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„Dresden immer eine Option“

© Ronald Bonß

Marcel Franke lässt sich erneut ausleihen, aber nicht zu Dynamo. Der Verteidiger spielt nächste Saison in Darmstadt – und will etwas klarstellen.

Von Sven Geisler

Diese Nachricht kommt überraschend und sorgt unter den Dynamo-Fans für einige Aufregung: Darmstadt 98 leiht Marcel Franke vom englischen Zweitligisten Norwich City aus und sichert sich eine Kaufoption für den Verteidiger. Dabei hatte der Dresdner Junge zuletzt wieder bei seinem Heimatverein gespielt, war in der Rückrunde der Vorsaison ebenfalls als Leihgabe nach Hause zurückgekehrt. Nun geht er zu einem Ligakonkurrenten und viele fragen sich: Warum?

Marcel Franke, wie kommt es, dass Sie sich nach Darmstadt ausleihen lassen?

Ich hatte mit Trainer Dirk Schuster nach der Saison Kontakt, wir haben uns in Darmstadt getroffen zum Kennenlernen. Das hat gepasst. Auch in den Verhandlungen mit Norwich hat Darmstadt gezeigt, dass sie mich unbedingt haben wollten.

Hätten Sie dann nicht auch bei Dynamo bleiben können?

Diese Option gab es für mich immer, das hatte ich Kristian Walter (Interimssportchef/d. A.) auch eindeutig signalisiert. Er meinte, dass sie es sich vorstellen könnten, es aber ein ziemlich teures Paket sei. Nach dem letzten Spiel sind wir so auseinandergegangen, dass wir noch mal einen Kaffee trinken gehen, um mal darüber zu quatschen. Ich war noch anderthalb Wochen in Dresden, habe meine Hochzeit gefeiert. Leider habe ich danach nie wieder etwas von ihm gehört. Natürlich habe ich mitbekommen, dass Dynamo einen anderen Innenverteidiger verpflichtet hat. Deshalb war mir klar, dass ich keine Rolle spiele.

Es gab also keinen Versuch, Sie bei Dynamo zu behalten?

Es wird dafür sicher Gründe geben, das akzeptiere ich. Es war eben anders als ein halbes Jahr zuvor, als sich Ralf Minge tausendmal bei mir gemeldet und wirklich alles versucht hat.

Wären Sie denn bereit gewesen, finanzielle Zugeständnisse zu machen?

Mir geht es darum, Fußball zu spielen. Das konnte ich in dem halben Jahr bei Dynamo. Ich wäre sicher nicht ins Gespräch gegangen und hätte gefragt, wie es finanziell aussieht. Ich will wissen, wie der Verein, der Trainer mit mir plant. Aber es kam nichts, also habe ich mit dem Gedanken abgeschlossen und andere Optionen gesucht.

Eigentlich wollten Sie in Norwich neu angreifen. Was ist passiert?

Die Verantwortlichen haben meinem Berater angedeutet, dass es für mich schwer werden könnte, in der nächsten Saison regelmäßig zu spielen, und gefragt, ob man eine Lösung finden könnte. Dynamo war da schon raus. Ich bin überzeugt, dass Darmstadt der richtige Schritt für mich ist. Mit dem Konzept, das mir aufgezeigt wurde, konnte ich mich sofort identifizieren.

Mit Darmstadt kehren Sie nach Dresden zurück – mit welchen Gedanken?

Ich freue mich natürlich einerseits, wieder in dem Stadion zu spielen. Andererseits habe ich jetzt einige Reaktionen bekommen, als hätte ich Dynamo dreimal abgesagt oder sie hätten mir zu wenig Geld geboten, ich sei ein Söldner, meinen einige. Deswegen ist es mir wichtig, das klarzustellen.

Wie gehen Sie mit den Vorwürfen um?

Unabhängig davon, dass ich froh und glücklich bin, in Darmstadt zu sein: Dynamo ist ein Verein, der immer in meinem Herzen bleibt. Deshalb war ich sofort Feuer und Flamme, als sich Ralf Minge im Herbst 2017 bei mir gemeldet hat, ohne über andere Vereine nachzudenken. Ich habe vielleicht noch zehn Jahre zu spielen, da wird Dresden immer eine Option sein. Das ist meine Heimat. Deswegen tut es weh, solche Nachrichten zu kriegen.

Dynamo spielt in der ersten Runde des DFB-Pokals am Sonnabend, 18. August, 15.30 Uhr in Rödinghausen.