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Lösung für Dresdner Narrenhäusel gefunden

Bisher war die Zufahrt für Versorgungsfahrzeuge ungeklärt. Wie es jetzt mit dem Bau des beliebten Gebäudes weitergeht.

Von Kay Haufe
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So soll das neue Narrenhäusel nach dem Entwurf von Martin Trux aussehen.
So soll das neue Narrenhäusel nach dem Entwurf von Martin Trux aussehen. © Visualisierung: arte4D/Andreas Hummel

Dresden. Endlich eine gute Nachricht für Bauunternehmer Frank Wießner. Der Mann, der das Narrenhäusel an der Augustusbrücke wieder aufbauen will, hat mit der Stadtverwaltung eine Lösung für die bisher ungeklärte Erschließungsfrage gefunden. Damit Müll- und Versorgungsfahrzeuge an das neue Gebäude heranfahren können, soll es jetzt eine gerade Zufahrt von der Köpckestraße geben. Die verläuft über ein städtisches Grundstück und kann zugleich auch als Rampe für Radfahrer und Rollstuhlfahrer dienen, die zum Narrenhäusel wollen.

"Dieser Vorschlag stammt von Baubürgermeister Stephan Kühn, der sich seit vielen Monaten dafür einsetzt, dass es mit dem Bauvorhaben vorangeht und der Stadtratsbeschluss zum Wiederaufbau umgesetzt wird", sagt Wießner. Zwischenzeitlich hatte er die Hoffnung schon fast aufgegeben, das Narrenhäusel jemals bauen zu können. Regelmäßig kamen neue Nachforderungen vom Bauaufsichtsamt, obwohl ihm die Vollständigkeit seines Bauantrages bereits bestätigt wurde.

Wießner hatte diverse Vorschläge für die Anlieferung und Entsorgung gemacht, unter anderem von der Augustusbrücke aus. Doch genau in dem Bereich befindet sich eine Straßenbahnhaltestelle, die Stadt lehnte den Vorschlag ab. Für Wießner war es wiederum nicht denkbar, ein Überfahrtsrecht über ein privates Grundstück im Grundbuch eintragen zulassen, wofür er mehrere Tausend Euro im Monat hätte zahlen müssen.

"Ich bin nicht unzufrieden mit der neuen Lösung. Sie ist zwar teurer, als von mir zunächst geplant, aber sie ist gut", sagt Wießner.

Schallschutz ist auch ein Problem

Noch nicht endgültig geklärt ist indes eine andere Frage. Der Bauherr möchte im Gebäude über dem Restaurant gern Ferienwohnungen schaffen. "Dieser Blick auf die Brühlsche Terrasse und die Dresdner Silhouette ist einzigartig." Allerdings befindet sich das Narrenhäusel nur wenige Meter entfernt von den Filmnächten, die im Sommer stattfinden. Regelmäßig sind Konzerte im Programm. Die sind wahrscheinlich zu laut, um eine Nutzung durch Ferienwohnungen zuzulassen. Ein Schallschutzgutachten soll Gewissheit bringen.

"Ich könnte natürlich bei der Vermietung auf diesen Umstand an wenigen Tagen im Jahr hinweisen, und wahrscheinlich würden die Leute die Wohnung auch genau wegen der Nähe zu den Konzerten mieten, aber rechtlich ist das so nicht vorgesehen", sagt Wießner. Am Ende könnte er sogar versuchen, die Filmnächte aufgrund der Lärmbelästigung zu verklagen. "Was ich natürlich keineswegs möchte."

Für ihn gibt es nun mehrere Möglichkeiten, mit diesem Problem umzugehen. Die erste wären fest verglaste Schallschutzfenster, die nicht zu öffnen sind. Dann müsste eine Lüftungsanlage eingebaut werden. "Aber bei dem Blick kein Fenster öffnen zu können, wäre mehr als schade", sagt Wießner.

Eine andere Variante wäre, im Narrenhäusel ein Hotel zu eröffnen. "Erstaunlicherweise gelten die Lärmschutzrichtlinien für Hotelzimmer nicht."

Wießner favorisiert für sich eine Lösung mit abschließbaren Fenstergriffen, die bei Konzerten dann vom Personal verschlossen würden. Aber ob das umsetzbar ist, ist nicht klar. Bis zum Frühjahr muss er das Konzept dafür vorlegen.

Ferienwohnungen in der Lage gefragt

Dass es eine riesige Nachfrage nach Ferienwohnungen so dicht an der historischen Altstadt gibt, merkt er täglich an den Anfragen. Auch für die Betreibung der vorgesehenen 14 Appartements, die zu größeren Einheiten zusammengelegt werden können, haben sich schon mehrere Bewerber bei ihm gemeldet. "Es wäre schön, wenn wir unseren Plan umsetzen könnten."

Einen Termin für den Baubeginn will Wießner noch nicht nennen. Nach Erteilung der Baugenehmigung würden rund sechs Monate für die Ausschreibung der Bauleistungen vergehen, dann starten die Arbeiten für das neue Narrenhäusel. Bis dahin will sich Wießner auch um die Abstimmung mit dem Denkmalschutz für die Außenanlagen kümmern. Dieser möchte eine Mauer und einen Senkgarten erhalten haben.

"Bis jetzt habe ich viele Hürden genommen, das werde ich hoffentlich auch alles lösen können", sagt der 47-Jährige. Der Stadtrat hatte 2016 den Wiederaufbau des Narrenhäusels beschlossen. Wießner hatte die Ausschreibung gewonnen und das Grundstück im Januar 2020 für rund 700.000 Euro von der Stadt erworben. Eigentlich wollte er das Bauwerk anhand alter Fotografien wieder errichten. Die Stadt forderte jedoch einen Architekturwettbewerb. Den hatte 2019 der Dresdner Architekt Martin Trux für sich entschieden, dessen Entwurf sich an einem barocken Palais orientiert und damit an die Entstehungszeit im 18. Jahrhundert anknüpft. Wießner will das Gebäude nach 60 Jahren der Stadt übereignen.