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Eine Kartoffelkanone und andere Waffen

Angst vor Google: Ein 30-jähriger Dresdner sprengt sein Handy in die Luft. Dann entdeckt die Polizei in der Wohnung des Mannes einige Explosivstoffe.

Die Knolle eignet sich nicht nur für Töpfe, Pfannen und Fritteusen. Nun wurde ein Mann verurteilt, bei dem eine sogenannte Kartoffelkanone gefunden wurde. Die Polizei warnt vor diesen Feuerwaffen Marke Eigenbau.
Die Knolle eignet sich nicht nur für Töpfe, Pfannen und Fritteusen. Nun wurde ein Mann verurteilt, bei dem eine sogenannte Kartoffelkanone gefunden wurde. Die Polizei warnt vor diesen Feuerwaffen Marke Eigenbau. © Sebastian Kahnert/dpa

Dresden. Hach, so viele Probleme. Wie kann man sich da anders helfen, als mit Sprengstoff und Waffen? Ein 30-jähriger Mann aus Gorbitz musste sich nun am Amtsgericht Dresden für den Besitz einiger illegaler Böller und einer sogenannten Kartoffelkanone verantworten.

Das ist eine aus Abwasser- und Sanitärrohren selbst gebastelte Feuerwaffe. Das Teil sieht martialisch aus und hat alles, was es zum Abschuss von Projektilen braucht: eine Brennkammer, in der Treibgase verpuffen, einen langen Lauf aus Plastikrohren und Muffen und einen Zündmechanismus.

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Das Internet ist voll von Bauanleitungen für diese Abschussgeräte, die nicht nur bei Bauernaufständen eingesetzt wurden und deren Ursprünge sich rund 1.000 Jahre zurückverfolgen lassen. Doch gefährlich ist das Schussgerät nicht nur für Menschen vor dem Lauf. Der Mensch am Abdrücker muss fürchten, dass ihm die Plaste-Teile bei jedem Schuss um die Ohren fliegen können.

Heftige Wirkung

Die Treibladung für Kartoffeln und alles andere, was aus dem Lauf, Kaliber 5 Zentimeter, verschossen werden kann, stammt aus Spraydosen. Sie wird in die Brennkammern gesprüht und schließlich gezündet. Tests zeigen, dass Projektile auf weit über 100 Stundenkilometer beschleunigt werden und problemlos Kürbisse, Glasscheiben und selbst Spanplatten demolieren. Aus diesem Grund zählen Kartoffelkanonen zu den verbotenen Schusswaffen, warnt die Polizei.

Im Oktober vergangenen Jahres hat die Polizei in einem Gorbitzer Mehrfamilienhaus ein kleines Waffenlager ausgehoben. Nachbarn hatten die Einsatzkräfte alarmiert, nachdem sie von einem lauten Knall aus ihrer geliebten Nachmittagsruhe gerissen worden waren. Die Uniformierten vor Ort stellten fest, dass es eine Explosion gegeben haben musste. Der Geruch von abgebranntem Sprengstoff lag noch in der Luft.

Doch der Mieter in der Explosionswohnung reagierte nicht, der Mann war ausgeflogen. Die Beamten entschieden daher, die Wohnung sicherheitshalber auf eigene Faust zu öffnen. Es könnte schließlich sein, dass dort noch etwas glimmt und einen Brand verursachen könnte.

Waffen- und Böllerarsenal

Als die Männer die Wohnung kontrollierten, sahen sie die Ursache des Knalls. Jemand hatte auf einem Tisch ein Handy in die Luft gesprengt. Darüber hinaus fanden die Beamten zahlreiche legale und einige wenige illegale Feuerwerkskörper und allerhand Behältnisse mit Chemikalien. Dazu zwei Luftgewehre und eben die schon genannte Kartoffelkanone. Sie alarmierten die Experten für „Unkonventionelle Spreng und Brandvorrichtungen“ (USBV) vom Landeskriminalamt Sachsen.

Unterdessen kam auch der Mieter wieder zurück. Dem Beamten vor dem Haus erzählte er etwas von "Freimaurern" und "Chemtrails". Ja, er habe sein Handy gesprengt, um der Überwachung durch Google zu entkommen, sagte der Mann.

Im Gericht wiederholte er seine Verschwörungsfantasien nicht. Verteidiger Hendrik Klee erklärte kurz und knapp, dass sein Mandant die Vorwürfe aus der Anklage voll umfänglich einräume. Laut Anklage war ihm neben der Kartoffelkanone auch der Besitz von vier illegalen Feuerwerkskörpern vorgeworfen worden, die kein CE-Prüfzeichen hatten und vermutlich in Polen oder Tschechien gekauft worden waren.

Kanone wird eingezogen

Weitere Fragen zur Sache, so Klee, werde sein Mandant jedoch nicht beantworten. Schade, könnte man meinen, dem Mann muss doch geholfen werden. Viel mehr war jedoch nicht zu dem Besitzer der Kartoffelkanone zu erfahren: Ein arbeitsloser Koch, der seit einigen Jahren an einer Muskelkrankheit leidet, alleinstehend, familiäre Probleme. Wer hat die nicht?

Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen verbotenen Besitzes einer Schusswaffe und unerlaubten Umgangs mit explosionsgefährlichen Stoffen zu einer Geldstrafe von 300 Euro. Die Kartoffelkanone und die illegale Pyrotechnik wurden eingezogen. Nicht hergeben wollte der Angeklagte die legalen Feuerwerkskörper und seine Chemikalien. Darüber werden nun Ordnungsbehörden zu entscheiden haben, sagte Richter Roland Wirlitsch. Strafrechtlich habe er keine Handhabe. 

Auch für das Sprengen seines Handys könne der Angeklagte nicht bestraft werden, weil kein Fremdschaden entstanden sei. „Sie wussten, dass das verboten ist“, sagte Richter Wirlitsch in seiner Urteilsbegründung zu dem Angeklagten. Das Urteil ist rechtskräftig.

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