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Containern einmal anders

Der Elektroschrott am Dresdner Elbepark war für Diebe frei zugänglich. Doch die Polizei war mit ihren Hunden noch schneller als die Täter.

In solchen Containern landet Elektroschrott in den Wertstoffhöfen. Ein Mann wurde nun verurteilt, weil er sich an einem unverschlossenen Container eines Elektromarktes bedient hatte.
In solchen Containern landet Elektroschrott in den Wertstoffhöfen. Ein Mann wurde nun verurteilt, weil er sich an einem unverschlossenen Container eines Elektromarktes bedient hatte. © Daniel Schäfer

Dresden. Wenn Kinder in Afrika barfuß in Bergen von Elektroschrott aus Deutschland wühlen, sich selbst erheblich gefährden, wenn sie mit blanken Fingern seltene Erden aus ausrangierten Geräten popeln, lässt das die Verursacher dieser verschifften Technikmüllhalden kalt. Längst ist aus dem entsorgten Abfall der alten Welt ein profitables Geschäft geworden.

Am Ursprung dieser internationalen Wertschöpfungskette füllen sich die Sammelbehälter schnell. In den Containern landen Altgeräte, die Kunden abliefern, wenn sie etwas Neues gekauft haben, genauso wie neue Ware, defekte Geräte, Ausstellungsstücke und dergleichen mehr. Hinter den Märkten sammeln sich die Hinterlassenschaften in begehbaren Containern. Nicht immer, so hört man immer wieder, wird zwischen Top und Schrott unterschieden, es scheint einfacher zu sein, das ganze Zeug am Stück zu entsorgen.

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Nachhaltigere Nutzung als Prinzip

An den Entsorgungsrampen großstädtischer Supermärkte hat sich längst eine Szene meist junger Leute gebildet, die diesen Wahnsinn nicht mitmachen wollen und die Lebensmittel aus dem Müll fischen. Obst und Gemüse mit kleinen Flecken, das zum Kauf nicht mehr angeboten werden soll, Joghurts, deren Mindesthaltbarkeitsdatum manchmal noch nicht einmal erreicht wurde. Die nachhaltigere Nutzung ist für viele zum Prinzip geworden, zu einer Lebensphilosophie. Schon gibt es Forderungen, solche Taten seien keine Diebstähle, auch wenn der finanzielle Vorteil auf der Hand liegt.

Auch in den Hinterhöfen von Möbelhäusern und Elektromärkten scheint das Containern Mode zu werden. Ganze Sofas sollen so schon neue Besitzer gefunden haben wie auch intakte Fernsehgeräte. Jetzt stand ein 34-jähriger Mann vor dem Amtsgericht Dresden, der mit einem Komplizen nachts am Elbepark beim Containern erwischt wurde.

Er hatte sich schon ein paar Kabel und Verteilerdosen aus dem unverschlossenen Container eines Elektromarktes in seinen Rucksack gepackt. Ein ausrangiertes Regal, auf dem einmal Videospiele präsentiert worden waren, hatte sein Interesse geweckt. Der Hobbybastler wollte es auf seinen Fahrradhänger stapeln. Doch dazu kam er nicht mehr.

Ehe er es sich versah, hatten mehrere Polizeibeamte das Gelände umstellt und die beiden Wertstoffdiebe festgenommen. Das war im Juli vergangenen Jahres gegen 3 Uhr morgens. Im Rucksack des 34-Jährigen lag auch noch ein Cuttermesser. Pech gehabt.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann daher Diebstahl mit Waffen vor. Die Mindeststrafe beträgt sechs Monate, denn wenn Waffen oder andere Werkzeuge, mit denen man sich verteidigen kann, bei solchen Taten griffbereit mit sich geführt werden, stellt das eine größere Gefährdung dar. So weit, so nachvollziehbar.

Ein kurzer Prozess

Es sollte ein sehr kurzer Prozess werden. Der Angeklagte räumte den Vorwurf ohne Umschweife ein. Politisch sah er seine Tat nicht. Der Mann, der seinen Beruf wegen einer Allergie nicht mehr ausüben kann, lebt als Erwerbsunfähigkeitsrentner am Existenzminimum. Er war nur verwundert wegen des Messers, das sich in den Tiefen seines Rucksacks befunden habe. Aber ja, stimmt schon. Eine Dummheit, sagte er.

Als die Uniformierten plötzlich vor ihm standen, sei sein Kumpel noch im Container gewesen. Eine 31-jährige Polizistin vom Revier West berichtete, dass zwei Streifenbesatzungen nach dem Alarm zum Elbepark ausgerückt seien und auch noch Kollegen mit Diensthunden. Mülldiebstahl ist, so scheint es jedenfalls, eine ernste Sache.

Der Strafrichter verurteilte den Angeklagten wegen Diebstahls mit Waffen zu einer Geldstrafe von 900 Euro (90 Tagessätze). Das war möglich, weil er diese Tat als sogenannten minderschweren Fall betrachtete. Auch die Staatsanwältin hatte das entsprechend gefordert und damit begründet, dass bei der Tat etwa nur eine sehr geringe kriminelle Energie im Spiel und die Beute von geringem Wert gewesen sei.

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Nach dem Prozess sagte der Angeklagte gegenüber der SZ, er habe schon öfter nachts Leute mit Einkaufswagen voller Pakete vor seinem Haus vorbeifahren sehen. Der Komplize war übrigens nicht zu dem Prozess erschienen, weil er zwischenzeitlich umgezogen ist.

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