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Warum geht's beim Narrenhäusel nicht voran?

Investor Frank Wießner hat vor einem Jahr den Bauantrag eingereicht, wollte dieses Frühjahr mit dem Bau beginnen. Doch es gibt zahlreiche Hürden.

So soll das Narrenhäusel wieder aufgebaut werden. Der Entwurf von Martin Trux orientiert sich am barocken Palais.
So soll das Narrenhäusel wieder aufgebaut werden. Der Entwurf von Martin Trux orientiert sich am barocken Palais. © Martin Trux

Dresden. Er hatte einen ehrgeizigen Plan. Zu Weihnachten 2021 wollte Bauunternehmer Frank Wießner das Narrenhäusel weitgehend originalgetreu wieder aufgebaut haben. Nach einem aufwendigen Architekturwettbewerb, den der Dresdner Martin Trux gewann, hatte Wießner im Vorjahr den Bauantrag eingereicht. Der Entwurf von Trux orientiert sich an einem barocken Palais und knüpft damit an die Entstehungszeit im 18. Jahrhundert an.

Doch schon im Vorjahr gab es Änderungs- und Ergänzungswünsche von Seiten des Stadtplanungsamtes. Auch heute noch arbeiten Wießner und sein Architekt die lange Liste ab, was alles fehlt, damit der Antrag für die Baugenehmigung vollständig ist. "Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Natürlich müssen die Unterlagen Hand und Fuß haben und vollständig sein. Aber was von mir alles gefordert wird, überschreitet das normale Maß und ich halte manches für absurde bürokratische Forderungen", sagt Wießner.

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Muss es die Masse an Forderungen sein?

Als eins von Dutzenden Beispielen nennt er den Brandschutzbericht. Die zunächst geplanten 140 Plätze im Restaurant hat er in Absprache mit dem künftigen Betreiber auf 90 reduziert. Deshalb muss er einen Zusatz zu den bereits genehmigten 140 Plätzen vom Brandschutzprüfer erbringen mit zwei Unterschriften. "Das dauert Minimum zwei Wochen, obwohl ja klar ist, dass aus einem Lokal, aus dem 140 Leute gerettet werden könnten, auch 90 gerettet werden können."

Eine weitere Forderung betrifft die Außenanlagen, die jetzt in anderen Schnitten dargestellt werden sollen. Der Übergang zum Fußweg auf der Augustusbrücke muss in einem gesonderten Plan eingereicht werden. "Das frisst Zeit und Geld", sagt der Investor. Die Masse der Forderungen erdrückt ihn und verzögert das Vorhaben. Und Wießner weiß, dass es nicht nur ihm als Investor so geht. "Mancher gibt dann auf."

Neben den zahlreichen Fachämtern, die am Verfahren beteiligt sind, kommen Absprachen mit den Dresdner Verkehrsbetrieben dazu. Diese bauen auf der Augustusbrücke eine Haltestelle mit einem dazugehörigen Oberleitungsmast. Wießner muss wissen, wo der genau steht, um seine Arbeiten planen zu können. "Doch die Pläne für die Haltestelle sind noch nicht ganz abgeschlossen. Da kommen weitere Umplanungen auf uns zu", ist er überzeugt.

Dem 46-Jährigen macht das scheinbare Misstrauen der Ämter bei diesem Projekt zu schaffen. "Ich habe nicht das Gefühl, dass ich willkommen bin, obwohl ich der Stadt das fertige Narrenhäusel sogar schenke." Ein Problem ist auch die Zufahrt von der Wiesentorstraße. Er hat sich diese privatrechtlich gesichert, doch nicht dauerhaft. Denn der Bereich am Königsufer soll perspektivisch bebaut werden. "Die Stadt fordert das aber von mir. Das ist derzeit unmöglich", sagt er.

Zur Zufahrt äußert sich das Bauaufsichtsamt wie folgt: "Da die Augustusbrücke nach der Sanierung für den privaten Kfz-Verkehr nicht mehr geöffnet wird, kann das Narrenhäusel auch nicht von der Brücke erschlossen werden. Der Bauherr muss die Erschließung seines Bauvorhabens nachweisen. Auch dazu gibt es einen intensiven Austausch mit ihm. Das Bauaufsichtsamt, Stadtplanungsamt sowie Amt für Hochbau und Immobilienverwaltung unterstützen den Bauherrn bei einer Lösung."

Für Wießner reicht es jedoch, wenn Besucher später fußläufig hinkommen, die Feuerwehr darf von der Brücke aus agieren.

Zudem sei der Bauantrag für das Narrenhäusel noch nicht vollständig eingereicht, sagt die Stadt. Es fehlten noch Unterlagen, die das Landesamt für Denkmalpflege zur denkmalschutzrechtlichen Beurteilung des Bauvorhabens benötigt. "Das geht nur um den denkmalgeschützten Senkgarten, was eine Art Vorgarten des Narrenhäusels ist", sagt Wießner.

Er findet es zumindest fragwürdig, dass das Amt jetzt den Vorgarten fordert, obwohl das Haus in den 1950er-Jahren abgerissen wurde. Zumal es sich aus seiner Sicht nur um wenige Beeteinfassungen aus eher unansehnlichem Waschbeton sowie einige Sandsteintreppenstufen handelt. Laut Stadt ist das Bauaufsichtsamt dazu mit ihm in einem engen Austausch.

Für Wießner klingt das nach weiteren Monaten, die sich der Baubeginn nach hinten verschiebt. Nach heutigem Stand könnte der eventuell im nächsten Frühjahr erfolgen.

Dennoch hat er Vorbereitungen getroffen, dass es schnell losgehen kann. Die Drewag hat ihm im Zuge der Bauarbeiten an der Augustusbrücke eine Wasserleitung ans Grundstück verlegt, die Stadtentwässerung den nötigen Abwasserkanal.

Wird das Vorhaben nicht befördert?

Auch der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHND) ist aufgefallen, dass es mit dem Narrenhäusel nicht vorangeht und sie hat dazu vor einigen Wochen an Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) geschrieben. Der antwortete, dass das Projekt in zügiger Bearbeitung sei.

"Die Bearbeitungszeit von einem Jahr erscheint uns sehr lang", sagt GHND-Vorstandsvorsitzender Torsten Kulke. Er wundere sich darüber, denn bei anderen Investoren, vor allem im wirtschaftlichen Bereich, gehe das sehr viel schneller, obwohl mitunter größere Hürden zu bewältigen sind. Es gebe offenbar Vorhaben, die man von Amts wegen befördern will und andere nicht. Es sei kein Geheimnis, dass das Narrenhäusel von der Verwaltung nicht gewollt ist, so Kulke.

Das historische Foto aus dem Jahr 1938 zeigt, wie das Narrenhäusel nach der Rekonstruktion in den Jahren 1935 bis 1936 ausgesehen hat.
Das historische Foto aus dem Jahr 1938 zeigt, wie das Narrenhäusel nach der Rekonstruktion in den Jahren 1935 bis 1936 ausgesehen hat. © Sammlung Holger Naumann

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2014 hatte die GHND eine Petition mit rund 10.000 Unterschriften für den Wiederaufbau des Narrenhäusels an den OB übergeben. Der Stadtrat hatte anschließend im März 2016 einen Beschluss gefasst, dass das Gebäude wiedererstehen soll. Wießner erhielt den Zuschlag zum Kauf des Grundstückes.

Das originale Narrenhäusel war 1755 für den Hofnarren Augusts des Starken, Joseph Fröhlich, gebaut worden. Bei den Luftangriffen auf Dresden brannte es aus, 1950 wurde seine Ruine abgerissen.

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