Teilen:

Dresden bewirbt sich als Kulturhauptstadt

© dpa

Wichtige Institutionen haben bereits ihre Mitarbeit erklärt. Doch auch die Meinung der Bürger ist gefragt.

Von Juliane Richter

Für Felicitas Loewe, die Intendantin des Theaters Junge Generation, bietet Dresden eine unglaubliche Vielfalt an Kultur. Deshalb sei es nur folgerichtig, dass sich die Stadt um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2025“ bewerben will. „Es geht nicht nur um das, was wir schon haben, sondern auch darum, dass eine Bewerbung die positive Entwicklung der Kultur weiter befördern kann“, sagt Loewe.

Intendantin Felicitas Loewe erlebt Dresden als facettenreiche Kulturstadt. Dazu gehört auch ihr „Theater Junge Generation“, in dem die Jugendlichen der Theaterakademie derzeit das Stück „Selbstbaukasten“ proben. Loewe plädiert als Sprecherin der Intendant © Sven Ellger

Ohne zu zögern, ist die Intendantin deshalb einem Initiativkreis beigetreten, den Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) ins Leben gerufen und gestern vorgestellt hat. Wichtige Personen der Dresdner Kulturszene wollen dabei gemeinsam ein Konzept für die Bewerbung als Kulturhauptstadt erarbeiten. Laut Orosz muss diese bis 2019 eingereicht werden.

Neben Felicitas Loewe engagieren sich auch Jason Beechey, Rektor der Palucca Schule, Chefdirigent Christian Thielemann sowie Hartwig Fischer, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen, in dem Kreis. Überraschend ist auch der Rektor der Technischen Universität Dresden, Hans Müller-Steinhagen, mit an Bord. Oberbürgermeisterin Orosz hat ihn gezielt angefragt, weil sie den Kulturbegriff weitreichender definieren möchte. „Es ist ein lohnendes Ziel, über eine Bewerbung im Kontext von Kultur und Wissenschaft nachzudenken“, sagt Orosz. Als Argumente führt sie den Titel Exzellenz-Universität an, verweist auf die große Dichte an Forschungseinrichtungen in der Stadt und damit einhergehend auf die wachsende Internationalität und kulturelle Vielfalt, die mit den Forschern aus aller Welt Einzug hält.

Orosz ist sich bewusst, dass diese Argumentation in Zeiten wöchentlicher Pegida-Demonstrationen für Aufsehen sorgen kann. „Aber es kann doch nicht sein, dass diese Bewegung dazu führt, dass wir erstarren in dieser Stadt“, sagt Orosz. Sie möchte mit dem Anstoß zur Bewerbung als Kulturhauptstadt ein zusätzliches Signal senden, dass Dresden für mehr steht als Pegida und eine weltoffene Stadt ist.

Mehrere Millionen Euro Kosten

Bis Ende nächsten Jahres soll die Struktur der Bewerbung feststehen und mit Substanz gefüllt sein. Bis dahin wünscht sich Orosz, dass sich die Dresdner Bürger in die Debatte zum Thema einbringen. Sie wolle nicht, dass die Bewerbung einfach von der Stadtverwaltung im stillen Kämmerlein erarbeitet wird. Vielmehr solle die Bewerbung „von einer breiten Bürgerschaft getragen werden“.

Ganz konkret soll die Debatte mithilfe der Initiativkreis-Mitglieder angestoßen werden. Auf die Frage, wie Orosz dann die normalen Bürger erreichen möchte, die nicht zu den bekannten Meinungsführern zählen, bleibt sie eine konkrete Antwort schuldig. Ebenso offen bleibt, welche Kosten mit einer Bewerbung und im Anschluss mit dem Titel der Kulturhauptstadt verbunden sind. Kulturamtsleiter Manfred Wiemer hatte bereits im Sommer gesagt, dass die bisherigen Kulturstädte jeweils zwischen 60 und 90 Millionen Euro investiert haben. Abzüglich Fördermitteln müsse die Stadt mindestens mit Kosten von 20 Millionen Euro rechnen. Ob Dresden eine Chance auf den Titel hat, hängt auch von den Konkurrenten ab. Magdeburg und Mannheim haben wohl bereits ihr Interesse bekundet, und auch Leipzig denkt über eine Bewerbung nach.

Helma Orosz, die ihre Amtszeit im Februar frühzeitig beendet, will die Bewerbung Dresdens als Kulturhauptstadt auch danach noch tatkräftig unterstützen. „Dass ich zurücktrete, heißt ja nicht, dass ich die Hände in den Schoß lege und mir den Bauch braun brennen lasse.“ Überall dort, wo sie mitwirken und Dresden helfen könne, wolle sie in Debatten weiterhin ihren Beitrag leisten.