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Klare Kante gegen hässliche Neubauten in Dresden

Die Dresdner Gestaltungskommission hat neue Mitglieder. Auch sie werden Investoren dabei beraten, hochwertige und ins Stadtbild passende Gebäude zu bauen.

Die scheidenden Mitglieder der Gestaltungskommission: Barbara Hutter, Ole Flemming, Thomas Kaup, Mikala Holme Samsoe mit dem damaligen Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne).
Die scheidenden Mitglieder der Gestaltungskommission: Barbara Hutter, Ole Flemming, Thomas Kaup, Mikala Holme Samsoe mit dem damaligen Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne). ©  Archivbild: Christian Juppe

Dresden. Wer sein Bauprojekt in dieser Runde vorstellt, hat es nicht immer leicht. Mancher Investor musste zweimal in der Gestaltungskommission antreten, um ein positives Fazit zu erhalten. So wurde beispielsweise um einen Neubau auf dem Parkplatz direkt vor dem Gewandhaus-Hotel lange gerungen. Der erste Entwurf an der Ringstraße wurde als "kleinstädtisch" bezeichnet, der zweite gelobt. Doch genau darum geht es den Mitgliedern des Gremiums: die bestmögliche Variante eines Neubaus für Dresden zu erreichen.

Seit 2016 setzt sich die Gestaltungskommission Dresden für die Baukultur in der Stadt ein. Sie berät private Bauherren und auch die Verwaltung bei ihren Bauvorhaben oder wichtigen Planungen. Ihr Ziel ist es, das Interesse der Öffentlichkeit im Sinne des Bewahrens und der Weiterentwicklung der städtebaulich-architektonischen Qualitäten zu vertreten und das Bewusstsein für Baukultur zu befördern. Die Kommission besteht aus fünf externen Mitgliedern sowie Mitgliedern der Stadtratsfraktionen. Sie arbeiten eng zusammen mit dem Geschäftsbereich Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften.

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Der Neubau an der Ringstraße musste überarbeitet werden. Den jetzigen Entwurf lobte die Kommission.
Der Neubau an der Ringstraße musste überarbeitet werden. Den jetzigen Entwurf lobte die Kommission. © Visualisierung: O+M Architekten/ Koncz/ KLM

Qualifikation auch durch Wettbewerbserfolge

Nach fünf Jahren werden neue Mitglieder bestellt. Bisher haben die Landschaftsarchitektin Barbara Hutter aus Berlin sowie die Architekten Mikala Holme Samsoe aus München, Thomas Kaup aus Berlin und Ole Flemming aus Hamburg gemeinsam mit dem Schweizer Kommissionsvorsitzenden Jürg Sulzer, der viele Jahre an der TU gelehrt hat, über die Projekte befunden. Sulzer bleibt noch ein Jahr im Amt, um gemeinsam mit den Mitgliedern aus dem Stadtrat die etablierten Arbeitsweisen der Kommission an die neuen Mitglieder weiterzugeben.

Neu dazu kommen die Landschaftsarchitektin Ulrike Böhm aus Berlin, die Architekten Jóurunn Ragnarsdóttir aus Stuttgart, Kilian Kresing aus Münster sowie Wolfgang Lorch aus Frankfurt am Main, dessen Büro unter anderem die Dresdner Synagoge entworfen hat. Die neuen externen Mitglieder wurden im Februar 2021 durch Oberbürgermeister Dirk Hilbert berufen und werden in der Sitzung der Gestaltungskommission am 25. Juni ihre Arbeit aufnehmen.

Ausgewählt wurden die vier neuen Mitglieder auf Basis mit dem Bund Deutscher Architekten und dem Bund Deutscher Landschaftsarchitekten abgestimmter Vorschläge. "Es werden Personen berufen, die in ihrem Fachgebiet als anerkannte Fachleute gelten und ausreichend Bauerfahrung vorweisen. Sie sollen ihre Qualifikation zum Beispiel durch Erfolge bei Wettbewerben und durch Erfahrung mit herausgehobener Entwurfs- und Bautätigkeit belegen können", sagt Doris Oser, die persönliche Referentin von Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne).

Laut Kühn haben die bisherigen Mitglieder der Kommission dazu beigetragen, dass in Dresden Fragen von Baukultur und Baukunst zusammen mit Bauherren und Planern diskutiert und so Bauvorhaben qualifiziert werden konnten.

Postplatz würde wahrscheinlich auch so aussehen

Kommissionsleiter Jürg Sulzer lobt den internen Dialog und Diskurs mit Interessierten aus der Bürgerschaft und mit Mitgliedern des Stadtrats. Unter anderem sind daraus „Empfehlungen für Stadtgestaltung und Architektur in Dresden“ entstanden und werden demnächst vom Stadtrat beschlossen. „Diese Empfehlungen halte ich für einzigartig in Deutschland“, so Sulzer.

In den vergangenen fünf Jahren habe die Kommission immer wieder gefordert, dass es weder um anonym wirkende Neubauten noch um möglichst ausgefallene architektonische Einzelbauten gehen sollte, auch wenn sie für sich gesehen eine gestalterische Besonderheit vermitteln wollen. "Weit wichtiger ist es den Mitgliedern, den Kontext neuer Bauten im Verhältnis von überliefertem und neuem Stadtraum zu erkennen", so Sulzer.

Auch wenn seit den frühen 2000er-Jahren immer wieder gute Neubauten in Dresden entstünden, ließen diese oft die Zusammenhänge von Stadtraum und Stadtensemble vermissen. Einzelbauten sollten im Kontext von Stadtraumentwicklung und Stadtbaugeschichte gesehen werden. "Darin liegen die entscheidenden Kriterien, wie eine behutsame Stadtraumgestaltung für Dresden im Mittelpunkt zukünftiger Diskussionen stehen könnte, um die Stadt weiterhin sorgfältig zu entwickeln."

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Gefragt danach, ob der Postplatz heute anders aussehen würde, wenn die Gebäude vorher in der Gestaltungskommission behandelt worden wären, sagt Sulzer: Vermutlich nicht. Lange Planungsprozesse sowie der damals aktuelle Zeitgeist hätten den Postplatz so hervorgebracht. "Aber vielleicht werden diese Bauten in 20 Jahren wieder in Frage gestellt und neue Entwürfe wieder in der Kommission vorgestellt."

Weitere Informationen: www.dresden.de/gestaltungskommission

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