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"Die Hoffnung hält uns am Leben"

Einer der dankbarsten Gäste des Hope-Konzertes am Dresdner Elbufer war Stefan Hippler. Der Pfarrer kämpft gegen Aids und zieht in Kapstadt ein Musterprojekt auf.

Immer wieder gern in Dresden: Wenn Pfarrer Stefan Hippler Deutschland besucht, fühlt er sich hier wie zu Hause.
Immer wieder gern in Dresden: Wenn Pfarrer Stefan Hippler Deutschland besucht, fühlt er sich hier wie zu Hause. © Sven Ellger

Dresden. Wenn Stefan Hippler etwas graue Haare macht, dann geht es um wirklich viel. Der katholische Pfarrer hat reichlich Stress und Sorge ertragen. Seit 25 Jahren lebt und arbeitet er in Südafrika, die Hälfte der Zeit widmet er sich Menschen mit HIV und Aids. Kinder und Freunde hat er sterben sehen und trotzdem nie den Mut verloren.

In Dresden ist sein Anti-Aids-Projekt "Hope Cape Town" gut bekannt. Bis Corona Veranstaltungen verbot, spendeten zahlreiche Dresdner auf der Hope-Gala und auch ohne deren Glanz und Glamour viel Geld für die gesundheitliche und soziale Versorgung der Bewohner eines riesigen Armenviertels in der Gemeinde Delft am Rande von Kapstadt.

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Dort leben mehr als 600.000 Menschen in zum Teil genormten Wellblechhütten. Die hatte die Regierung errichten lassen, um neuen Wohnraum für Arme zu schaffen, die den Bauten für die Fußball-WM 2010 im Wege waren. Die Einheimischen nennen diesen Teil des Slums "Blikkiesdorp" - Blechdosendorf -, wegen der verzinkten Wände und Dächer der Behausungen. "Sie sind 18 Quadratmeter groß, und es wohnen bis zu zehn Menschen darin", sagt Pfarrer Hippler.

Armut, fehlende Hygiene, mangelnde Aufklärung, Gewalt - mit all dem sind der Priester und sein Team konfrontiert. Über Jahre haben sie Gesundheitsstationen im Township aufgebaut und betreiben eine Kinderkrankenstation. Babys von infizierten Müttern so auf die Welt zu holen und medizinisch zu versorgen, dass sie gesund geboren werden, ist eins der größten Ziele der Nichtregierungsorganisation.

Viele weitere Vorhaben sind dazugekommen, und keins davon ist klein: "Ich hatte immer den Traum, Menschen von der Geburt bis zum Berufseintritt zu begleiten und ihnen somit eine gute Chance fürs Leben zu geben", sagt Pfarrer Hippler. "Er wird gerade wahr." Obwohl die Pandemie auch in der Region Kapstadt schwer gewütet, für Not und Tod gesorgt hat, konnte der 61-Jährige ein bisher einmaliges Konzept vorbereiten.

Wieder einmal vertreibt ein Großprojekt die Bewohner des Elendsviertels. Weil eine neue Landebahn für den benachbarten Flughafen gebaut wird, müssen sie das Areal räumen und anderenorts unterkommen. Das betrifft auch Pfarrer Hippler und die Infrastruktur, die Hope Cape Town zur Versorgung tausender Menschen geschaffen hat.

"Uns wurde Land zugewiesen, doch wir ziehen nicht einfach nur um." Auf dem neuen Areal entstehe ein Service- und Beratungsstützpunkt mit Klinik, ein Zentrum für frühkindliche Förderung und ein Berufscampus. "Wir starten mit einer Berufsausbildung im dualen System, wie in Deutschland", so Hippler. Zuerst werde die Organisation jungen Leuten die Möglichkeit geben, Logistikfacharbeiter zu werden. Das biete sich wegen des großen Flughafens in der Nähe an.

Drei exklusive Charity-Dinner geplant

Für dieses Mammutprojekt - extrem viel Mühe in einer komplizierten Zeit - hat Hippler rund 40 Partner, Institutionen und Unternehmen, aktiviert. Der Freistaat Bayern allein unterstützt das Berufszentrum mit 1,9 Millionen Euro. Der Bau schafft Arbeitsplätze, die gerade bitter nötig sind. "Wir hatten nach dem ersten und extrem harten Lockdown zwar einen guten Sommer mit wenig Infektionen", erzählt Stefan Hippler. Doch die Wirtschaft sei kaputt, der Tourismus liege am Boden. "Wo sollen die Leute arbeiten, wenn Hotels, Restaurants und touristische Angebote keine Kundschaft haben?" Staatliche Unterstützung gibt es nicht.

Umso wichtiger ist der Weg, den Hope Cape Town nun geht. Zwar gibt es vor Ort eine Art beruflicher Colleges. Doch die Hürden, um dort zu lernen, seien für die meisten Township-Jugendlichen viel zu hoch, sagt er. Ihnen will Hippler nun eine Perspektive geben. Dafür lohnt sich jedes graue Haar.

"Mir ist aber wichtig, dass die Dresdner wissen: Unsere Kinderkrankenstation im Tigerberg-Hospital und unsere Gesundheitsarbeiter in den Gesundheitsstationen bleiben von diesem neuen Vorhaben unberührt." Für sie haben die Gäste der Hope-Galas insgesamt mehr als eine Million Euro gespendet.

Doch Spenden zu sammeln, ist nach wie vor schwer: Benefizveranstaltungen brauchen Vorlauf und Planungssicherheit, Privatleute und Unternehmen müssen wirtschaftlich gut dastehen, um anderen helfen zu können. "Wir wissen noch nicht, wie es weitergehen wird und können nur abwarten", sagt der Pfarrer. "Die Hoffnung hält uns am Leben."

Wenn am Donnerstagabend bei den Filmnächten am Elbufer tausende Gäste einem Konzert lauschen, das extra für Hope initiiert wurde, ist das nach anderthalb Jahren ein hoffnungsvoller Anfang. Zwar konnte die Gala zweimal in Folge nicht stattfinden. Nun jedoch stehen zahlreiche Künstler auf der Bühne am Königsufer, ohne dafür eine Gage zu nehmen, und um gemeinsam mit dem Publikum die Hilfsorganisation zu unterstützen.

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Dank eines neuen Veranstaltungsformates konnte die Hope-Gala-Initiatorin Viola Klein auch über den Benefizabend hinaus Spenden mit einem exklusiven Charity-Dinner einwerben. Drei weitere Termine sind für Herbst geplant.

"Ich bin den Dresdnern unendlich dankbar, dass sie in dieser auch für sie schweren Zeit an uns denken", sagt Stefan Hippler. "Das berührt mich wirklich tief."

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