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Hotel Bilderberg Bellevue hat den 90er-Charme abgelegt

Seit Mitte 2019 wurden alle 340 Zimmer und Suiten des Dresdner Hotels renoviert. Als sie fertig waren, kam der Lockdown. Nun ist das Haus voll wie selten zuvor.

Seit sechs Jahre ist Sebastian Klink der Direktor des Bellevue Hotels, das seit Januar den Namen Bilderberg Bellevue Dresden trägt.
Seit sechs Jahre ist Sebastian Klink der Direktor des Bellevue Hotels, das seit Januar den Namen Bilderberg Bellevue Dresden trägt. © René Meinig

Dresden. Andrang an der Rezeption, Gäste laufen durch die Lobby zum Frühstücksraum. Das Hotel Bilderberg Bellevue in Dresden ist an diesem Freitagmorgen gut gefüllt. "Wir sind seit Beginn der Sommerferien an den Wochenenden zu 95 bis 99 Prozent ausgebucht", sagt Hoteldirektor Sebastian Klink. Das hätte er vor fünf Monaten nicht zu hoffen gewagt.  Fast zwei Monate war das Haus während des Lockdowns geschlossen, bevor am 18. Mai mit Hygieneregeln wieder eröffnet wurde.

Eigentlich sollte das Osterfest im April ein ganz besonderes werden. Dann nämlich sollte die Renovierung der in die Jahre gekommenen Zimmer abgeschlossen sein. Das letzte Mal wurden diese im Jahr 1999 neu gestaltet, entsprechend angestaubt war ihr Charme in Beige-Rosa und durchgelegen die Matratzen. "Es gab sogar 51 Bäder, die noch im Originalzustand von 1985 waren, als das Bellevue in der DDR eröffnet wurde", sagt Klink. Anfangs habe man überlegt, diese aus Nostalgiegründen zu erhalten. Doch die Idee war schnell vom Tisch. Ein Blick auf das Foto erklärt, weshalb.

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Hotelchef Klink mit Cindy Knoblauch, der Kommunikationsmanagerin des Hauses in der großzügig geschnittenen Family-Suite, zu der noch zwei Schlafzimmer gehören.
Hotelchef Klink mit Cindy Knoblauch, der Kommunikationsmanagerin des Hauses in der großzügig geschnittenen Family-Suite, zu der noch zwei Schlafzimmer gehören. © René Meinig

Seit Juli bis November 2019 und dann wieder von Februar bis Mitte April 2020 haben die Handwerker an den 319 Doppel- und Familienzimmern sowie den 21 Suiten gearbeitet.  Bei laufendem Betrieb war das eine Herausforderung, für Gäste wie Mitarbeiter. "Den Termin haben wir auch gehalten. Nur leider konnten seit Mitte März keine Gäste kommen", sagt Klink.   

Diese Serie zeigt die Bäder der Doppelzimmer des Hotels aus drei Epochen: Diese Exemplar stammt aus dem Jahr 1985, als das Interhotel Bellevue eröffnete.
Diese Serie zeigt die Bäder der Doppelzimmer des Hotels aus drei Epochen: Diese Exemplar stammt aus dem Jahr 1985, als das Interhotel Bellevue eröffnete. © Hotel Bellevue/PR
Beim Umbau 1999 wurde auf Marmor gesetzt. In einem Teil der Bäder wurde dieser hochwertige Stein auch aus Nachhaltigkeitsgründen erhalten, nur Fugen und Details wie Glaswände zum Duschen in den Badewannen wurden erneuert.
Beim Umbau 1999 wurde auf Marmor gesetzt. In einem Teil der Bäder wurde dieser hochwertige Stein auch aus Nachhaltigkeitsgründen erhalten, nur Fugen und Details wie Glaswände zum Duschen in den Badewannen wurden erneuert. © René Meinig
Bad Nummer drei ist die neueste Variante, die im vorigen und diesem Jahr eingebaut wurde.
Bad Nummer drei ist die neueste Variante, die im vorigen und diesem Jahr eingebaut wurde. © Hotel Bellevue/PR

Deutlich jüngere Gäste kommen

Doch fünf Wochen später war es soweit: Zögerlich zunächst, doch sie kamen, die Gäste, vorwiegend aus Deutschland, aber auch aus den Niederlanden oder Österreich. Und seitdem können sie den Canaletto-Blick aus modern gestalteten Doppelzimmern  genießen, die in gedeckten Farben gehalten sind, gepolsterte Sitzbänke und farbige Accessoires haben. Die zwei Bellevue-Family-Suiten bieten auf 94 Quadratmetern nicht nur zwei separate Schlafzimmer, sondern im Wohnzimmer einen großen Esstisch und einen gemütlichen Sitzbereich. "Davon könnten wir zehn haben, so gut werden sie nachgefragt", sagt der 39-jährige Hoteldirektor. 

Ab 329 Euro sind die Familiensuiten zu haben, in der Weihnachtszeit ist am meisten für sie zu zahlen, bis zu 449 Euro. Die Standard-Doppelzimmer kosten von 109 bis 199 Euro, je nach Saison. "Im Vergleich mit anderen deutschen Städten liegen wir damit an der mittleren bis unteren Grenze", sagt Klink. Er sieht darin Vorteile. "Die attraktiven Preise ermöglichen es allen Gästen, nach Dresden zu kommen."

Das habe auch Auswirkungen auf die Altersstruktur. In den vergangen Jahren habe das Durchschnittsalter der Gäste bei 55 Jahren gelegen, inzwischen seien über die Hälfte unter 30 Jahre alt, so Klink. Auch deshalb sei die Renovierung der Zimmer so wichtig gewesen.  

So sieht das Standard-Doppelzimmer aus, im besten Fall mit Canaletto-Blick.
So sieht das Standard-Doppelzimmer aus, im besten Fall mit Canaletto-Blick. © René Meinig

Aufnahme in die Bilderberg-Gruppe

Seit 1. Januar dieses Jahres tritt das Haus unter neuem Namen auf. Aus dem Westin Bellevue wurde das Bilderberg Bellevue Dresden. Es ist das erste Hotel außerhalb der Niederlande, das in die Premium-Bilderberg-Hotelgruppe aufgenommen wurde. "Wir hatten bereits vor dem Eigentümerwechsel die Renovierung der Zimmer geplant, aber dieser hat den Prozess noch einmal deutlich beschleunigt", sagt Klink. Rund 6,5 Millionen Euro sind in die Erneuerung geflossen.

Der Direktor selbst,  früher Volley- und Basketballer und mittlerweile ein begeisterter Läufer, hat ein ausgefallenes Angebot im Bellevue installiert: den Running Concierge. Vier Mitarbeiter und Sebastian Klink stehen für laufaffine Gäste bereit, um mit ihnen eine morgendliche Runde auf dem Elberadweg zu absolvieren. "Das wird drei- bis viermal monatlich genutzt" sagt Cindy Knoblauch, die Kommunikationsleiterin des Hauses. Dazu kommen Angebote eines Heilpraktikers und eines Personal Trainers, die im Haus arbeiten. Einzigartig auch der hoteleigene Honig, der von fünf Bienenvölkern stammt, die auf dem Dach des Hotels ein Zuhause gefunden haben.  

"Wir müssen jeden Tag überprüfen, aus welchen Städten und Regionen die Gäste kommen"

Die Buchungen für die Adventszeit, sonst die Hauptsaison Dresdner Hotel, seien noch sehr zurückhaltend, sagt der Hotelmanager. Besser sehe es für den Jahreswechsel aus. Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen müsse man jetzt abwarten, ob die Deutschen weiter im Land verreisen. "Wir müssen ja heute schon jeden Tag überprüfen, aus welchen Städten und Regionen die Gäste kommen. Sind es Risikogebiete, müssen sie einen Coronatest vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist", sagt Cindy Knoblauch. Dies sei bei den Gästen aber absolut akzeptiert.

Einer, der das Hotel so gut kennt, wie kaum ein anderer, ist Ralf Schneider. Der technische Leiter hat 1984 bei der Interhotelgruppe angefangen und 1988 als Haustechniker im Bellevue. "Seitdem sind viele Eigentümer und Hoteldirektoren gekommen und gegangen, auch der Name hat mehrfach gewechselt", sagt der 60-Jährige. 

Hochwasser 2002: "Wir fragten uns alle, wie es weitergehen soll"

Besonders einschneidend war für ihn das Hochwasser 2002, als die Elbe in rasendem Tempo am Restaurant Canaletto im Haus vorbeischoss. "Ich weiß noch, dass wir uns alle fragten, wie es jetzt weitergehen soll", erinnert sich Schneider. Denn das Wasser hatte enormen Schäden an den Anlagen für Elektro, Klima, Lüftung und dem Schwimmbad im Keller angerichtet. Zum Glück habe der damalige Besitzer eine gute Versicherung gehabt, ein dreiviertel Jahr wurde gebaut, dann eröffnete das Bellevue wieder.  

Mit Hochwasserschutz hatte damals kaum jemand Erfahrung, sagt der technische Leiter. Doch allen war klar, dass man jetzt vorsorgen müsse. Und so hat man sich an den Kölnern orientiert, die am Rhein auch mit Hochwassern zu tun haben. "Wir haben ringsum neun Meter tiefe Spundwände einbringen lassen, auf die wir im Hochwasserfall mobile Wände aufbauen können. Dazu kamen vier Grundwasserbrunnen, aus denen im Bedarfsfall Grundwasser abgepumpt werden kann.  2013 hat uns diese Vorsorge gerettet", sagt Schneider.  

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Für ihn war es nie ein Frage, das Haus zu verlassen. "Es macht mir Freude, mit den Gästen und Veranstaltern in unserem Hotel zu arbeiten. Das hat sich seit 1988 nicht verändert."

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