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Missbrauch: Urteil gegen den Bienenkönig?

Im Missbrauchsprozess gegen einen 65-jährigen Imker hat das Dresdner Gericht nach längerem Streit nun doch per Video die beiden Opfer vernommen.

Thomas H., der selbsternannte "Bienenkönig", soll wieder Kinder missbraucht haben. Der 65-Jährige bestreitet die Vorwürfe.
Thomas H., der selbsternannte "Bienenkönig", soll wieder Kinder missbraucht haben. Der 65-Jährige bestreitet die Vorwürfe. © Foto: Alexander Schneider

Dresden. Seit Mitte April steht ein 65-jähriger Hobby-Imker vor dem Landgericht Dresden. Thomas H. wird neben dem Besitz tausender kinderpornografischer Dateien vorgeworfen, zwei sieben und neun Jahre alte Mädchen begrapscht zu haben. Am Freitag hat die Jugendschutzkammer die Geschwister per Videokonferenz vernommen. So sollte den Mädchen ein unmittelbares Aufeinandertreffen mit dem Angeklagten erspart werden. Die Vernehmung fand ohne Publikum statt.

Schon seit dem Prozessauftakt wurde um die Vernehmung gestritten. Da der Angeklagte die Vorwürfe bestreitet, kam das Gericht nicht umhin, sich einen persönlichen Eindruck von den Geschädigten zu machen. Verteidiger Andreas Suska hatte einer Videovernehmung zunächst widersprochen.

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Thomas H. ist in Dresden bekannt, weil er mehrere Jahre einen sogenannten Schaubienenstand betrieben und sich selbst „Bienenkönig“ genannt hatte. Er zeigte in dem für das Imkerhandwerk umgerüsteten Bauwagen am Emerich-Ambros-Ufer ganzen Kindergartengruppen und Grundschulklassen, wie man Honig gewinnt. Später kam heraus, dass H. Mädchen begrapscht hatte, als er ihnen in seinem Bienenstand beim Anziehen der Schutzkleidung geholfen hatte.

Vorzeitig aus der Haft entlassen

Wegen sexuellen Missbrauchs in 21 Fällen wurde er 2016 am Amtsgericht Dresden zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt. Es ist bislang die einzige Vorstrafe im Register des 65-Jährigen. Im Mai 2018 kam er vorzeitig „auf Bewährung“ aus der Haft. Kurz nach Bekanntwerden der neuen Tatvorwürfe wurde H. Ende Juli 2020 wieder inhaftiert.

Laut Anklage hatte er Ende 2019 zufällig eine Gorbitzer Familie kennengelernt und immer wieder besucht. Während er dort nachmittags mit den beiden Mädchen spielte, soll er sie auch mehrfach angefasst haben – offenbar im Beisein der Mutter und ihres Lebensgefährten, die von den Übergriffen angeblich nichts mitbekommen hatten. Ende Juli hatte sich eines der Mädchen offenbart.

Thomas H. bestreitet die Vorwürfe. Er habe sich mit der Familie angefreundet, sei ein Opa für die Mädchen gewesen. Er habe sein Handy und seinen Laptop mitgebracht, und mit den Kindern gespielt. Auch den Besitz der kinderpornografischen Dateien, rund 2.800 Fotos und Videos, räumte er nicht ein. Die Dateien fand die Polizei auf zwei Laptops, sechs Handys und rund zehn Speichersticks in der völlig verwahrlosten Wohnung des Angeklagten.

Der Prozess soll am Dienstag zu Ende gehen.

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