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Dohna macht Pausenbrot zur Pflicht

Die Vesperversorgung in der Kita können Eltern seit diesem Jahr nicht mehr abbestellen. An der Rechtmäßigkeit gibt es Zweifel.

© Archivfoto: Katja Frohberg

Von Heike Sabel

Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Dohna. Den Dohnaern sind ihre Kinder lieb – und jetzt noch teurer. Seit Januar kostet das Vesper-Angebot in den Kindergärten mehr, seit Februar auch das Mittagessen. Doch nicht nur das. Bei der Vesper haben Eltern keine Möglichkeit mehr, den nachmittäglichen Snack abzubestellen. Eine Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, hat nachgerechnet und meldet Zweifel an.

Was bezahlt eine Familie fürs Kita-Essen in Dohna?
Bisher waren es sieben Euro pro Kind für die Vesper und rund 40 Euro fürs Mittagessen im Monat, also 47 Euro. Nun sind es 17,40 Euro für Vormittags- und Nachmittagsversorgung und rund 60 Euro fürs Mittagessen, also insgesamt 77,40 Euro monatlich – rund 30 Euro mehr als bisher.

Nächstes Jahr senkt Dohna den Vesper-Zuschuss. Dann wird es für die Eltern noch mal teurer: Für den Vormittags-Imbiss allein werden 11,62 Euro fällig, für Vormittags- und Nachmittagsversorgung zusammen 21,75 Euro. Wer sein Kind nur 4,5 Stunden in die Kita gibt, zahlt lediglich die Vormittagsversorgung. Auch bei sechs Stunden kann die geringere Summe beantragt werden.

Warum kann die Vesper nicht abbestellt werden?
Während praktisch alle Kita-Kinder das Mittagessen-Angebot nutzen, handhaben es die Eltern bei Frühstück und Nachmittags-Snack ganz unterschiedlich. Manche Kinder frühstücken zu Hause, manche bekommen für den Nachmittags-Imbiss eine kleine Brotdose von den Eltern mit. Andere Familien wiederum nehmen das Angebot kita-eigener Vollverpflegung gern an. Für Essensanbieter bzw. Kita-Träger sind diese unterschiedlichen Vorlieben mit einem gewissen Abrechnungsaufwand und Unwägbarkeiten bei der Essensplanung verbunden. Auch, weil Familien die Essensversorgung üblicherweise jederzeit abbestellen können für Tage, an denen das Kind die Kita nicht besucht, weil es z.B. krank ist.

Um die Sache einfacher und planbarer zu machen, hat Dohna nun eine ungewöhnliche Festlegung getroffen. Die Stadt setzt bezüglich der Frühstücks- und Vesper-Versorgung für jedes betreute Kind pauschal eine Kita-Anwesenheit von 220 Tagen im Jahr an. Dabei sind sechs Wochen Urlaub und vier Wochen Krankheit berücksichtigt. Für die 220 Tage ist Vespergeld zu bezahlen, egal ob ein Kind tatsächlich mehr oder weniger Tage in der Kita ist. Der Stadtrat hat dieses neue Modell beschlossen, Elternräte und Kitaleitungen stimmten zu. Dohna sieht in der Zwangsversorgung einen weiteren Vorteil: Man wolle Markenhascherei – wer hat was in der Brotbüchse – entgegenwirken und die gesunde Ernährung bei den Steppkes fördern.

Beim Mittagessen, das von externen Anbietern geliefert wird, bleibt die bisherige Regelung unangetastet. Es kann weiterhin taggenau abbestellt werden.

Finanziert das höhere Vespergeld eine zusätzliche Stelle im Rathaus?
Das ist ein Gerücht, sagt Bürgermeister Ralf Müller (CDU) zur Vermutung von Eltern. Würde die Vesper taggenau abgerechnet, wäre eine halbe Stelle zusätzlich erforderlich, die wiederum als Teil der Betriebskosten auf die Eltern umzulegen wäre. Müller macht die Erhöhung der Kosten den Eltern schmackhaft: Durch die Trennung von Betreuungs- und Verpflegungskosten sinken die Betriebskosten 2018, was 2019 zu einer Senkung der Kitagebühren führen könnte –  je nachdem, wie sich der höhere Betreuungsschlüssel auswirkt. 2019 steigen aber auch die Vesperkosten noch einmal, sodass von einer Senkung womöglich nicht viel übrig bleibt.

Ist die Dohnaer Vesper-Regelung überhaupt rechtens?
Normalerweise gilt beim Kita- und Schulessen: Man bezahlt das, was man bestellt. Daher hat das Landratsamt Pirna nun Bedenken gegen die Dohnaer Regelung angemeldet. Mahlzeiten können nur dann in Rechnung gestellt werden, wenn das Kind tatsächlich in der Kita anwesend war und die Mahlzeiten eingenommen hat bzw. wenn das Kind nicht rechtzeitig entschuldigt worden ist, heißt es aus dem Landratsamt auf SZ-Anfrage. „Potenzielle bzw. fiktive Krankentage eines Kindes können nicht pauschal in die Kalkulation einfließen“, sagt Christina Hildebrand, Leiterin des Referats Besondere Soziale Dienste im Landratsamt. Sind Eltern mit der Verfahrensweise in der Kita nicht einverstanden, sollte mit Elternrat, Stadt und Kita-Leitung eine einvernehmliche Lösung gefunden werden. Das Landratsamt stehe für Fragen zur Verfügung.

Wie machen es andere?
Drei Beispiele: Im evangelischen Kinderhaus Pirna bekommen alle von der hauseigenen Küche das gleiche Vesper. Eigenes ist nicht erwünscht. Abmeldungen sind bis 8 Uhr möglich, bei Krankheit auch später. Die Vesper kostet am Tag 40 Cent, das Mittagessen 3,70 Euro.

In den Pirnaer Lebenshilfe-Einrichtungen können Eltern das Vesper über den Essenanbieter bestellen. Das nutzen die meisten. Eltern können aber auch etwas von zu Hause mitgeben. Das Mittagessen in der Krippe kostet 2,50 Euro, die Vesper 50 Cent. Im Kindergarten und Hort sind es 2,70 Euro und 55 Cent. Abbestellungen sind am Tag bis 7.30 Uhr möglich.

In Heidenau ist die Vesper-Versorgung abhängig vom Essenanbieter. Gehört es zum Angebot, ist die Eigenversorgung nur ausnahmsweise möglich. Das Mittag kostet zwischen 2,45 und 3,19 Euro, die Vesper zwischen 60 und 85 Cent am Tag. Auch hier sind Abbestellungen wegen Krankheit und Urlaub taggenau möglich.