merken
PLUS Dresden

Lange Haft für den Dresdner „Bienenkönig“?

Nach der über zweimonatigen Beweisaufnahme wurden in dem Missbrauchsprozess gegen einen 65-jährigen Dresdner die Plädoyers gehalten.

Thomas H. aus Dresden bestreitet auch nach der zweimonatigen Beweisaufnahme am Landgericht Dresden sowohl die schweren Missbrauchsvorwürfe als auch den Besitz von Kinderpornografie.
Thomas H. aus Dresden bestreitet auch nach der zweimonatigen Beweisaufnahme am Landgericht Dresden sowohl die schweren Missbrauchsvorwürfe als auch den Besitz von Kinderpornografie. © Alexander Schneider

Dresden. Thomas H. ist gelernter Landwirt aus Dresden, arbeitslos, und hat vor zehn Jahren als Hobbyimker und selbst ernannter „Bienenkönig“ eine gewisse Bekanntheit in Cotta erzielt. An der Ecke Lübecker Straße/Emerich-Ambros-Ufer hatte der 65-Jährige einen „Schaubienenstand“, in dem er Mädchen und Jungs im Kindergarten- und Grundschulalter die Imkerei präsentierte.

Weil es dabei jedoch nicht geblieben war und er Kinder begrapschte, als er ihnen in seinem Bauwagen beim Umziehen half, wurde H. 2016 wegen sexuellen Kindesmissbrauchs in 21 Fällen zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt.

Anzeige
Einen besseren Preis wird es nicht geben!
Einen besseren Preis wird es nicht geben!

Im Autohaus Dresden steht Inventur an: Über 500 hochwertige Neu- und Gebrauchtwagen warten auf einen Käufer. Es gilt: „Wir räumen auf – Sie räumen ab!“

Einen Großteil hat er bis 2018 abgesessen. Doch ab Anfang 2020 soll sich der Angeklagte an eine Gorbitzer Familie herangemacht und zwei Mädchen im Alter von sieben und neun Jahren auf dem heimischen Sofa immer wieder begrapscht haben. Im Juli 2020 kam H. wieder in Untersuchungshaft.

Seit April läuft sein Prozess, nun vor dem Landgericht Dresden. Angeklagt sind rund 30 Fälle des schweren sexuellen Kindesmissbrauchs, außerdem der Besitz von Kinderpornografie und zwei Missbrauchsfälle, die H. vor Jahren in seinem Schaubienenstand gefilmt haben soll.

Staatsanwaltschaft fordert fünfeinhalb Jahre

Am Montag hat die Staatsanwältin für die Taten des 65-Jährigen fünfeinhalb Jahre Haft gefordert. H. sei nur unter der Auflage, sich von Kindern fernzuhalten, vorzeitig aus der Strafhaft entlassen worden, habe das Vertrauen der Mädchen und ihrer Familie missbraucht und habe die Kinder immer wieder angefasst. Auch unter ihrer Kleidung an Brust und Scheide.

Sie habe keine Zweifel an den Aussagen der Mädchen und sehe keinen Grund für eine falsche Verdächtigung - das wurde seitens der Verteidigung gemutmaßt - oder dergleichen, so die Staatsanwältin. Ein Beleg: Gegenüber der Familie hatte der Angeklagte nie seine Identität preisgegeben, doch als die Kinder von sich aus erstmals dem Partner ihrer einige Jahre älteren Schwester von den Missbrauchsvorwürfen berichteten, sollte sich eine große Ähnlichkeit von H.s Vorgehen mit den Taten, für die er bereits verurteilt worden war, herausstellen.

Es seien keine lang andauernden Taten, sondern eher kurze Berührungen gewesen, doch der Angeklagte habe die sich ihm bietenden Gelegenheiten genutzt. Auch die Kinderpornografie, rund 2.800 Fotos und Videos fanden sich auf mehreren Geräten und Speicher-Medien des Angeklagten, sei nachgewiesen.

Verteidiger fordert Freispruch

Verteidiger Andreas Suska dagegen hält die Aussagen der Mädchen für nicht glaubhaft. Die geschilderten Taten seien nicht nachvollziehbar, zumal sein Mandant praktisch nie mit den Kindern alleine gewesen sei. Suska plädierte daher auf einen Freispruch sämtlicher Missbrauchsvorwürfe. Für die Kinderpornografie sei eine Strafe von acht Monaten, die mit der U-Haft längst abgegolten sei, ausreichend. Der 65-Jährige sei sofort aus der U-Haft zu entlassen und für den erlittenen Freiheitsentzug angemessen zu entschädigen.

Thomas H. selbst hat auch am Ende des Prozesses erneut bestritten, die Kinder angefasst zu haben. Bei den Bildern handle es sich um harmlose Fotos von FKK- und Nudistenseiten im Internet. Das hatte er schon zum Prozessauftakt behautet, und es hatte schon damals nicht gestimmt. Die Fotos zeigen sexualisierte Gewalt, harten Kindesmissbrauch.

Weiterführende Artikel

Hobbyimker belästigt Mädchen

Hobbyimker belästigt Mädchen

Ein 60-Jähriger hat seit Jahren Kinder missbraucht – auch nach seiner ersten Verurteilung.

Anca Kübler, die Anwältin vertritt die Familie der missbrauchten Geschwister, beschrieb, dass sich eines der Mädchen bewusst mehrere Hosen angezogen habe, damit „der Thomas“ mit seiner Hand nicht hineinfassen könne. Der Angeklagte habe sich das Vertrauen der Familie erschlichen und seine Taten gezielt vorbereitet, etwa indem er nach und nach ausgetestet habe, wie weit er gehen kann. Und er habe mit den Mädchen „ein Geheimnis“ geteilt. Das habe es den Kindern umso schwerer gemacht, den Missbrauch zu offenbaren und den Täter zu belasten.

Die Kammer wird ihr Urteil am Freitag, 2. Juli, verkünden.

Mehr zum Thema Dresden