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Roßweiner Haustechniker fehlt der Nachwuchs

Corona ist die jüngste, aber längst nicht die einzige Herausforderung für Handwerksbetriebe. Einen Roßweiner vertritt Dieter Schulze seit 30 Jahren.

Gerd Finsterbusch und seine Kollegen von der Haustechnik Roßwein GmbH haben Am Hange in Döbeln in nagelneue Wohnungen Heizungs- und Sanitärtechnik installiert. Die Firma gibt es jetzt seit 30 Jahren.
Gerd Finsterbusch und seine Kollegen von der Haustechnik Roßwein GmbH haben Am Hange in Döbeln in nagelneue Wohnungen Heizungs- und Sanitärtechnik installiert. Die Firma gibt es jetzt seit 30 Jahren. © Dietmar Thomas

Roßwein. Wer mit kaltem Wasser duschen muss, weil die Heizung ausfällt, freut sich, wenn der Monteur an der Wohnungstür klingelt. Was im Moment noch relativ selbstverständlich ist und in überschaubarem Zeitfenster klappt, könnte in Zukunft einem Fünfer im Lotto gleichen: dass der Handwerker bei Problemen schnell da ist.

Seit 30 Jahren ist Dieter Schulze Gesellschafter der HSG Haustechnik Roßwein GmbH. Er selbst hat Heizungsmonteur bei einem alteingesessenen Handwerksbetrieb in Waldheim gelernt, ehe er im Roßweiner Schmiedewerk dafür sorgte, dass in dem Großbetrieb in puncto Ver- und Entsorgung alles klappt.

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Nach der Wende war er einer der Gründer und Gesellschafter des Handwerksbetriebes, zunächst mit Sitz in Gleisberg, jetzt in Haßlau. Inzwischen trägt der 67-Jährige allein die Verantwortung für derzeit zehn Mitarbeiter. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht.

Interessanter und vielseitiger Beruf

Ändern kann Dieter Schulze das genauso wenig wie die Tatsache, dass sich kaum ein Jugendlicher mehr im Bereich Heizung, Sanitär und Lüftung ausbilden lassen will. „Wie haben viele Jahre kontinuierlich ausgebildet“, erzählt der Geschäftsführer. In der jüngsten Vergangenheit hätten sich allerdings keine Auszubildenden mehr gefunden.

Wenn er mit Kollegen seiner Branche spreche, dann hätten viele ähnliche Probleme mit dem Nachwuchs, überhaupt, Leute zu finden. „Dabei ist unser Beruf so vielfältig“, schwärmt Schulze beinahe. „Wir arbeiten mit so vielen Werkstoffen, sind unter Leuten und haben immer neue Aufgaben zu bewältigen.“

Dieses Arbeiten mit verschiedenen Materialien wie Edelstahl, Keramik, Kupfer, Zink oder Plastik ist im Moment womöglich ein Fakt, der den Handwerkern zugutekommt. Materialknappheit wie in der Holzbranche zeichnet sich in der Haustechnik derzeit noch nicht so akut ab. „Lange Lieferzeiten gibt es im Moment aber auch bei uns bisweilen. Ein anderes Problem sind Tagespreisbindungen, die ein Kalkulieren und verbindliche Angebote mehr als schwierig machen“, berichtet der Unternehmer.

Gut für die Natur und gut für die Familie

Über die Corona-Zeit sei der Betrieb bislang eigentlich gut gekommen. Ein Mitarbeiter sei wegen des Virus ausgefallen, habe teilweise noch immer Probleme. Trotzdem konnten die Aufträge abgearbeitet werden, die Bücher sind – wie bei nahezu allen Handwerkern – gut gefüllt. Auch deshalb wünscht sich Dieter Schulze, Verstärkung beziehungsweise Verjüngung für das Team.

Weshalb der Nachwuchs von dem Beruf nur schwer zu begeistern ist, das kann er sich nicht wirklich erklären. Zu seinen Lehrzeiten vor etwa 50 Jahren sei es schwerpunktmäßig um Schwerkraftheizungen gegangen. Davon könne heute längst keine Rede mehr sein. Heizmöglichkeiten gebe es unzählige, auch solche, die gut fürs Klima sind. Und so installieren die Handwerker zum Beispiel Solaranlagen zur Heizungsunterstützung, rüsten alte Ölheizungen auf Flüssiggas um und installieren Brennwertheizungen.

Aufträge übernimmt die Firma hauptsächlich sachsenweit. In die alten Bundesländer fahren die Handwerker im Gegensatz zu den Anfangszeiten so gut wie gar nicht mehr. Dass die HSG-Mitarbeiter dadurch jeden Abend zuhause sind, kommt auch den Familien zugute.

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