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Wenn die Leistung für die E-Autos fehlt

Die Firma Gemeinhardt im Roßweiner Gewerbegebiet will in Elektromobilität investieren. Doch fürs Laden der Fahrzeuge, fehlt die nötige Stromleitung.

Walter Stuber und Dirk Eckart (von links) sind Geschäftsführer der Firma Gemeinhardt in Roßwein. Sie wollen ihren kompletten Fuhrpark mithilfe von Autohändler Sören Grübsch (hinten) in die Elektromobilität bringen.
Walter Stuber und Dirk Eckart (von links) sind Geschäftsführer der Firma Gemeinhardt in Roßwein. Sie wollen ihren kompletten Fuhrpark mithilfe von Autohändler Sören Grübsch (hinten) in die Elektromobilität bringen. © Lars Halbauer

Roßwein. Zwei Elektroautos stehen bereits auf dem Gelände der Firma Gemeinhardt im Roßweiner Gewerbegebiet. Sie sind zwei von acht, die in den kommenden zwei Jahren gekauft werden sollen. Die Geschäftsführer Walter Stuber und Dirk Eckart haben sich vorgenommen, den gesamten Fuhrpark ihrer Spezialgerüstebau-Firma auf die neue Antriebstechnik umzustellen. Sie wollen grüner sein und etwas für die Umwelt tun, so sagen sie. Doch eines ärgert die beiden Geschäftsmänner massiv: Sie bekommen wenig Unterstützung bei ihrem Vorhaben.

Die Firma ist in ganz Deutschland unterwegs, hat ihren Hauptstandort in Sachsen, und auch die Außenstelle in Roßwein ist eine mit zahlreichen Mitarbeitern. Und genau diese fahren auch viel mit Auto und Laster durch die Region. „Da kommen schon einige Kilometer in der Woche zusammen“, sagt Dirk Eckart. „Deshalb haben wir uns im vergangenen Jahr entschlossen, umzusteigen und unseren Mitarbeitern künftig mit E-Autos auf die Strecke zu schicken.“

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Nicht nur die Autos sollen gewechselt werden, auch zwei Lkw stehen auf der Liste. Bei Daimler-Benz habe sich die Firma bereits Angebote für die Laster eingeholt. Auch die Autos stehen bereits in einem Autohaus in Taucha in den Startlöchern.

Mehr Stromleistung für Roßweiner Firma gibt es nicht

Einen Anfang haben die beiden Geschäftsführer gemacht: Ladesäulen wurden gekauft und im Dezember endlich aufgestellt. Doch ein Problem bleibt: Die Stromleitung im Gewerbegebiet in Roßwein ist einfach zu schwach. „Wir haben ein Bürokomplex, eine große Maschine, die unsere Gerüste säubert und noch einen Container zur Besprechung“, erklärt Eckart. „Die Leitung reicht gerade so, um das alles in Betrieb zu halten.“

Kurzerhand entschied sich die Firma, ein Dieselaggregat zu kaufen, um zumindest in der Überbrückungszeit nicht mit schwacher Batterie fahren zu müssen. „Eine absolute Notlösung für begrenzte Zeit“, betont Dirk Eckart.

Ein Fahrzeug benötige nach Aussagen von Autohändler Sören Grübsch bei der aktuellen Leistung von elf Kilowattstunden pro Pkw etwa sechs Stunden, um vollständig geladen zu werden. Bei noch weniger Leistung würde die Ladezeit auf etwa das Doppelte steigen.

Da die derzeitige Stromleitung es nicht zulässt, dass Elektroautos auf dem Betriebsgelände geladen werden, hat die Firma kurzerhand ein Diesel-Aggregat gekauft, um die ersten beiden E-Autos zu laden.
Da die derzeitige Stromleitung es nicht zulässt, dass Elektroautos auf dem Betriebsgelände geladen werden, hat die Firma kurzerhand ein Diesel-Aggregat gekauft, um die ersten beiden E-Autos zu laden. © Lars Halbauer

Trotz der Einschränkungen will die Firma den neuen Weg weitergehen. „Wir haben uns mit den zuständigen Gesellschaften und Behörden auseinandergesetzt, um die nötige Infrastruktur zu erhalten“, so der Geschäftsführer Walter Stuber. „Doch es ist einfach kein Weg drin.“

Zwar habe sich die zuständige Stromgesellschaft Mitnetz bereiterklärt, die Kosten für eine neue Leitung zu tragen, doch das Aufschachten der Straße und das Errichten einer neuen Trafostation müsste die Firma selbst übernehmen. „Das sind 100.000 Euro. Die wollen wir nicht zusätzlich zu den Fahrzeugen und den Ladesäulen auf dem Grundstück auch noch investieren“, erklärt Stuber.

Ihm zufolge gehört Strom zur Grundversorgung, die „nicht von Unternehmen geleistet werden muss“. Auch auf Förderungen von kommunaler oder Landesebene können sie nicht hoffen. Stuber zufolge sei hierfür meist notwendig, dass die Firma einen Großteil ihres Umsatzes in Sachsen macht. Das sei bei Gemeinhardt Service jedoch bislang nicht der Fall.

Mitnetz will mit Elektrofirma und Kunden sprechen

Unverständnis herrscht auch bei Roßweins Bürgermeister Veit Lindner (SPD). Er kann die Absage des Stromversorgers nicht nachvollziehen. „Wie kann Mitnetz da die Hände heben und sagen, sie wollen nicht? Das sind doch letztendlich auch Stromkunden, die Energie weiter beziehen wollen“, sagt er. Vor allem in einem Gewerbegebiet müsse es doch möglich sein, so ein Projekt zu realisieren.

„Wir reden ja hier noch nicht von der ganzen Stadt. Das muss ja früher oder später auch noch kommen“, , meint der Bürgermeister. Die Stadtverwaltung an sich kann bei der Stromleitung jedoch nichts tun, auch Förderungen sind Veit Lindner zufolge nur bei Neuansiedlungen von Unternehmen und unter strengen Voraussetzungen möglich.

Die Mitnetz Strom als örtlicher Stromversorger ist der Fall bekannt und teilt auf Anfrage mit: „Grundsätzlich begrüßt die Mitnetz Strom den Ausbau der Elektromobilität. Die Firma Gemeinhardt verfügt über einen Niederspannungsanschluss, welcher an das Stromnetz der Mitnetz Strom angeschlossen ist. Vor Ort kann es demnach sein, dass die Leistung für den Fuhrpark wie von Ihnen beschrieben nicht ausreicht.“

© dpa/Karl-Josef Hildebrand (Symbolbild)

Außerdem wolle der Versorger nach Angaben von Pressesprecherin Evelyn Zaruba das Gespräch mit der zuständigen Elektrofirma suchen. „Zudem nehmen wir mit dem Kunden Kontakt auf, um gemeinsam eine Lösung zu finden.“

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Dirk Eckart und Walter Stuber hoffen nun auf eine Lösung. Sollte es in Roßwein zu einer Einigung kommen, seien die Unternehmer bereit, bis zu 20 Prozent der Kosten für die Erneuerung der Leitungen zu tragen.

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