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Dresden: So viele Flüchtlinge kamen 2020

Die Dresdner Heime avancierten im Oktober zu einem der Corona-Hotspots. Auch abgeschoben wurde trotz der Pandemie.

Die meisten Geflüchteten kommen aus Syrien und dem Irak.
Die meisten Geflüchteten kommen aus Syrien und dem Irak. © Swen Pförtner/dpa

Dresden. Die Corona-Pandemie hat die Dresdner hart getroffen. Auch in den Unterkünften für Asylbewerber brach das Virus aus. Wochenlang wurden die Bewohner isoliert. Vor allem die Kinder haben gelitten.

Wie viele Coronafälle gab es in Flüchtlingsunterkünften?

In den Dresdner Erstaufnahmeeinrichtung gibt es aktuell, mit Stand vor Weihnachten, drei Corona-Fälle. Die Betroffenen sind in der Unterkunft am Hammerweg untergebracht, so Ingolf Ulrich, Sprecher der Landesdirektion Sachsen.

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Im Oktober waren die Flüchtlingsunterkünften neben Schulen, Kitas und Pflegeheimen Hotspots der Pandemie in der Stadt. Zwischenzeitlich waren in den Dresdner Aufnahmeeinrichtungen 30 positiv auf Corona getestete Personen - 11 in der Hamburger Straße und 19 in der Bremer Straße.

Wie viele Flüchtlinge kamen 2020 insgesamt neu nach Dresden?

Die Zentrale Ausländerbehörde bei der Landesdirektion Sachsen kann nur Sachsenzahlen nennen. Der Freistaat nahm bis Ende Oktober insgesamt 3.582 Asylsuchende auf. Die Top-Herkunftsländer sind – in der genannten Reihenfolge - Syrien, Venezuela, Afghanistan, Georgien, Pakistan, Türkei, Irak, Libyen und Tunesien.

Laut Dresdner Sozialamt trafen bis Ende Juli diesen Jahres 314 Personen neu in der Landeshauptstadt ein, darunter 111 Kinder. Die Hauptherkunftsländer waren hier die Russische Föderation, Syrien, Georgien, Irak, Libanon und Afghanistan.

Wie viele Menschen sind jeweils aktuell in den Dresdner Einrichtungen untergebracht?

Ende Dezember sind in der Unterkunft auf der Hamburger Straße 263 Bewohner untergebracht, davon 55 Frauen und 27 Kinder. In der Erstaufnahmeeinrichtung Bremer Straße 25 sind es 196 Bewohner, davon 11 Frauen und acht Kinder und auf dem Hammerweg 68 Bewohner, davon 13 Frauen und fünf Kinder.

Wie viele Menschen wurden aus Dresdner Einrichtungen 2020 abgeschoben?

Im Jahr 2020 wurden insgesamt 15 Menschen aus den Dresdner Aufnahmeeinrichtungen abgeschoben, so die Landesdirektion auf SZ-Anfrage. Zielländer waren: Frankreich, Georgien, Österreich, Portugal und Tunesien.

Aktuell befindet sich aber kein Untergebrachter in der Einrichtung zum Vollzug der Abschiebungshaft und des Ausreisegewahrsams.

"Jede einzelne Abschiebung ist eine zu viel. Deutschland ist derzeit einer der globalen Infektionshotspots und trotzdem werden alle, die bei einer Abschiebung beteiligt sind, gefährdet. Am meisten jedoch die, die in oft zusammenbrechende Gesundheitssysteme abgeschoben werden", sagt Mark Gärtner vom Flüchtlingsrat.

Welche sozialen Angebote finden gerade trotz Lockdown in den Einrichtungen statt?

In den Einrichtungen auf der Hamburger und Bremer Straße werden unter strikter Einhaltung der Hygienemaßnahmen Freizeitaktivitäten wie das Schneidern von Masken und Tischtennis angeboten, so die Landesdirektion.

Die Kinderbetreuung sowie das lang erkämpfte Bildungsangebot für die Schulkinder findet, soweit wie möglich, weiterhin in sehr kleinen Gruppen unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen statt.

Den Unterricht an den Dresdner Schulen dürfen die Flüchtlingskinder nicht besuchen. "Soweit Aufnahme- und Verlegestopps oder eine Quarantäne angeordnet sind, findet kein Bildungsangebot statt. In den Monaten April und Mai war das Bildungsangebot vorübergehend ausgesetzt", so Landesdirektionssprecher Ingolf Ulrich.

Nur acht Tage Schulunterricht für Flüchtlingskinder

Wie selten die Schulkinder in den Dresdner Heimen tatsächlich von September bis Dezember 2020 beschult wurden, geht aus der Antwort von Innenminister Roland Wöller auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneter Juliane Nagel hervor. So seien die 51 Kinder nur acht Tage im dritten Quartal in Deutsch und Mathe unterrichtet worden.

Immerhin sei auf die Hygiene geachtet wurden, so Wöller. "Die Klassenzimmer werden in regelmäßigen Abständen desinfiziert und gelüftet. Zudem wurde die Klassenstärke reduziert, so dass Abstände sicher eingehalten werden können. Die Kinder und Jugendlichen waschen ihre Hände zu Beginn und zum Ende des Angebotes", schreibt der Minister. Es würden personalisierte Unterrichtsmaterialen ausgegeben.

"Lernen in der Pandemie ist für alle Kinder und Jugendlichen eine Herausforderung. Im Lager wird das nur verschärft. Werden dort das Bildungsangebot und alle weiteren Angebote in einem Lockdown ersatzlos gestrichen, gibt es kein Entkommen aus der oft gewaltvollen Tristesse Dresdner Aufnahmeeinrichtungen", kritisiert Mark Gärtner vom Flüchtlingsrat.

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