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9.000 Euro für drei Kilo Blumenerde

Ein 24-Jähriger Dresdner wollte Marihuana kaufen und wurde von seinen Geschäftspartnern hintergangen. Am Mittwoch gab’s noch eine Strafe dazu.

Marihuana wollte er kaufen, doch er bekam nur Blumenerde - drei Kilo für 9.000 Euro. Am Mittwoch stand der Käufer vor dem Amtsgericht Dresden, der Lieferant ist längst verurteilt.
Marihuana wollte er kaufen, doch er bekam nur Blumenerde - drei Kilo für 9.000 Euro. Am Mittwoch stand der Käufer vor dem Amtsgericht Dresden, der Lieferant ist längst verurteilt. © Stefan Puchner/dpa

Dresden. Dumm gelaufen, kann man da nur sagen. Im Mai 2017 hat ein heute 24-jähriger Student einen folgenschweren Drogendeal angeleiert. Er habe für einen Bekannten drei Kilo Marihuana erwerben sollen, sagt der Mann. Der Lieferant war Ali K., ein inzwischen rechtskräftig zu sieben Jahren Haft verurteilter Drogenhändler, der damals vor allem im Raum Coswig/Meißen groß im Geschäft war.

Ende Mai kam es zum Treffen in einer Tiefgarage am Elbepark. Zwar kannte der Käufer seinen Lieferanten Ali K. angeblich schon seit vier Jahren, doch ein anderer Dealer hatte den Treff organisiert – drei Kilo Marihuana für 9.000 Euro. Als der Student wenig später das verklebte Paket seinem Auftraggeber übergab, stellten die Männer fest, dass sie gewöhnliche Blumenerde gekauft hatten. So weit, so schlecht.

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Auch ein anderer Dealer wurde gelinkt

Bei einer folgenden Aussprache mit den Partnern ließ sich angeblich nicht klären, wie es zu der Verwechslung mit der Baumarkt-Blumenerde gekommen war. Doch auch das Geld habe der Student nicht zurückerhalten. Ali K. habe ihm bei der Auseinandersetzung eine "leichte Ohrfeige" gegeben. Nach der Aussprache stellte der Mann, der den Deal vermittelt hatte, fest, dass auch er gelinkt worden war. Er hatte Ali K. angeblich ein Kilo Blumenerde abgekauft.

Was dann folgte, ist Polizeiarbeit, die offenbar nicht mit dem betrügerischen Geschäft im Zusammenhang steht. Denn die Drogen-Gang um Ali K. flog auf, einige Täter wurden bereits am Landgericht Dresden verurteilt.

Am Mittwoch stand der Student wegen versuchten Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor einem Jugendrichter des Amtsgerichts Dresden. Dort berichtet der Angeklagte in weiten Teilen die geschilderte Version.

Was war mit den 500 Euro?

Der Richter nahm das dem Angeklagten ab. Ein Zeuge, der Vermittler, bestätigte weite Teile des Geständnisses. Allerdings habe Ali K. den Studenten mit einem heftigen Schlag niedergestreckt. Unklar blieb die Behauptung des Angeklagten, dass er von dem Vermittler noch in der Tiefgarage 500 Euro erhalten habe. Daran konnte sich der Zeuge nicht erinnern und sagte den schönen Satz: "Ich wüsste nicht, warum, aber es kann durchaus sein."  

Das Gericht verurteilte den Angeklagten nach dem Jugendstrafrecht zu 170 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Das war das Ergebnis einer Verfahrensverständigung, die zwischen dem Gericht, der Staatsanwaltschaft und Verteidiger Karsten Brunzel außerhalb der Hauptverhandlung vereinbart worden war.

Der Richter begründete die vergleichsweise milde Entscheidung mit dem Jugendstrafrecht und der langen Zeit, die inzwischen vergangen ist. Von dem Schwindel mit der Blumenerde einmal abgesehen, hat die Coswiger Bande tatsächlich zentnerweise mit Marihuana gehandelt.

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