Merken

Dresden wirbt Großenhain die Flugzeuge ab

Die Landeshauptstadt hat jetzt einen Hangar für kleine Flieger. Und Großenhain das Nachsehen?

Teilen
Folgen

Von Birgit Ulbricht

Auf dem Flughafen Dresden steht ab Freitag ein neuer Hangar für Kleinflugzeuge. Seit Juni wurden mehr als sechs Millionen Euro in neue Stell- und Wartungsflächen investiert, sagte ein Flughafensprecher jetzt der Nachrichtenagentur dapd. Die neue Halle verfügt über einen Drehteller, der das Rangieren erleichtert. Ein bis zwei Personen können Flugzeuge in Handarbeit verschieben. Insgesamt bietet die neue Halle Platz für 14 Maschinen.

Kleinflugzeuge bringen Umsatz

Der Flughafen Dresden bietet Platz für 30 Privat- und Geschäftsflugzeuge. Zum Vergleich: In Großenhain stehen zwölf Maschinen. „Diese Branche ist ein Wachstumsmarkt“, sagte Flughafenchef Michael Hupe. Machten die Kleinflugzeuge 2007 noch ein Viertel der Flugbewegungen in Dresden aus, war es vergangenes Jahr ein Drittel. 9.000 Mal starteten und landeten Kleinflugzeuge 2010 in Dresden. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden bereits 5.000 Flugbewegungen gezählt. Etwa 20 Kleinflugzeuge, darunter zwei Businessjets regionaler Unternehmen und vier Maschinen einer Flugschule, sind fest in Dresden stationiert. Letztere war früher in Großenhain. Die Flugschule „August der Starke“ von Ralf Kruse verließ 2003 Großenhain. Michael Kilian, damaliger Betreiber und Mehrheitsgesellschafter hatte Ralf Kruse gekündigt. Dabei hatte der junge Kilian selbst bei Kruse fliegen gelernt. Hintergrund des Zerwürfnisses waren Vorwürfe von Sicherheitsmängeln. Später firmierte die Kilian Air zur Sachsenflug GmbH um, der junge Kilian verschwand. Sein Vater Dr. Andreas Kilian übernahm.

Großenhainer Image beschädigt

Doch es dauerte nicht lange, da wurde publik, dass die Sachsenflug Rundflüge verkaufte, die sie gar nicht absolvierte. Die Pleite kam, und die Betroffenen schlossen sich auf einer eigenen Homepage im Internet zusammen, um gegen den Betrug vorzugehen. Unzählige Anzeigen liegen seitdem bei der Staatsanwaltschaft. Das alles hat dem Ruf des Großenhainer Flugplatzes natürlich nicht gut getan.

Ralf Kruse, der wegen des Flugplatzes sogar nach Lampertswalde gezogen war, betreibt heute in Dresden mit anderen Flugsimulatoren und bietet dort seine Rundflüge an. Die Bedingungen sind top, sagt Kruse. Eine Rückkehr nach Großenhain hält er für ausgeschlossen. Den Platz in Großenhain hin und wieder anzufliegen und unter dem neuen Betreiber Holger Faulhaber weiterzuempfehlen – das sei dagegen schon denkbar. „Ich hoffe, dass Traditionsflugplätze wie Großenhain eine Chance haben.“