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Sorge und Glück im Doppelpack

Der Start ins Leben ihrer Zwillinge verlief holprig und brauchte viel Unterstützung. Cindy und Uwe Scholz wissen, wie wichtig für Frühchen starke Eltern sind.

Cindy und Uwe Scholz sind stolz und glücklich mit ihren Zwillingen Alfred und Jakob. Trotz des Fütterns, Windelns und Kuschelns in doppelter Ausführung finden sie ihr Leben nun endlich herrlich normal.
Cindy und Uwe Scholz sind stolz und glücklich mit ihren Zwillingen Alfred und Jakob. Trotz des Fütterns, Windelns und Kuschelns in doppelter Ausführung finden sie ihr Leben nun endlich herrlich normal. © René Meinig

Dresden. Das Selbstverständliche in einer Gesellschaft gilt als normal. In der Familie ist es nicht anders: Das Leben verläuft wie erwartet, es fühlt sich vertraut und verlässlich an. Diesen Zustand nach langer Zeit wieder zu haben, ist für Cindy und Uwe Scholz eine große Besonderheit.

"Ich hatte eine unbeschwerte Schwangerschaft", sagt Cindy. Normal war sie nicht. Denn die heute 27-Jährige erwartete Zwillinge. Das ist selten und für Mutter und Kinder ein erhöhtes Risiko. Doch dem Gefühl und Befinden nach war für alle drei die Welt völlig in Ordnung. Kein Grund zur Sorge.

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So blieb es bis zum Abend des 19. Juli dieses Jahres. Dass sich ihre Kinder früher als errechnet ankündigen würden, darauf waren die werdenden Eltern eingestellt. Das verunsicherte sie nicht. Als Cindy Scholz nachts jedoch Blutungen bemerkte, war alles anders: "Da habe ich sofort gewusst, dass etwas überhaupt nicht in Ordnung ist."

Zehn Wochen zu früh auf der Welt

Zehn Wochen hätten die Kleinen noch Zeit gehabt, geht man vom Normalen aus. Das bedeutet 40 Schwangerschaftswochen. Wenigstens die 32. Woche zu erreichen, hatte Cindy gehofft. Dann würden die Babys stark und gereift genug für einen weniger komplizierten Start ins Leben sein. Nun griff Uwe eilig zum Telefonhörer und rief den Rettungswagen.

Knapp vier Monate später dehnt und streckt sich ein Winzling in seinem Arm. Dessen Abbild auf Cindys Schoß blinzelt ins Licht. Dass es ihren Söhnen Alfred und Jakob jetzt so gut geht, ist keine Selbstverständlichkeit und ihrem Lebenswillen, ihren Eltern und dem Ärzteteam des Städtischen Klinikums Dresden zu verdanken.

Dort versorgte Oberarzt Stefan Schmidt zusammen mit seinen Kollegen die werdende Mutter. Kurz vor Mitternacht kam sie im Neustädter Krankenhaus an - verunsichert und besorgt. Heute sagt sie: "Nicht nur die schnelle Betreuung, sondern auch die gute Aufklärung in der Klinik hat meinem Mann und mir sehr geholfen."

Neonatologe Stefan Schmidt und Kinderkrankenschwester Manuela Hähnle haben Alfred und Jakob mit ihren Eltern viele Wochen lang im Städtischen Klinikum betreut. Dort gab es im vergangenen Jahr etwa 40 Zwillings- und rund 130 Frühgeburten.
Neonatologe Stefan Schmidt und Kinderkrankenschwester Manuela Hähnle haben Alfred und Jakob mit ihren Eltern viele Wochen lang im Städtischen Klinikum betreut. Dort gab es im vergangenen Jahr etwa 40 Zwillings- und rund 130 Frühgeburten. © René Meinig

Doch zunächst war die Wissenschaft gefragt. Ziel der Ärzte: die Wehentätigkeit medikamentös so lange wie möglich beruhigen und die drohende Frühgeburt aufhalten. Das sollte Zeit schaffen, um die Lungen der Zwillinge weit genug zu entfalten, damit die Kinder ohne maschinelle Unterstützung atmen können, sobald sie auf der Welt sind.

Das entsprechende Medikament brachte den gewünschten Effekt und verschaffte dem Ärzteteam Zeit. Jetzt konnte es die Kaiserschnittgeburt in Ruhe planen. "So ist es uns gelungen, eine Notoperation zu vermeiden und die Eltern auf das vorzubereiten, was nach der Entbindung auf sie zukommen wird", sagt Stefan Schmidt, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin.

Was kommt nach dem ersten Schrei? Normalerweise: Mutter und Kind wohlauf, Glücksgefühle, Blumen und ein baldiger Start ins neue Familienleben. Für Eltern mit Frühchen sieht die Welt jedoch anders aus. Nichts ist normal. Kein Babybett im Krankenhauszimmer, kein Stillen, Wickeln, Waschen. 

Mit Ausnahmesituation zurechtkommen

Oft bleibt nach der Geburt nicht einmal Zeit, der Mutter das Frühchen wenigstens kurz auf die Brust zu legen. Es muss sofort medizinisch versorgt, in dramatischen Fällen beatmet oder gar operiert werden. Ihre Eltern sehen es dann zum ersten Mal im Inkubator - erschreckend winzig, voller Kabel und angeschlossen an ständig piepende Geräte. "Das kann ein Schock sein", weiß Neonatologe Stefan Schmidt.

Gerade auf diesen Anblick stellt er betroffene Mütter und Väter einfühlsam ein. "Die Eltern müssen im Vorfeld wissen, wie die ersten Tage ihres Kindes verlaufen werden, warum das notwendig ist und was sie tun können, um mit der Ausnahmesituation zurechtzukommen."

Während Jakob nur wenig Unterstützung beim Atmen brauchte, musste Alfred kurzzeitig beatmet werden. "Doch das war alles im Bereich des Normalen", sagt Schmidt. Starke Eltern zur Seite zu haben, ist auch für ihn und sein Team eine große Unterstützung auf dem Weg zum Ziel ihrer Arbeit - nämlich, eine zufriedene Familie nach Hause zu entlassen.

Sechs Wochen lang mussten Alfred und Jakob im Krankenhaus bleiben. Dann war der holprige Start ins Leben geschafft. Dass es fortan für alle leichter und ohne große Erschütterungen weitergeht, auch dafür sorgen die Mitarbeiter des Klinikums. Schon dort unterstützt der Psychosoziale Dienst die Eltern, ebenso wie eine Stillberaterin. Auch die Nachsorge durch den niedergelassenen Kinderarzt und der Kontakt zum Physiotherapeuten waren geklärt, als Cindy und Uwe ihre Kleinen endlich in die Babyschalen packen durften.

Lila Lichter zum Welt-Frühgeborenen-Tag

Am 17. November hätten sie eigentlich Anlass gehabt, ihren Ärzten und Pflegern einen Besuch abzustatten. Zum Welt-Frühgeborenen-Tag bieten die Mitarbeiter der Station einen Vortrag und Austausch der Mehrlingseltern untereinander an. "Das muss nun wegen Corona leider aufs nächste Jahr verschoben werden", sagt die Kinderkrankenschwester Manuela Hähnle, die auch Alfred und Jakob versorgte.

Eine Aktion der Klinik funktioniert jedoch unabhängig von Corona: Am Tag der weltweiten Frühchen, ihrer Eltern, Ärzte und Pflegekräfte wird das Hauptgebäude des Städtischen Klinikums Dresden-Neustadt lilafarben beleuchtet. 

Für Cindy und Uwe ist immer Frühchentag. Doch jeder davon bedeutet mehr Ankunft im gemeinsamen Alltag: "Wir freuen uns einfach riesig über jeden Tag, der ganz normal verläuft." 

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