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Holzhäuser für die Lingnerstadt

Der neue Eigentümer plant energieeffiziente Bauten und will im Herbst mit dem Tiefbau beginnen. Doch was wird aus dem Palais Oppenheim?

Von Kay Haufe
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Blick auf die Fläche zwischen Zinzendorfstraße und St. Petersburger Straße, auf der der erste Teil der Lingnerstadt entstehen soll.
Blick auf die Fläche zwischen Zinzendorfstraße und St. Petersburger Straße, auf der der erste Teil der Lingnerstadt entstehen soll. © Sven Ellger

Dresden. Die Lingnerstadt umgibt die Robotron-Kantine und grenzt unmittelbar an die Innenstadt. Sie erstreckt sich auf rund 100.000 Quadratmetern zwischen St. Petersburger Straße, Hygiene-Museum und Blüherstraße. Nun hat das Areal hat schon wieder einen neuen Besitzer. Nach Gesellschafter-Veränderungen bei der Gerchgroup wird das Projekt nun von der Gateway Real Estate AG aus Berlin fortgeführt. Die Gerchgroup hatte das Gebiet am Blüherpark im Dezember 2019 von der Kasseler Firma Immovation erworben.

Gateway-Vorstand Stefan Witjes erklärt, welche Pläne dort umgesetzt werden sollen.

Bleibt es beim Wohnungs- und Büromix?

Für den ersten Bauabschnitt, auf dem sich auch die Robotron-Kantine befindet, gibt es bereits einen gültigen Bebauungsplan. Gateway ist im Stadium der Bauantragsplanung. Die Pläne sollen am 30. April in der Gestaltungskommission vorgestellt werden. "Dazu standen und stehen wir in engem Austausch mit den bisherigen Planungsverantwortlichen und der Stadt", sagt Witjes. Entstehen soll ein modernes Stadtquartier mit einem Mix aus Wohnungen, Büros, Praxen, Cafés und Läden für die Nahversorgung. Dem Trend des Online-Einkaufes folgend sind auch Packstationen geplant, die 24 Stunden am Tag zugänglich sein sollen.

"Es werden im ersten Teilbereich 48 Häuser mit rund 1.000 Wohnungen in allen Größen gebaut, darunter auch seniorenfreundliche", sagt Witjes. Wie viele von jeder Größe es geben wird, entscheide sich anhand der Nachfrage in den kommenden Monaten. "Fakt ist, das dies ein lebendiges Viertel für alle Altersgruppen sein soll. Die Fehler der 80er und 90er Jahre, wo es eine Trennung zwischen Büro- und Schlafstadt gab, werden wir nicht machen", sagt der Vorstand.

Welche Art von Häusern soll entstehen?

Neu ist, dass Gateway Holzhäuser bauen möchte. Überall dort, wo es möglich ist, soll der nachwachsende Rohstoff verwendet werden, um den CO2-Fußabdruck klein zu halten. Die Dämmfunktion von Holz sei hoch und der Energiebedarf der Immobilie deshalb gering. Witjes spricht vom KfW-40-Standard, mit dem 60 Prozent weniger Energie benötigt würde, als bei Referenzobjekten. Um die höheren Kosten dafür zu kompensieren, wolle man Bundes- und Landesfördermittel nutzen.

"Von außen werden unsere Gebäude viele Formen, Breiten, Höhen und Farben aufweisen. Weil wir so dicht am Stadtzentrum bauen, sind wir und die Stadt daran interessiert, dass moderne und hochwertige Architektur entsteht, die dort hinpasst." Wie genau diese aussehen wird, soll erstmals in der Gestaltungskommission am 30. April gezeigt werden.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Geht es nach den Plänen von Gateway, soll Ende des dritten Quartals mit den Erschließungs- und Tiefbauarbeiten begonnen werden. Aktuell entstünden Baugrundgutachten. "Wir wissen bereits, dass unter dem ersten der vier Baufelder im ersten Abschnitt viel Trümmerschutt liegt. Es ist klar, dass die Archäologen uns in einer so interessanten historischen Region begleiten", sagt Witjes. Er rechnet damit, dass spätestens im Frühjahr 2022 mit den Hochbauarbeiten begonnen werden kann.

Etwa zwei Jahre wird es dauern, bis die Gebäude, Straßen und Gehwege im ersten Bauabschnitt fertiggestellt sind.

Wann beginnen die zwei weiteren Bauabschnitte?

Die Zeitschiene für die zwei weiteren Bereiche der Lingnerstadt ist deutlich länger. Auf dem Baufeld zwei steht unter anderem noch das TLG-Gebäude an der St. Petersburger Straße , in dem sich auch die Cityherberge befindet. Sie hat noch einen gültigen Mietvertrag bis Mitte 2024. "Für diesen Bereich läuft ein zweigeteiltes Bebauungsplanverfahren bei der Stadt. Schwer zusagen, wie lange das dauert", sagt Witjes. Im ersten Quartal 2022 könnte es Planungsrecht geben. Mit den Arbeiten werde dort zunächst im Baufeld hinter dem TLG-Gebäude begonnen.

Für den dritten Abschnitt existiert bisher nur ein Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan. Er gehört zwar zum Großteil der Gateway, doch es gibt im südlichen Bereich an der Blüherstraße mehrere Privateigentümer. Die Stadt hat einen Masterplan erarbeiten lassen, um möglichst die Interessen aller Eigentümer zu berücksichtigen. Daran anknüpfend soll ein Bebauungsplan entstehen. Wann der offengelegt und beschlossen werden kann, ist noch unklar. Gateway plant weiterhin eine Zusammenarbeit mit Peter Kulka, der den vorausgegangenen städtebaulichen Wettbewerb zur Lingnerstadt gewonnen hatte.

Gibt es eine Chance für das Palais Oppenheim?

Der Gottfried-Semper-Club Dresden setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, dass der prächtige Neorenaissancebau, der an der Bürgerwiese 5-7 stand, wieder aufgebaut wird. Das Wohnhaus der jüdischen Familie wurde im Februar 1945 von Bomben getroffen und brannte aus. Die Außenmauern wurden 1951 gesprengt.

Doch es sprechen mehrere Fakten dagegen, dass das Palais Oppenheim in Anlehnung an das Original wieder ersteht. Zum einen verlaufe die Erschließungsstraße für das neue Quartier direkt über das Grundstück, auf dem früher das Palais stand, sagt Stefan Witjes. "Um das zu verändern, wäre eine Veränderung des Bebauungsplanes nötig, der viele Monate dauern würde." Zum anderen sei er kein Freund davon, historische Gebäude wieder aufzubauen, von denen nichts mehr steht. "Der Wunsch des Wiederaufbaus ist an uns herangetragen worden. Aber ich sehe eher Möglichkeiten, in geeigneter Art und Weise am Standort daran zu erinnern, den historischen Stellenwert des Palais zu würdigen", sagt Witjes. Darüber würde die Firma Gateway auch gern mit Interessierten ins Gespräch kommen.

Immerhin könnte auch ein ganzer Wohnblock nicht gebaut werden, wenn das Palais dort entstehen würde.

Was wird aus der Robotron-Kantine?

"Wir haben noch keinen langfristigen Plan für die Nutzung des Gebäudes", sagt der Vorstand. Zunächst stelle man die Kantine bis September unentgeltlich dem Kunsthaus Dresden für ein Kunstprojekt zur Verfügung. Der Dresdner Künstler André Tempel hat die Fassaden mit bunten Plastikstreifen umwickelt. Es ist die erste Etappe des Kunstprojekts "Prelude Nordost Südwest" zu einer großen für 2022 geplanten Ausstellung des Kunsthauses Dresden im öffentlichen Raum.

"Es gibt den Beschluss des Dresdner Stadtrates von 2018, die Robotron-Kantine zu erwerben, dieser ist noch nicht zurückgezogen worden", sagt Witjes. Die Kantine könnte das Quartier durch eine Nutzung im künstlerischen, bildungsorientierten oder wissenschaftlichen Sinn sehr bereichern. Diesbezüglich seien auch schon Privatpersonen an Gateway herangetreten. "Wir sind diesen Ideen gegenüber sehr aufgeschlossen. Die Stadt hätte allerdings das Vorkaufsrecht."

Mit dem Beginn der Arbeiten soll in einen Teil der Kantine zunächst das Baubüro von Gateway einziehen.

Die Robotron-Kantine mit der aktuellen Fassaden-Installation des Künstlers André Tempel.
Die Robotron-Kantine mit der aktuellen Fassaden-Installation des Künstlers André Tempel. © Sven Ellger

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