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Corona: Klappt der Einkauf mit Rollator?

Seit Montag muss wieder ein Einkaufswagen genommen werden, doch nicht jeder kann das. Im Frühjahr musste eine ältere Dame deshalb wieder gehen.

Immer mehr ältere Menschen sind auf den Rollator angewiesen. Deshalb dürfen sie nicht diskriminiert werden.
Immer mehr ältere Menschen sind auf den Rollator angewiesen. Deshalb dürfen sie nicht diskriminiert werden. © dpa

Dresden. Sie erinnert sich noch genau an den Tag im Frühjahr, als sie in einem Supermarkt im Zentrum einkaufe wollte. Weil sie auf den Rollator angewiesen ist, konnte die ältere Dame keinen Wagen nehmen. Am Eingang wurde sie jedoch rüde auf die Wagenpflicht hingewiesen. Entweder sie halte sich daran oder sie könne wieder gehen, sagt der Sicherheitsmitarbeiter. Seitdem ist die Seniorin verängstigt, so sehr, dass sie nicht mal ihren Namen nennen möchte. "Ich habe Angst, dass etwas auf mich zurückfallen könnte", sagt sie.  Seit Montag hat sie sich noch nicht getraut, allein einkaufen zu gehen. "Es gibt sicher mehr Menschen wie mich. Für uns muss es doch eine Lösung geben", sagt sie. Damals hatte sie sich an die Behindertenbeauftragte der Stadt gewandt, die ihr sagte, diese Diskriminierung dürfe nicht sein. "Doch ob das alle wissen?"

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Die Angst, wieder abgewiesen zu werden, wollen ihr auf SZ-Anfrage jedoch die Verantwortlichen vieler Supermärkte nehmen. "Wir möchten allen Kunden einen einfachen und angenehmen Einkauf ermöglichen. Selbstverständlich müssen Kunden mit Gehhilfen wie Rollatoren oder mit Kinderwagen keinen Einkaufswagen nutzen", sagt Isabel Lehmann von der Lidl-Pressestelle. Die Mitarbeiter in den Dresdner Filialen würden den Kunden bei Fragen gerne zur Verfügung stehen.

In den Aldi-Märkten seien weiterhin alle Kunden willkommen, dies gelte auch für Eltern mit Kindern oder in der Mobilität eingeschränkte Personen. "Sollte es durch die vor Ort getroffenen Schutzmaßnahmen Schwierigkeiten im täglichen Einkauf geben, so unterstützen unsere Mitarbeiter vor Ort gerne und unkompliziert", sagt Axel vom Schemm von Aldi Nord. Er rät dazu, gleich zu Beginn des Einkaufs die Mitarbeiter im Markt in der Sache anzusprechen. 

In den Kaufland-Märkten wird die Wagenanzahl abhängig von der Größe der Filiale begrenzt. Kunden, die bewegungseingeschränkt sind oder Mütter mit kleinen Kindern dürften aber in den Markt, sagt Andrea Kübler von der Kaufland Stiftung & Co. KG. 

Ähnlich äußert sich auch Roger Ulke, der Vorstandssprecher der Konsum Dresden eG. "Niemand im Konsum wird einen älteren oder auch eingeschränkten Kunden abweisen oder gar den Zutritt verwehren. Wenden Sie sich dazu bitte einfach an den Marktleiter", sagt Ulke. Bei Bedarf werde der getätigten Einkauf zur gewünschten Zeit nach Hause gebracht. Die Dame könne aber auch einfach am Telefon bestellen. 

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Dresdens Beauftragte für Menschen mit Behinderungen erinnert sich noch an den Fall aus dem Frühjahr. "Es gibt keine Rechtsgrundlage dafür, dass die Frau mit dem Rollator nicht in einen Markt eingelassen wird, auch wenn Einkaufswagen vorgeschrieben sind", sagt Manuela Scharf. Sie wünscht sich, dass das Personal besser geschult wird und auf eingeschränkte Menschen noch mehr eingeht. "Wenn solch ein Fall passiert, sollte sich der Betreffende an mich wenden, mit  Datum und Uhrzeit. Dann kann ich das mit dem Markt besprechen", sagt Scharf. 

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