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Dresden boomt: Wer gewinnt?

Zuzügler aus der Landeshauptstadt machen Umlandgemeinden jünger. Rammenau und Großharthau profitieren davon.

© dpa

Von Dominique Bielmeier, Tobias Winzer & Frank Oehl

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Bischofswerda. Die Landeshauptstadt zieht. Das zeigt die neueste Bevölkerungsprognose: Rund 582 600 Einwohner soll Dresden demnach im Jahr 2030 haben. Ende 2015 lag die Zahl noch bei knapp 544 000. Eine Entwicklung, von der auch das Umland profitieren dürfte. In Dresden arbeiten, in dessen Speckgürtel wohnen – das hat etwas. Die SZ fasst die wichtigsten Tendenzen zusammen:

Die Zahlen: Auswirkungen bis in den Raum Bischofswerda

Radeberg, Heidenau, Bannewitz, Freital, Wilsdruff, Weinböhla und Radebeul – so heißen zurzeit die größten Gewinner, was Zuzüge aus Dresden in den Speckgürtel betrifft. Wobei Radebeul den Vogel abschießt. Berechnet man alle Umzüge zwischen Radebeul und Dresden zwischen Mitte 2014 und Mitte 2017, ergibt sich in nur drei Jahren ein Plus von 923 Menschen – Spitzenwert aller Umlandgemeinden. Auf Platz zwei landet Freital mit 601 Menschen. Aber auch Landgemeinden, wie das verkehrstechnisch gut angebundene Großharthau und das attraktive Rammenau zählen zu Gewinnern. Bis nach Bischofswerda wirkt sich dieser Trend (bislang noch) nicht aus. Sie Stadt verliert in der Summe noch immer mehr Einwohner an Dresden, als sie gewinnt. Das Gleiche gilt für Neukirch.

Die Gründe: Bezahlbare Mieten und freie Wohnungen

Von Sommer 2016 bis Sommer 2017 sind nach Angaben der Stadt Dresden gut 1 000 Menschen mehr ins Umland gezogen, als in die Landeshauptstadt kamen. „Das betrifft vor allem Familien mit Kindern“, heißt es im Dresdner Rathaus. Ein Grund: In Dresden ist es schon jetzt schwierig, kleinere Wohnungen für Singles und größere für Familien zu finden. Für etwa jeden Fünften sind günstigere Mieten ausschlaggebend für einen Umzug, wie aus der letzten Bürgerumfrage hervorgeht. Außerdem sind der Wunsch nach mehr Ruhe und Naturnähe Gründe für den Wegzug. Im Umfeld der Landeshauptstadt gebe es einen hohen Anteil an Mietwohnungen, weshalb der Fortzug wohl weniger mit Eigentumsbildung als mit der Verfügbarkeit preiswerter Wohnungen zu tun habe.

Doch auch preisgünstiges Bauland spielt eine Rolle. Darauf setzt zum Beispiel die Gemeinde Großharthau, indem sie schon den nächsten Eigenheimstandort vorbereitet. Aktuell zahlt man in der Gemeinde zwischen 65 und 75 Euro pro Quadratmeter erschlossenen Baulandes. Das ist mehr als in Bischofswerda, aber deutlich weniger als in Stolpen oder Radeberg.

Die Folgen I: Auch die Bevölkerung im Speckgürtel schrumpft weiter

Die statistische Bevölkerungsvorausberechnung für die Dresdner Umlandkreise sieht weiteren Bevölkerungsrückgang voraus, wenn auch wohl mehr die moderatere Variante 1 zum Tragen kommen könnte. Im Kreis Meißen wäre das ein Rückgang bis 2030 um etwa 5000 Menschen, im Landkreis Sächsische Schweiz/Ostererzgebirge um etwa 3000 Menschen. Für den Landkreis Bautzen sind in der positiven Variante Verluste von etwa 20 000 Menschen berechnet worden, in der ungünstigen sogar von 35 000 Einwohnern. All dies ist abhängig von Faktoren wie Geburtenhäufigkeit und Wanderungsbewegungen im Bundesgebiet und auch aus dem Ausland hierher.

Die Folgen II: Steigende Nachfrage nach Kitaplätzen


Der Zuzug junger Familien wird sich auch bei der Nachfrage nach Kita-Plätzen bemerkbar machen. Laut Kita-Gesetz haben alle Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens. In Radebeul, der Lieblingsstadt der Dresden-Überläufer, gibt es bereits 30 (!) Einrichtungen für mehr als 3 000 Kinder. Die wenigen freien Plätze zeigt die Stadt auf ihrer Internetseite an. Auch in Meißen sind neue Kitas im Bau. In Kamenz hat sich die Stadt den ersten Hort-Kita-Neubau seit der Wende vorgenommen. Und in Bischofswerda beginnt in diesem Frühjahr der Bau eines neuen Kinderzentrums. Gut auch für potenzielle Zuzügler aus Dresden. Wenn der demografische Saldo auch in Bischofswerda umschlagen sollte.