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Gerichtsprozess: Dresdner Kellnerin dreht durch

Corona-Koller? Ärger in der Familie? Probleme mit dem Liebsten oder dem Geld? Eine 27-jährige Kellnerin hat tagelang ihre Kollegen in der Dresdner Innenstadt genervt und landete schließlich sogar vor Gericht.

Von Alexander Schneider
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Wegen privater Probleme verlor eine Kellnerin ihren Job und warf dann auch noch Sachen aus dem Fenster. Nun stand die Frau vor dem Amtsgericht Dresden.
Wegen privater Probleme verlor eine Kellnerin ihren Job und warf dann auch noch Sachen aus dem Fenster. Nun stand die Frau vor dem Amtsgericht Dresden. ©  Symbolfoto: Rene Meinig

Dresden. Mamma mia! Noch heute rätseln Vorgesetzte und Kollegen, was in einer Kellnerin vorgegangen sein mag, nachdem sie 2021 wie verwandelt von einem Heimat-Trip zurückgekehrt war. Die 27-jährige Neapolitanerin lebt und arbeitet schon seit einigen Jahren in Deutschland. Nach Stationen in Köln und Riesa kellnerte sie ab 2020 in einem Restaurant in der Dresdner City. Alles war fein. Sie hatte sich gut in das Team integriert, war eine geschätzte Kollegin.

Doch plötzlich sei die Frau "außer sich gewesen", genervt, unkonzentriert. Bald gab es Ärger mit Chefs und Gästen, man nahm ihr die Kasse ab, es folgten Abmahnungen. Ende Mai 2021 war Schluss. Doch auch nach ihrem Rauswurf hatte die Kellnerin immer wieder den Italiener aufgesucht. Regelmäßig eskalierte die Lage, die Polizei musste anrücken.

Jetzt stand die 27-Jährige wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Sachbeschädigung, wiederholten Hausfriedensbruchs und Betruges vor dem Amtsgericht Dresden.

Laut Anklage hat sie Sachen wie Kartons und Kleidung aus ihrer Wohnung auf die Schweriner Straße geworfen. Dabei demolierte sie einen VW Touareg – die Delle im Dach schlug mit 2.300 Euro zu Buche – und gefährdete Fußgänger, die fast von einem Ikea-Karton getroffen wurden. Sie habe den Motorroller ihres Chefs beschädigt, ihn beleidigt, sie habe auch die Zeche in einem spanischen Lokal geprellt.

"Es war die Hölle"

"Es war die Hölle", sagten nun ihre Chefs als Zeugen. Noch immer hätten sie keine Ahnung, was mit der Frau los gewesen war. Sie hätten ihre Kellnerin sehr geschätzt und ihr vorgeschlagen, sich eine kleine Auszeit zu nehmen. Doch mit ihr sei nicht zu reden gewesen. Man habe sich getrennt, im Interesse der Gäste und Mitarbeiter. Der Inhaber des Spaniers berichtete, die Frau sei auch bei ihm und in anderen Restaurants mehrfach aufgefallen.

Die Angeklagte hatte die Verantwortung für die Sachbeschädigungen übernommen. Sie habe die Sachen aus Wut aus dem Fenster geworfen. Bekannte hätten bei ihr gewohnt, sie aus ihrer eigenen Einraum-Wohnung ausgesperrt. Die Polizei habe nicht geholfen, weil sie nicht beweisen konnte, dass sie die Mieterin war, sagte ihr Verteidiger Jörg Theißen. Von dem angeblichen Hausverbot habe die 27-Jährige jedoch nichts gewusst, sonst hätte sie ihre Kollegen dort nicht besucht. Die Angeklagte entschuldigte sich und sagte, sie habe einen Zusammenbruch gehabt.

Das Gericht stellte zahlreiche Vorwürfe ein. Die Chefs, die ihre Ex-Kellnerin noch immer lobten, nahmen ihre Strafanträge wegen Hausfriedensbruchs und Beleidigung zurück. Zudem war der Schaden der nicht bezahlten Speise, laut Anklage 52 Euro, nicht belegbar.

Der Richter verurteilte die Frau wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, damit sind die Fußgänger gemeint, und zwei Sachbeschädigungen, die VW-Beule und den eingeschlagenen Roller-Rückspiegel, zu einer Geldstrafe von 2.000 Euro.

Was der Frau jedoch genau gefehlt hatte, sie erwähnte nur Geldsorgen, blieb offen. Familiär scheint jetzt alles wieder zu stimmen. Die 27-Jährige lebt mit einem Koch zusammen, ist seit kurzem Mutter und machte einen aufgeräumten Eindruck. Das Urteil ist rechtskräftig.