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Dresden

Drogengeld für die Eltern in Syrien?

Ein 24-jähriger Angeklagter schweigt zum Prozessauftakt. Er soll in Dresden und Pirna im großen Stil mit Marihuana gehandelt haben.

Verteidigerin Katja Reichel spricht zum Prozessauftakt mit ihrem Mandanten Ayham I. Der 24-jährige Angeklagte soll in Dresden und Pirna mit Marihuana gehandelt haben.
Verteidigerin Katja Reichel spricht zum Prozessauftakt mit ihrem Mandanten Ayham I. Der 24-jährige Angeklagte soll in Dresden und Pirna mit Marihuana gehandelt haben. © Foto: Alexander Schneider

Dresden. Ayham I. aus Pirna sitzt seit fast genau einem Jahr in Untersuchungshaft. Er wurde in der Nacht des 13. Oktobers 2019 mit einem halben Kilo Marihuana erwischt, das er angeblich aus Leipzig geholt hatte. Am Freitag nun hat sein Prozess am Landgericht Dresden begonnen.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem bewaffneten Handel mit Drogen vor, außerdem gefährliche Körperverletzung, räuberische Erpressung und Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige.

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Die Vorwürfe passen so gar nicht zu dem Bild, das Gudrun H. von dem jungen Syrer hat, der 2015 nach Deutschland kam. Die 69-Jährige lernte den Angeklagten als ehrenamtliche Helferin in der Kleiderkammer des Roten Kreuzes 2017 kennen. „Er hat dort auch ehrenamtlich mitgearbeitet. Ayham sprach arabisch. Wir waren froh, dass er da war“, berichtet die Zeugin.

Regelmäßige Besuche im Gefängnis

Ayham habe Abitur und noch in Damaskus ein Semester Architektur studiert. Er sei höflich, fleißig, intelligent, auch bescheiden, sagt die Frau, die seine Großmutter sein könnte: „Er hat viele Schicksalsschläge hinter sich.“ Sie hat den Angeklagten regelmäßig in der Görlitzer Justizvollzugsanstalt besucht und mit ihm Briefkontakt  gehabt.

Für das Gericht ist die ehrenamtliche Helferin eine wichtige Zeugin. Da der 24-Jährige nach Verlesung der beiden Anklageschriften auf Anraten seiner Verteidigerin Katja Reichel weder zu den Vorwürfen noch zu seinen persönlichen Verhältnissen Angaben machen wollte, hat der Vorsitzende Richter sofort die Rentnerin in den Saal gerufen. Die Frau war sichtlich verdutzt, denn sich hatte nicht damit gerechnet, vernommen zu werden. Sie war doch nur gekommen, um den Angeklagten zu sehen.

Sie muss von Anfang an einen guten Draht zu dem jungen Syrer gehabt und ihn in ihr Herz geschlossen haben. Sie hat ihm geholfen, eine bezahlte Arbeit zu finden, hat für ihn gesammelt, damit er einen LKW-Führerschein machen kann, und habe ihm immer geraten, eine Ausbildung zu machen. Das sei wichtiger, als schnelle Geld zu verdienen. 

"Eigenes Geld verdienen"

„Doch Ayham hat darauf bestanden, sein eigenes Geld zu verdienen, er wollte niemandem zur Last fallen“, sagte Gudrun H. Ayham habe Autos gekauft, aufgearbeitet und wieder verkauft. Die Zeugin sagt, er habe bescheiden gelebt und regelmäßig Geld zu seinen Eltern nach Damaskus geschickt.

Dass der Mann mit Drogen gehandelt haben soll, kann sie sich eigentlich nicht vorstellen. Beim ersten Besuch im Gefängnis habe er zu ihr gesagt: „Ich bin kein schlechter Mensch“ und: „Ich habe nichts Böses gemacht“.

Die Staatsanwaltschaft hat jedoch ein anderes Bild des Angeklagten gemalt: Ab 2019 soll er regelmäßig vor allem in Pirna und Dresden mit Marihuana gehandelt haben, im Kilo-Bereich. Er soll Abnehmer, die ihre Schulden nicht hätten zahlen können bedroht und auch zusammengeschlagen haben und er habe auch Marihuana an ein erst 15-jähriges Mädchen verkauft.

Ob I. mit den Gewinnen aus seinen mutmaßlichen Drogengeschäften auch seine Eltern unterstützt hat, könnte eine Frage sein, die auch das Gericht interessieren wird. Der Prozess wird fortgesetzt. Das Gericht hat vorerst elf Verhandlungstage bis Anfang Dezember eingeplant. 

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