. Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Bündnis 90/Die Grünen) eröffnete im Betrieb die Hopfenernte in Sachsen.

„Zum Helferfest haben wir Führungen angeboten und es gab eine kleine Feier als Dankeschön“, sagte Julia Joachim. Sie und ihre Eltern sind froh, dass sie die Bierretter gesucht und gefunden haben, auch wenn es für sie ein bürokratischer Kraftakt war. „Wir sind glücklich, so viel Solidarität erfahren zu haben. Der Einsatz der Leute aus der Region hat die Ernte gerettet“, sagte die ehemalige Hopfenkönigin.

Viele Aufgaben erledigen Maschinen

Aus den Erfahrungen im Frühjahr habe man gelernt. Deshalb hat sich Familie Joachim frühzeitig um die Helfer für die Ernte gekümmert. Nun stehen ihnen 15 Saisonkräfte aus Polen und Rumänien zur Seite, die bis Ende September rund um die Uhr den Hopfen ernten.

 „Wir haben auch für die Ernte nur ein enges Zeitfenster von fünf Wochen zur Verfügung. Dann ist der Reifezeitraum überschritten, die Dolden werden braun und verlieren die Inhaltsstoffe, die zum Bierbrauen benötigt werden“, sagte Joachim. In der Nacht werde auf den vom Dorf abgewandten Feldern gearbeitet, damit die Anwohner so wenig wie möglich gestört werden.

Viele Aufgaben bei der Ernte erledigen Maschinen. „Die Reben werden mit einem Schnittgerät unten abgeschnitten, an einer Kette nach oben gezogen und abgerissen. Die Reben fallen dann nach unten auf einen Hänger“, erklärte die Schrebitzerin. Dann werden die Reben zur stationären Pflückmaschine am Stammsitz der Hoob gebracht. Die moderne Maschine, die ebenfalls rund um die Uhr im Einsatz ist, pflückt in einer Stunde von 1.500 Reben die Dolden. 

Ernteergebnis in Schrebitz bisher ernüchternd

Anschließend kommen diese auf einen dreistöckigen Bandtrockner mit insgesamt 54 Quadratmetern Trockenfläche und einer Temperatur von 68 Grad. Mehr darf es nicht sein, damit die ätherischen Öle der Dolden nicht verloren gehen. 

Die Dolden haben nach etwa sechs Stunden eine Restfeuchte von zehn Prozent. Nach drei Stunden Ruhe werden sie zum Schluss in 60-Kilo-Säcke gepresst. Diese werden versiegelt und mit einer siebenstelligen Nummer versehen. „Wir stellen deutschen Siegelhopfen her. Da muss alles nachvollziehbar sein“, sagte Julia Joachim.

Mit der Qualität des Hopfens ist sie zufrieden. „Die Dolden sind mit dem Bitterstoff und Aromen gut gefüllt. Ein endgültiges Ergebnis liefert ein Labor. Allerdings hat der Hopfen wenig Gewicht. Und gewogen wird im Sack, sagen die Hopfenbauern“, so die ehemalige Hopfenkönigin. 

Sie rechnet damit, dass es eher ein unterdurchschnittliches Ernteergebnis eingefahren wird. Die Prognosen, die von einer sehr guten Ernte ausgingen, werden voraussichtlich nicht erreicht. „Wir ernten seit zwölf Tagen. Vielleicht gibt es ja auch noch eine Überraschung“, sagte Julia Joachim.

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Als Besonderheit soll es eine Hobbybrauer-Meisterschaft geben. Die Laien erhalten Elbe-Saale-Hopfen und sollen im Vorfeld der Braukunst-Regio ein Bier brauen. Das wird dann von einer Jury verkostet. Vom Gewinnerbier werden 900 Liter in einer professionellen Brauerei hergestellt, abgefüllt und gehen in den Verkauf.

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