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"Konsequentes Impfen ist oberstes Gebot"

Die SZ befragt Dresdner vor der Wahl, welche Probleme es gibt und was sie von den Politikern erwarten. Heute: Uniklinik-Chef Prof. Michael Albrecht.

Prof. Dr. Michael Albrecht ist Medizinischer Vorstand am Uniklinikum Dresden und sieht die Impfmüdigkeit vieler Menschen mit Sorge.
Prof. Dr. Michael Albrecht ist Medizinischer Vorstand am Uniklinikum Dresden und sieht die Impfmüdigkeit vieler Menschen mit Sorge. © Christian Juppe

Dresden. Hier haben die Dresdner das Wort: Wenige Wochen vor der Bundestagswahl möchte die SZ in einem für alle gleichen Fragenkatalog wissen, wo der Schuh drückt - in Deutschland, in Dresden, im jeweiligen Stadtteil. Die Befragten antworten und sagen, was sie sich von den Politikern, die ihre Stadt im Bundestag vertreten, erwarten.

Professor Michael Albrecht ist Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus. Der 71-Jährige ist einer der gefragtesten Dresdner Experten zum Umgang mit dem Coronavirus.

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Wo sehen Sie aktuell die größten Probleme in Deutschland?

Ich möchte aus der Sicht der Uniklinik antworten. In Anbetracht wieder steigender Inzidenzen und gleichzeitig steigender Sorglosigkeit in Bezug auf Corona mache ich mir vor der vierten Welle Sorgen. Wir müssen zusammen achtsam sein, damit das medizinische System und vor allem die Kolleginnen und Kollegen auf den Covid-Stationen nicht noch einmal an ihre Grenzen kommen.

Wo sehen Sie aktuell die drängendsten Probleme in Dresden?

Mir fehlt die Einsicht in der Gesellschaft, dass die Pandemie noch lange nicht vorüber ist. Hier ist es besonders problematisch, dass sich viele nicht impfen lassen. Diese Skepsis verstehe ich nicht. Wenn wir zurück in den normalen Alltag wollen, ist konsequentes Impfen und Achtsamkeit oberstes Gebot – nicht nur im Gesundheitssektor. Und letztlich ist das auch ein höchst notwendiges solidarisches Verhalten gegenüber seinen Nächsten. Selbst wenn man nicht zu den gefährdeten Gruppen zählt, würde eine Impfverweigerung automatisch andere sowie die gesamte Gesellschaft gefährden.

Wo sind die Probleme in Ihrem Kiez?

In Blasewitz beschäftigt uns die Parkplatzknappheit. Viele unserer Mitarbeitenden kommen mit dem Rad, mit Bus und Bahn. Einige sind aber nach wie vor auf das Auto angewiesen – genau wie die Patientinnen und Patienten, Angehörige und Besuchende. Wir bemühen uns sehr, hier eine Verbesserung zu erreichen.

Was muss sich ändern?

Es ist sicher schwer, ausreichend Platz zum Parken bereitzustellen, auch wenn es hier durchaus Modelle geben würde, die uns etwas Freiraum schaffen. Aber am prinzipiellen Problem wird sich nichts ändern. Ich wünsche mir aber ein wenig mehr Verständnis – auch für die Autofahrenden.

Was sollten Politiker dafür tun bzw. ändern?

Wir diskutieren über Parkraumkonzepte, die uns als konzerngroße Einrichtung mitberücksichtigen, und wollen damit ein gutes Miteinander mit den Anwohnerinnen und Anwohnern schaffen.

Was wünschen Sie sich für Ihre Kinder/die künftigen Generationen?

Ich wünsche mir vor allem ein besseres Miteinander in der Gesellschaft. Ich beobachte, wie sich der Ton verschärft, wie Fake News und Hass in sozialen Medien den direkten Diskurs beeinflussen. Es darf nicht nur darum gehen, aus Prinzip die eigene Haltung zu vertreten, sondern darum, Kompromisse zu finden. Das ist uns in den vergangenen Monaten aus meiner Sicht abhandengekommen. Eine eigene Meinung zu haben, bedeutet nicht, subjektiv wahrgenommene oder gar falsche Fakten zu verbreiten.

Wenn Sie 100.000 Euro verteilen dürften in Dresden. Was würden Sie damit tun?

Das fragen Sie einen Vollblutmediziner und Wissenschaftler. Natürlich würde ich das Geld in medizinische Infrastruktur oder in die Forschung investieren. Allein, sich jetzt hier festzulegen, wäre für mich schwierig. Aber vertrauen Sie mir, ich würde eine gute Verwendung finden, nämlich für eine direkte Verbesserung einer schlechten Situation.

Corona hat viel verändert. Welches Problem ist Ihnen bewusst geworden und was wünschen Sie sich von Dresdner Bundestagsabgeordneten, um es lösen zu können?

Ich würde mir wünschen, dass das Verständnis für eine auskömmliche Finanzierung der Hochschulmedizin in den Fokus gerückt wird. Aktuell sehen wir, wie wichtig eine adäquate und optimale Post-Covid-Versorgung für die Zukunft ist. Wir werden langfristig mit dem Virus leben müssen, Phasen von mehr oder weniger Patientinnen und Patienten erleben. Die normale Versorgung darf dadurch nicht beeinträchtigt werden. Dazu brauchen wir regionale Steuerungsstrukturen. Das kann nicht zentralistisch vom Bund aus bewerkstelligt werden, da es große Unterschiede im lokalen Ablauf geben wird. Der große generelle "Lockdown-Hammer" muss der Vergangenheit angehören.

Bisher sind in der Serie erschienen:

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