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Dutzende Fälle von sexueller Belästigung in Dresden

Immer wieder werden in Dresden Frauen unsittlich berührt oder erleben Gewalt. Am vergangenen Wochenende gab es gleich zwei Fälle.

Immer wieder werden die Opfer unsittlich berührt oder erleben Gewalt. Was die Polizei rät.
Immer wieder werden die Opfer unsittlich berührt oder erleben Gewalt. Was die Polizei rät. ©  dpa (Symbolbild)

Dresden. Immer wieder werden in Dresden Frauen sexuell belästigt, zuletzt häuften sich die Fälle. Erst in der Nacht zu Freitag gab es wieder einen Fall, den die Polizei am Montagmorgen mitteilte. Ein Unbekannter hatte eine Frau in Gompitz bedrängt.

Beide waren mit einem Bus der Linie 90 nach Gompitz gefahren. Als die 21-Jährige an der Haltestelle Gompitzer Höhe ausstieg, folgte ihr der Mann ins Wohngebiet Am Gompitzer Hang. Dabei hatte er die Hose geöffnet und hielt sein Geschlechtsteil in der Hand. Die Frau konnte in ein nahe gelegenes Hotel flüchten. 

Auch am Sonntagmorgen gab es einen Übergriff auf eine Frau. Eine 27-Jährige wurde am Emerich-Ambros-Ufer Opfer erst Opfer eines Überfalls, später bot der Täter ihr an, sie könne ihr geraubtes Handy gegen "sexuelle Leistungen" wiederbekommen, er bedrängte und berührte sie. 

Erst Anfang September hatte die Dresdner Polizei einen Mann festgenommen, der in Verdacht steht zwei Frauen, 30 und 36 Jahre alt, sexuell belästigt zu haben.

Bisherigen Ermittlungen zufolge berührte der 35-Jährige die beiden Frauen kurz nacheinander auf dem Elbradweg am Käthe-Kollwitz-Ufer unsittlich, so die Polizei. Aufgrund der Beschreibung konnten alarmierte Polizeibeamte den Mann wenig später in der Nähe festnehmen. Zur Tatzeit war der etwa 1,70 Meter große schlanke Mann mit einem grünen Oberteil und einer Jeans bekleidet. Er hatte einen schwarzen Vollbart und trug einen grauen Hut. Da beide Frauen leichte Schmerzen erlitten, ermittelt die Polizei wegen sexueller Belästigung und Körperverletzung gegen den 35-jährigen Syrer.

Es waren nicht die ersten Fälle in diesem Jahr. Auf SZ-Anfrage bestätigt Polizeisprecher Steffen Grohme für den Zeitraum vom 1. April bis 31. August für die Stadt Dresden 40 derartige Sexualdelikte gegenüber Frauen. "Etwa 43 Prozent der Fälle verteilen sich auf die Stadtbezirke Neustadt mit 25 Prozent und die Altstadt mit 18 Prozent", so Grohme.  Die restlichen 57 Prozent haben Tatorte in anderen Stadtteilen. Eine Konzentration auf bestimmte Uhrzeiten gibt es nicht.

"Lassen Sie sich ärztlich untersuchen"

Zwar liegen aktuell noch keine ausgewerteten Zahlen vor. Was aber klar ist: Von 2017 auf 2018 gab es eine Zunahme von Fällen in der sächsischen Landeshauptstadt. Im Jahr 2018 sind 246 Frauen und neun Männer zu Opfern sexueller Angriffe geworden, 2017 waren es 169 Frauen und 14 Männer. Ein Großteil davon entfällt auf sexuelle Belästigungen. Aufgenommen in die Statistik für 2019 sind bislang 169 sexuelle Übergriffe bis Ende September auf Frauen und 12 Übergriffe auf Männer.

Da es keine wirklichen Schwerpunkte gibt, sei es eher schwierig, allgemeingültige Tipps zum Schutz zu geben, so die Dresdner Polizei. Grundsätzlich gelte für alle Geschlechter dasselbe. Wer sich unsicher an bestimmten Plätzen oder in bestimmten Situationen fühle, kann Vorsorge treffen, um das Sicherheitsempfinden zu erhöhen. "Dazu kann es helfen, den Situationen aus dem Weg zu gehen oder bestimmte Orte in Begleitung aufzusuchen", so Grohme. Sinnvoll sei es auch, Kontakt zu Freunden und Bekannten zu halten und über den eigenen Standort zu informieren. Im Fall einer unangenehmen Situation andere Passanten aufmerksam machen, auch gegenüber dem möglichen Angreifer laut werden. Und im Notfall immer den Notruf der Polizei wählen. 

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Die Opferberatung Weißer Ring, die es auch in Dresden gibt, hat Hinweise für Betroffene, was sie tun können, wenn sie zum Opfer einer Straftat geworden sind. Sie sollen sich Rat und Hilfe holen, bei Notrufeinrichtungen, in Frauenhäusern oder eben bei Beratungsstellen wie dem Weißen Ring und der Opferhilfe. Auch zur Anzeige bei der Polizei rät der Weiße Ring. "Lassen Sie sich ärztlich untersuchen. Sie können natürlich darum bitten, von einem gleichgeschlechtlichen Arzt oder einer Ärztin untersucht zu werden", so die Beratungsstelle. Mögliche Beweise sollten gesichert werden, ebenso wie Bekleidung, Bettwäsche oder Gegenstände, mit denen der Täter in Berührung gekommen ist.

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