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"Planungsfiasko": Heftiger Streit um das Blaue Wunder

Die Brücke ist baufällig, Geld fehlt. Die Grünen monieren, für den Fernsehturm wäre Geld da. Die CDU fordert jetzt, dass der OB die Brücke zur Chefsache macht.

Am Blauen Wunder in Dresden sollen zunächst nur dringendsten Mängel behoben werden.
Am Blauen Wunder in Dresden sollen zunächst nur dringendsten Mängel behoben werden. © SZ/Peter Hilbert

Dresden. Die Loschwitzer Brücke muss dringend saniert werden. Viele Teile sind verschlissen und müssen zeitnah instandgesetzt werden, sonst droht die Sperrung des Blauen Wunders. Das wäre eine Katastrophe, nutzen doch täglich rund 28.000 Fahrzeuge die Elbquerung im Osten der Stadt.

Die Stadt plant schon seit längerem die Sanierung. Allerdings gab es zunächst zu wenige und unpassende Bewerber auf die Ausschreibung.

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Das Vorhaben musste auf 2022 bis 2026 verschoben werden. Doch auch diese geplante Komplettsanierung kommt jetzt nicht.

Längere Sanierungszeit bedeutet höhere Kosten

Das Problem: Der Freistaat kann zunächst keine Fördermittel bereitstellen. Deshalb beginnt die Stadt 2022 zunächst mit den dringendsten Arbeiten und bezahlt diese aus Eigenmitteln von 2,2 Millionen Euro. Die Hoffnung ist, dass der Freistaat in den kommenden Jahren die Brückenarbeiten wieder fördern kann.

Allerdings bedeutet der zeitliche Verzug, dass die Sanierung immer teurer wird. Bis zu 160 Millionen Euro, hatte Baubürgermeister Stephan Kühn vorgerechnet, wenn bis Ende der 2020er-Jahre gebaut wird. Denn die Baupreise steigen jährlich um rund sechs Prozent.

Der Dresdner Landtagsabgeordnete und Stadtrat Thomas Löser (Grüne) hält es für gefährlich, die Arbeiten an der Brücke so lange zu strecken. Damit verlagere man das Problem nur in die Zukunft.

Löser hatte in dem Zusammenhang angesprochen, dass die CDU im Landtag Geld für die Wiedereröffnung des Fernsehturms zur Verfügung gestellt hatte, da müsse es angesichts der Bedeutung der Brücke auch etwas für das Blaue Wunder vom Land geben.

Hat der vorherige Baubürgermeister falsche Prioritäten gesetzt?

Das hat den CDU-Landtagsabgeordneten Martin Modschiedler verwundert, habe doch der frühere Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) seit 2015 Zeit gehabt, die Brückensanierung auf ein solides Fundament zu stellen.

Im letzten Doppelhaushalt hätten über 360 Millionen Euro für den Erhalt der Infrastruktur zur Verfügung gestanden. 2018 waren es 250 Millionen. "Da muss schon die Frage erlaubt sein, ob Rot-Rot-Grün bei den Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur die Prioritäten in der Vergangenheit nicht hätte anders setzen sollen", sagt Modschiedler.

Jetzt hat sich auch CDU-Kreisvorsitzender Markus Reichel zu Wort gemeldet: „Ich fordere den Oberbürgermeister dazu auf, das Blaue Wunder zur Chefsache zu machen", sagt er.

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Es sei nicht nachvollziehbar, wie unsolide derart bedeutsame Projekte durch die Verwaltung geplant und vorbereitet werden. "Ich bitte den OB insbesondere den Bürgern zu erklären, wie sich dieses Planungsfiasko auf bereits geplante Projekte auswirken wird.“

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