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Corona-Pandemie in der Haft angekommen

In einem Dresdner Prozess geht es zwar „nur“ um ein abgepopeltes Siegel in einer Gefängniszelle. Doch die Begleitmusik hat einmal mehr das Virus übernommen.

Auch im Dresdner Gefängnis gibt es seit einigen Tagen die ersten Coronafälle.
Auch im Dresdner Gefängnis gibt es seit einigen Tagen die ersten Coronafälle. © Symbolfoto: Robert Michael

Dresden. Als Drogendealer Patrick P. diese Geschichte passierte, war der 24-Jährige noch Untersuchungsgefangener in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Dresden. Inzwischen verbüßt der Mann seine Haftstrafe in Waldheim und studiert Vertriebstechnologie. Das klingt nach einem guten Plan, nach der Haft ein anderes Leben anzufangen. Viereinhalb Jahre hatte er bekommen wegen Drogenhandels. Wenn alles klappt, so hofft der gelernte Ofensetzer, könne er im Frühjahr 2022 mit der Zweidrittel-Regelung das Gefängnis verlassen und in seinem Beruf neu durchstarten.

Bis es jedoch so weit ist, hat die Justiz noch ein Hühnchen mit dem Mann zu rupfen. Angeblich soll er noch als Untersuchungsgefangener in Dresden sein Fernsehgerät manipuliert haben. P. muss sich daher seit Dienstag wegen Siegelbruchs vor dem Amtsgericht Dresden verantworten. Laut Anklage habe er zwischen dem 14. Februar und dem 2. März dieses Jahres das Siegel entfernt, das den USB-Anschluss seines Fernsehers verschlossen hatte.

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Patrick P. bestreutet den Vorwurf jedoch entschieden. Er sagte, er habe seinen Fernseher einem Mitgefangenen überlassen. Dieser Mann, Lars M., ein Bekannter, sei Ende 2019 auf seine Station gekommen. M. habe ihn um das Gerät gebeten. „Ich brauchte keinen Fernseher und habe ihm das Gerät überlassen“, so der Angeklagte. Noch am selben Tag habe er den Fernseher jedoch zurückerhalten. Das manipulierte Siegel sei ihm nicht aufgefallen. M. habe ihm gegenüber inzwischen eingeräumt, das Siegel abgepopelt zu haben, sagte P.

14-tägige Zellenkontrollen

Aufgefallen ist das fehlende Siegel erst bei einer sogenannten Haftraumkontrolle am 2. März. Das berichtete der Justizbedienstete Lars P. Alle 14 Tage werden die Zellen auf den Kopf gestellt, um nach verbotenen Gegenständen zu suchen. „Die Kontrollen finden routinemäßig statt“, sagte der 48-jährige Zeuge. Das fehlende silbernfarbene Siegel sei ihm gleich aufgefallen. Stattdessen sei auf der USB-Buchse eine schwarze Plastikabdeckung aufgeklebt worden. Der Bedienstete sagte, P. habe gewusst, dass es verboten ist, TV-Geräte Mitgefangenen zu überlassen. Darüber werde jeder Inhaftierte belehrt.

Diese Anschlüsse an TV-Geräten werden von der Anstalt versiegelt, um von den Gefangenen nicht zweckentfremdet zu werden. Man könnte etwa Filme oder andere Dateien abspielen. 

Corona-Infektionen in sächsischen Gefängnissen

Aufgrund der Angaben des Angeklagten musste der Prozess fortgesetzt werden, um P.s Angaben zu überprüfen. Sein Verteidiger Martin Wissmann beantragte, P. für den Fortsetzungstermin zu entschuldigen. Sein Mandant erwarte in Waldheim eine zehntägige Quarantäne. Der Grund dafür seien Corona-Infektionen in den JVA in Dresden und Bautzen – das seien Aufenthaltspunkte seines Mandanten, ehe er über Justiz-Transporte, den sogenannten Verschub, zurück in Waldheim sei.

Der Prozess wird am Montag, 30. November, fortgesetzt – ohne den Angeklagten. Das Gericht wird den Mitgefangenen M. wohl eher nicht laden, denn der dürfte sich wohl nicht zu dem Vorwurf äußern. Geklärt werden soll jedoch, ob der Mitgefangene in der fraglichen Zeit tatsächlich mit P. in derselben Station war.

Seit vergangener Woche häufen sich Meldungen über Corona-Infektionen in sächsischen Gefängnissen und konkret auch in der JVA am Hammerweg in Dresden. Am Dienstagabend teilte  die stellvertretende Anstaltsleiterin Rebecca Stange auf SZ-Anfrage mit, dass es seit Ende vergangener Woche die ersten positiven Corona-Fälle in der Dresdner JVA gibt. Die beiden Fälle seien per Labortest bestätigt worden. Weitere 28 Gefangene seien durch anschließende Schnelltests aufgefallen, eine Bestätigung durch das Laborergebnis stehe noch aus. Alle Informationen zu den Fällen in der JVA und zu weiteren Corona-Hotspots in Dresden lesen Sie hier. 

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