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2020 ist ein verrücktes Weinjahr in Dresden

Die Rebsorten verhalten sich anders als normal. Der Klimawandel geht auch an ihnen nicht spurlos vorbei.

Im Weingut von Klaus Zimmerling und anderorts reift der Wein dieses Jahr anders als zuvor.
Im Weingut von Klaus Zimmerling und anderorts reift der Wein dieses Jahr anders als zuvor. © René Meinig

Dresden. Eigentlich hätte der Gewürztraminer noch drei bis vier Wochen Zeit bis zur Lese. Doch Klaus Zimmerling hat die Rebsorte in seinen Pillnitzer Weinbergen schon am Montag geerntet, weil sie reif war. „Es ist ein verrücktes Jahr“, sagt er. „Inzwischen müssen wir uns jedes Jahr auf neue Überraschungen einstellen.“ 

Denn auch die Rebsorte Kerner hält sich nicht an ihren Zeitplan. Normalerweise stünde sie weit vor dem Gewürztraminer zur Lese an, doch dieses Jahr muss sie noch hängen bleiben, um gute Qualitäten zu erzielen. „Die Ursache dafür sind die klimatischen Veränderungen mit viel Sonne und wenig Regen“, sagt Winzer Zimmerling.

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Auch Lutz Müller erlebt 2020 Reifegrade seiner Weine, mit denen er so nicht gerechnet hat. So ist die rote Rebsorte Domina, die er am Dienstag geerntet hat und zum Roséwein verarbeitet, schon fast überreif. Stattdessen muss der Müller-Thurgau, sonst stets die am zeitigsten gelesene Sorte, noch am Stock bleiben. „Die letzten sonnigen Tage haben noch einmal besonders zur Reife beigetragen“, sagt Müller, der seinen Weinkeller und Ausschank am Schloss Albrechtsberg hat.

Nicht überall ist die Ernte üppig

Auch der Sauvignon Blanc sei schon sehr weit gediehen, anders als in anderen Jahren. Müller ist zuversichtlich, dass er die Lese bis Anfang Oktober abgeschlossen hat. Der Ertrag sei besser als 2019. „Vor allem die Qualität der Trauben ist hervorragend, sie sind kerngesund“, sagt er. Allerdings müssen die Trauben, die bei 27 Grad im Weinberg gepflückt wurden, zur Verarbeitung dann schnell runtergekühlt werden.

Andere Erfahrungen hat indes Christian Decker gemacht, der seine Rebstöcke in Pillnitz hat. 30 bis 50 Prozent habe er gegenüber dem Vorjahr, die Trauben seien klein und manche Stöcke hätten sehr schlecht getragen. „Die haben unter der langen Trockenheit und der Hitze gelitten“, sagt Decker. Zudem fressen ihm auch die Waschbären viele Trauben weg, die sie sehr mögen. Und das, obwohl Decker einen Elektrozaun hat. 

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